Die Europäische Zentralbank und die Bundesbank arbeiten intensiv an der Einführung eines digitalen Euros. Dieses neue Zahlungsmittel soll das Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen. Ziel ist es, den Bürgern im Euroraum sichere, effiziente und zuverlässige Zahlungsmöglichkeiten zu bieten, die sich an veränderte Gewohnheiten anpassen. Der digitale Euro ist Teil eines umfassenden Pakets, das auch die Rolle von Euro-Banknoten und -Münzen stärkt.
Wichtige Erkenntnisse
- Der digitale Euro ergänzt Bargeld, ersetzt es nicht.
- Zahlungspräferenzen verschieben sich zunehmend zu digitalen Optionen.
- Der digitale Euro soll die strategische Autonomie Europas stärken.
- Datenschutz ist ein zentrales Designmerkmal des digitalen Euros.
- Eine mögliche Einführung ist für 2029 geplant, vorbehaltlich der Gesetzgebung.
Zwei Formen öffentlichen Geldes für Europa
Die Europäische Kommission hat ein umfassendes Paket vorgelegt, das den digitalen Euro und Euro-Banknoten sowie -Münzen gleichermaßen berücksichtigt. Diese parallelen Vorschläge zeigen, dass beide Formen des Geldes eine wichtige Rolle spielen. Der Vorschlag zum Bargeld klärt den Status des gesetzlichen Zahlungsmittels und stärkt die Annahmepflicht im Einzelhandel. Zudem sollen die Mitgliedstaaten sicherstellen, dass der Zugang zu Bargeld eine praktische Realität bleibt.
Die Bundesbank unterstützt diesen Ansatz aktiv. Bargeld bleibt das physische Kernprodukt der Zentralbank. Die Eurosystem-Bargeldstrategie spiegelt diese Bedeutung wider. Der digitale Euro ist somit nicht als Ersatz für den Bargeldkreislauf konzipiert. Stattdessen soll er eine Lücke schließen, wo Zentralbankgeld für alltägliche digitale Zahlungen bisher nicht direkt für die Öffentlichkeit verfügbar ist.
Faktencheck: Bargeldnutzung
In Deutschland ist der Anteil der Bargeldtransaktionen von 74 Prozent im Jahr 2017 auf 51 Prozent im Jahr 2023 gesunken. In anderen Euro-Ländern ist dieser Anteil teilweise noch deutlich geringer.
Warum ein digitaler Euro notwendig ist
Die Notwendigkeit eines digitalen Euros ergibt sich aus den sich wandelnden Zahlungsgewohnheiten. Immer mehr Bürger zahlen digital – ob an der Ladenkasse, online oder von Person zu Person. Aus Sicht des Eurosystems gibt es drei Hauptgründe, eine öffentliche Option in diesem Bereich anzubieten: Effizienz, Widerstandsfähigkeit und strategische Autonomie.
Effizienz und grenzüberschreitende Zahlungen
Europa verfügt noch nicht über ein einheitliches digitales Zahlungsinstrument, das im gesamten Euroraum auf gleiche Weise funktioniert. Zwar gibt es erfolgreiche nationale Lösungen wie die girocard in Deutschland oder Bizum in Spanien, diese sind jedoch meist auf nationale Märkte oder spezifische Kanäle beschränkt. Ein digitaler Euro würde hier Abhilfe schaffen.
Widerstandsfähigkeit in Krisenzeiten
Die geplante Offline-Funktionalität des digitalen Euros soll digitale Zahlungen auch ohne Internetverbindung ermöglichen. Ein großflächiger Stromausfall in Spanien und Portugal im April 2025 zeigte deutlich, dass Bargeld weiterhin funktionierte, während Kartenterminals ausfielen. Ein digitaler Euro wird so konzipiert, dass er auch in solchen Ausnahmesituationen nutzbar bleibt und somit eine digitale Alternative bietet.
„Die Arbeit der Bargeldbranche trägt täglich zu diesem Vertrag bei. Das anhaltende Engagement der Bundesbank für einen starken Bargeldkreislauf ist keine Position, die dem Projekt des digitalen Euro entgegensteht. Es ist Teil desselben Bildes.“
Stärkung der strategischen Autonomie
Rund zwei Drittel der Kartenzahlungen im Euroraum werden über internationale Kartensysteme abgewickelt, die ihren Hauptsitz außerhalb Europas haben. Dreizehn der einundzwanzig Euro-Mitgliedstaaten verfügen über kein eigenes nationales Kartensystem. In einer kritischen Infrastruktur wie dem Zahlungsverkehr stellt dieser Grad der externen Abhängigkeit ein strukturelles Problem dar. Ein digitaler Euro würde ein öffentliches digitales Zahlungsmittel für Bürger im gesamten Euroraum bereitstellen, basierend auf europäischer Infrastruktur und europäischen Regeln.
Hintergrund: Das monetäre System
Unser monetäres System basiert auf einer zweistufigen Struktur: Die Zentralbank gibt Geld aus (Bargeld), und Geschäftsbanken schaffen Buchgeld. Der digitale Euro würde diese Struktur widerspiegeln, indem das Eurosystem die Kerninfrastruktur bereitstellt und Banken die Verteilung übernehmen.
Funktionsweise des digitalen Euros
Der digitale Euro würde dem zweistufigen Aufbau unseres Währungssystems folgen. Das Eurosystem würde ihn ausgeben und die zentrale Infrastruktur bereitstellen. Banken und andere Zahlungsdienstleister würden ihn verteilen, in bestehende Apps und Karten integrieren und als Ansprechpartner für die Nutzer fungieren.
Wichtige Designmerkmale
Drei Designmerkmale sind besonders relevant. Erstens ist der digitale Euro als Zahlungsmittel und nicht als Wertspeicher gedacht. Er würde nicht verzinst und wäre Haltegrenzen unterworfen. Dies dient hauptsächlich dem Schutz der Finanzstabilität und der Vermeidung störender Verschiebungen von Bankeinlagen.
Zweitens würde er online und offline funktionieren. Online-Zahlungen würden über die Eurosystem-Infrastruktur und beaufsichtigte Vermittler abgewickelt. Offline-Zahlungen würden direkt zwischen den Geräten von Zahler und Empfänger erfolgen, ohne ständige Internetverbindung.
Drittens ist der Datenschutz von Anfang an integriert. Das Eurosystem könnte einzelne Nutzer nicht identifizieren oder sehen, was sie kaufen. Bei Online-Zahlungen würden Zahlungsdienstleister die gleichen Prüfungen durchführen, die sie bereits heute vornehmen. Bei Offline-Zahlungen sollte das Datenschutzniveau dem von Bargeld nahekommen.
Aktueller Stand des Projekts
Die Europäische Kommission hat ihren Vorschlag im Juni 2023 präsentiert. Der Rat der Europäischen Union hat sein Verhandlungsmandat am 19. Dezember 2025 angenommen. Im Europäischen Parlament sind die Arbeiten an einer Verhandlungsposition weit fortgeschritten. Sobald das Parlament sein Mandat beschlossen hat, können die Trilog-Verhandlungen beginnen.
Ohne eine von den Mitgesetzgebern verabschiedete Verordnung wird es keinen digitalen Euro geben. Technisch gesehen ist das Eurosystem am 1. November 2025 in die Phase der technischen Vorbereitung eingetreten. Ab der zweiten Hälfte des Jahres 2027 ist ein Pilotprojekt mit ausgewählten Zahlungsdienstleistern, Händlern und Mitarbeitern des Eurosystems geplant. Bei erfolgreicher Gesetzgebung und Vorbereitung plant das Eurosystem eine mögliche Einführung im Jahr 2029.
- Juni 2023: Vorschlag der Europäischen Kommission
- 19. Dezember 2025: Annahme des Verhandlungsmandats durch den Rat der EU
- 1. November 2025: Beginn der technischen Vorbereitungsphase des Eurosystems
- Ab Mitte 2027: Geplantes Pilotprojekt
- 2029: Mögliche Einführung des digitalen Euros
Fazit: Wahlfreiheit und Sicherheit
Der digitale Euro wird das Bargeld nicht verdrängen, sondern ergänzen. Beide Formen des öffentlichen Geldes sollen nebeneinander existieren und den Bürgern die Wahlfreiheit und die Sicherheit bieten, die sie von Zentralbankgeld erwarten. Bargeld bleibt der physische Anker unseres Währungssystems, während der digitale Euro den Bereich der digitalen Zahlungen abdecken wird, in dem öffentliches Geld bisher fehlt. Die Bundesbank betont, dass das Engagement für einen starken Bargeldkreislauf und die Entwicklung des digitalen Euros Teil eines gemeinsamen Ziels sind: die Gewährleistung sicherer, effizienter und zuverlässiger Zahlungsmöglichkeiten für alle.





