Der Energiespeichersektor in den USA steht vor einer dynamischen Entwicklung. Trotz widersprüchlicher Signale aus der Bundesregierung und komplexer politischer Rahmenbedingungen prognostizieren Experten ein erhebliches Wachstum der Speicherkapazitäten in den kommenden Jahren. Neue Daten zeigen, dass der Markt bereits Rekordwerte erreicht.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Energiespeichersektor in den USA wird in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich eine halbe Terawattstunde neue Kapazität installieren.
- Das erste Quartal 2025 und das gesamte Jahr 2024 verzeichneten Rekordwerte bei der Installation von Batteriespeichersystemen (BESS).
- Die Regierung fördert den Bau von Atomkraftwerken und lockert Beschränkungen für Kohlekraftwerke, während erneuerbare Energien teils gekürzt werden.
- Der Investment Tax Credit (ITC) wird durch neue Regeln eingeschränkt, die Projekte mit Beteiligung ausländischer Unternehmen aus bestimmten Ländern ausschließen.
- Batteriespeicher bieten einen deutlichen Wettbewerbsvorteil durch ihre schnelle Implementierung im Vergleich zu Atom- oder Kohlekraftwerken.
Rekordwachstum im Energiespeicherbereich
Der US-Energiespeichermarkt hat in jüngster Zeit beeindruckende Zahlen vorgelegt. Laut Berichten von Marktforschungsunternehmen wird erwartet, dass die Branche in den nächsten fünf Jahren etwa eine halbe Terawattstunde an neuer Kapazität installieren wird. Dies unterstreicht das enorme Potenzial und die Nachfrage nach Energiespeicherlösungen.
Das erste Quartal 2025 und das gesamte Jahr 2024 stellten Rekorde dar. Insgesamt wurden 18,9 GW/51 GWh an Batteriespeichersystemen (BESS) in den Bereichen Versorgungsunternehmen, Wohngebiete sowie Gewerbe und Industrie in Betrieb genommen. Viele Projekte begannen Ende letzten Jahres mit dem Bau, um noch vom Investitionssteuerabzug (ITC) zu profitieren, was eine Verlangsamung der Aktivitäten im mittleren Jahresverlauf ausglich.
Faktencheck Energiespeicher
- 18,9 GW/51 GWh: Installierte BESS-Kapazität im letzten Jahr und Q1 2025.
- 12-24 Monate: Typische Dauer von der Planung bis zur Inbetriebnahme eines Batteriespeicherprojekts.
- Halbe Terawattstunde: Prognostizierte neue Speicherkapazität in den nächsten fünf Jahren.
Politische Rahmenbedingungen und Herausforderungen
Die Energiepolitik der aktuellen US-Regierung sendet gemischte Botschaften. Carl Coe, Stabschef des US-Energieministeriums (DOE), betonte bei einem Branchenevent im April, dass dem Ministerium „erschwingliche, zuverlässige, verfügbare Energie, unabhängig von der Quelle“ am Herzen liege. Diese Aussage spiegelt eine breite Herangehensweise wider, die verschiedene Energiequellen umfasst.
Ein wesentlicher Faktor ist der sogenannte ‘One Big Beautiful Bill’ Act (OBBBA), der neue Beschränkungen für ausländische Unternehmen aus bestimmten Ländern (FEOC) einführt. Projekte, deren Entwickler oder Eigentümer erhebliche Unterstützung von einem als FEOC eingestuften Land erhalten – wie beispielsweise China, ein führender Exporteur von Batterieprodukten – qualifizieren sich nicht mehr für den ITC. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Lieferketten und die Projektfinanzierung im Energiespeichersektor.
„Wir können diese Amtszeit nicht beenden, ohne den Bau von Anlagen zu erleichtern. Es dürfen nicht Regierungspolitiken sein, die Sie alle ausbremsen, das wäre ein völliges Versagen unsererseits.“
Förderung traditioneller Energieträger
Während es einige Verpflichtungen zur Entwicklung von BESS und erneuerbaren Energien gibt, wie ein Kreditpaket an Southern Company zeigt, hat die Regierung auch erhebliche Mittel – Milliarden von Dollar – für die Lockerung von Beschränkungen für Kohlekraftwerke und den Ausbau von Atomkraftwerken bereitgestellt. Im März kündigte der Innenminister Doug Burgum einen Deal an, bei dem die Regierung 1 Milliarde US-Dollar Steuergelder verwenden würde, um TotalEnergies dafür zu bezahlen, Kapital von Offshore-Windenergieprojekten in Erdgasprojekte umzuleiten.
Im Jahr 2025 kündigte das DOE die Streichung von über 7 Milliarden US-Dollar an Fördergeldern für Wind- und Solarprojekte an. Ein US-Bezirksgericht entschied später, dass diese Maßnahmen eine Verletzung des Fünften Zusatzartikels darstellten. Trotz der Gerichtsentscheidung haben viele betroffene Projekte, auch solche, die nicht auf den Streichungslisten stehen, bis März keine aktuellen Informationen vom Ministerium erhalten.
Hintergrund: Foreign Entity of Concern (FEOC)
Die FEOC-Beschränkungen sind Teil des ‘One Big Beautiful Bill’ Act (OBBBA). Sie zielen darauf ab, die Abhängigkeit von ausländischen Lieferketten, insbesondere aus China, in kritischen Energiebereichen zu reduzieren. Diese Regeln betreffen direkt die Qualifikation für den wichtigen Investment Tax Credit (ITC) und können die Kosten und die Machbarkeit von Energiespeicherprojekten erheblich beeinflussen.
Herausforderungen beim Bau und der Genehmigung
Coe hob die aktuellen Herausforderungen beim Bau neuer Energieinfrastruktur hervor. Er sprach von einem „besonders akuten Problem“, Dinge im Land zu bauen. Es gebe eine lange Liste von Problemen, die politische Änderungen erfordern. Dazu gehören die Vereinfachung von Genehmigungsverfahren, die Bewältigung regulatorischer Hürden und die Änderung der Einstellung lokaler Behörden.
Die Regierung hat auch Schritte unternommen, um den Ausbau von BESS voranzutreiben. Im Januar schloss sich der Energieminister Chris Wright mit Präsident Donald Trump und einer überparteilichen Gruppe von Gouverneuren zusammen, um eine regionale Übertragungsorganisation (RTO) aufzufordern, ihre Marktregeln zu überarbeiten und eine Notbeschaffungsauktion abzuhalten.
Fokus auf Atomkraft und Kohle
Das DOE kündigte kürzlich an, eine Darlehensgarantie an Holtec Palisades auszustellen, um den Betrieb des Kernkraftwerks Palisades wieder aufzunehmen. Bereits im Jahr 2025 hatte das DOE über 100 Millionen US-Dollar der insgesamt bis zu 1,52 Milliarden US-Dollar Darlehensgarantie ausgezahlt. Obwohl die Wiederaufnahme des Betriebs ursprünglich für Oktober 2025 geplant war, wurde dies im März dieses Jahres erneut verschoben.
Coe betonte auch das Engagement der Regierung für Atomkraft und Kohle. Mehrere Kohlekraftwerke, deren Abschaltung geplant war, sind laut DOE weiterhin in Betrieb. Bisher wurde kein geschlossenes Atomkraftwerk wieder in Betrieb genommen.
Der Wettbewerbsvorteil von Energiespeichern
Die Kommentare von Carl Coe, den Bau von Anlagen zu erleichtern, unterstreichen unbeabsichtigt den Wettbewerbsvorteil von Energiespeichern gegenüber den von der Regierung priorisierten Energieerzeugungsressourcen. Während die Wiederinbetriebnahme von Atomkraftwerken mehrjährige Verzögerungen erfährt und neue Kohlekapazitäten umfangreiche Umweltgenehmigungen erfordern, können Batteriespeicherprojekte in nur 12 bis 24 Monaten von der Planung bis zum Betrieb umgesetzt werden.
Diese Geschwindigkeit macht Energiespeicher besonders attraktiv für Versorgungsunternehmen und Netzbetreiber, die aufgrund des wachsenden Bedarfs an Rechenzentren und anderer Infrastruktur einen sofortigen Kapazitätsbedarf haben. Die schnelle Bereitstellung von Speicherkapazitäten kann Engpässe im Netz überbrücken und die Stabilität der Energieversorgung verbessern, was ein entscheidender Faktor für die moderne Wirtschaft ist.





