Der US-amerikanische Energiespeichermarkt hat im dritten Quartal 2025 ein bemerkenswertes Wachstum verzeichnet. Die installierte Kapazität übertraf bereits in den ersten neun Monaten des Jahres die Gesamtmenge des Vorjahres. Dies zeigt eine anhaltend starke Entwicklung in allen Marktsegmenten, von großen Netzspeichern bis hin zu Heimsystemen.
Wichtige Erkenntnisse
- Die US-Energiespeicherinstallationen übertrafen 2025 bereits die Kapazität von 2024.
- Im dritten Quartal 2025 wurden 5,3 GW/14,5 GWh an Speicherkapazität installiert.
- Texas und Kalifornien sind führend bei den Großspeicherprojekten.
- Wohn- und Gewerbespeicher zeigen ebenfalls starkes Wachstum, angeführt von Kalifornien.
- Politische Anreize und wirtschaftliche Faktoren treiben den Markt an.
Rekordwachstum bei Energiespeichern in den USA
Die Vereinigten Staaten erleben einen beispiellosen Boom im Bereich der Energiespeicherung. Im dritten Quartal 2025 wurden beeindruckende 5,3 Gigawatt (GW) und 14,5 Gigawattstunden (GWh) an Speicherkapazität landesweit installiert. Diese Zahlen stammen aus dem aktuellen Q4 2025 US Energy Storage Monitor, einer gemeinsamen Veröffentlichung von Wood Mackenzie Power & Renewables und der American Clean Power Association (ACP).
Damit wurde die im gesamten Jahr 2024 installierte Kapazität bereits in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 übertroffen. Das vergangene Jahr 2024 war bereits ein Rekordjahr, in dem die Installationen erstmals die 10-Gigawatt-Marke überschritten und insgesamt 12 GW über alle Marktsegmente hinweg erreicht wurden. Die aktuellen Daten zeigen, dass in den ersten drei Quartalen 2025 insgesamt 12,6 GW an Speichersystemen in Betrieb genommen wurden.
Faktencheck Energiespeicher
- Q3 2025 Installationen: 5,3 GW / 14,5 GWh
- 2025 (bis Q3) Installationen: 12,6 GW
- 2024 Gesamtinstallationen: 12 GW
- Wachstum im Versorgungsbereich: 27% gegenüber Vorjahr in Q3 2025
Dominanz der Großspeicher und regionaler Hotspots
Ein Großteil des Wachstums entfällt auf den Bereich der Großspeicher (Utility-Scale Storage). Hier stiegen die Installationen im dritten Quartal 2025 um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt wurden 4,6 GW und 13,6 GWh in diesem Sektor hinzugefügt. Dies unterstreicht die zunehmende Bedeutung großer Batteriespeichersysteme für die Stabilisierung des Stromnetzes und die Integration erneuerbarer Energien.
Zwei Bundesstaaten stechen dabei besonders hervor: Texas und Kalifornien. Sie machten zusammen 82 Prozent der gesamten installierten Großspeicherkapazität aus. Diese Regionen profitieren von einer Kombination aus starker Nachfrage, günstigen regulatorischen Rahmenbedingungen und einer hohen Dichte an erneuerbaren Energieprojekten.
„Trotz neuer bundesstaatlicher Richtlinien und Zölle bleiben die Marktgrundlagen außergewöhnlich stark“, so Allison Feeney, Forschungsanalystin bei Wood Mackenzie. „Der anhaltende Zugang zum Investment Tax Credit (ITC), wettbewerbsfähige Kosten für die heimische Zellproduktion, potenzielle Händlereinnahmen, staatliche Politik und Lastwachstum treiben unsere erhöhte Fünfjahresprognose an.“
Hintergrund: Investment Tax Credit (ITC)
Der Investment Tax Credit (ITC) ist ein wichtiger Steueranreiz in den USA, der die Kosten für die Installation von Energiespeichersystemen senkt. Er wurde ursprünglich für Solarprojekte eingeführt und später auf eigenständige Energiespeichersysteme ausgeweitet, was die Wirtschaftlichkeit solcher Projekte erheblich verbessert.
Wachstum in Wisconsin und Langzeitspeicherprojekte
Auch andere Bundesstaaten tragen zum Wachstum bei. Wisconsin installierte im zweiten und dritten Quartal 210 MW. Ein bemerkenswertes Projekt ist die Integration eines ersten 100 MW/400 MWh Batteriespeichersystems (BESS) durch den Versorger Alliant Energy im Oktober. Dieses System befindet sich neben einem 200 MW Solarpark in Grant County.
Im Juli genehmigten die Regulierungsbehörden in Wisconsin zudem ein 20 MW/200 MWh Langzeitspeicherprojekt (LDES) von Energy Dome und Alliant Energy. Solche Projekte sind entscheidend, um erneuerbare Energien über längere Zeiträume zu speichern und die Netzstabilität zu gewährleisten, auch wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht.
Dezentrale Speichersysteme gewinnen an Bedeutung
Neben den Großspeichern wächst auch der Markt für dezentrale Speichersysteme. Im dritten Quartal 2025 dominierte Kalifornien den Bereich der Gemeinschafts-, Gewerbe- und Industriespeicher (CCI) mit 54 Prozent der Installationen. Illinois entwickelte sich ebenfalls zu einem wichtigen Markt und machte 4 Prozent der Installationen in diesem Segment aus.
Die Installationen von Heimspeichern stiegen im Vergleich zum Vorquartal um 8 Prozent. Auch hier waren Kalifornien, Arizona und Illinois führend. Die sogenannte 'Attachment Rate' – der Anteil der Solaranlagen, die direkt mit einem Speicher installiert werden – erreichte neue Höchststände. Zudem gewinnen größere Speichersysteme im Wohnbereich Marktanteile.
Puerto Rico verzeichnete das höchste vierteljährliche Wachstum bei den Installationen. Hohe Strompreise und ein anhaltender Bedarf an Resilienz des Netzes treiben dort die Nachfrage an. North Carolina und Arizona erreichten ebenfalls Rekordwerte bei den Quartalsinstallationen, beeinflusst durch Programme wie das PowerPair Programme und sinkende Einspeisevergütungen für Solarstrom.
Zukunftsaussichten: Ein Jahrzehnt des Wachstums
Die Prognosen für die kommenden Jahre sind vielversprechend. ACP und Wood Mackenzie erwarten, dass in den nächsten fünf Jahren, also bis Ende 2029, weitere 92,9 GW und 317,9 GWh an Speicherkapazität in den USA installiert werden. Dies wird hauptsächlich durch die Projektwirtschaftlichkeit und politische Anreize vorangetrieben.
Die Fünfjahresprognose für Großspeicher ist nach Verabschiedung des 'One Big Beautiful Bill Act' (OBBBA) um 15 Prozent gestiegen. Obwohl die Verhandlungen über dieses Gesetz zunächst zu einer Senkung der Erwartungen geführt hatten, hat der endgültige Text die Anreize für Energiespeicher gestärkt.
Der Markt für Gewerbe- und Industriespeicher (C&I) wird zwischen 2025 und 2029 voraussichtlich um weitere 892 MW wachsen. Programme wie Kaliforniens Net Billing Tariff (NBT), Massachusetts' Solar Massachusetts Renewable Target (SMART) 3.0 und Illinois' Rabattinitiativen tragen dazu bei. Auch der erweiterte Zugang zu den Großhandelsmärkten spielt eine Rolle.
Prognose US-Energiespeicher (2025-2029)
- Gesamtinstallationen: 92,9 GW / 317,9 GWh
- C&I-Wachstum: +892 MW
Herausforderungen und Chancen
Trotz des optimistischen Ausblicks wird der US-Großspeichermarkt voraussichtlich in den Jahren 2026 und 2027 um 11 Prozent bzw. 8 Prozent schrumpfen. Dies ist auf die Anpassung der Lieferketten und den Ausbau der heimischen Produktion zurückzuführen. Es wird erwartet, dass der Markt 2028 und 2029 wieder mit zweistelligen Wachstumsraten anspringt, sobald die heimische Zellversorgung besser verfügbar ist.
Im Bereich der dezentralen Speicherung gibt es gemischte Ergebnisse. Das CCI-Segment wird trotz bundesstaatlicher Einschränkungen stetig wachsen, da die Installationen stark von staatlichen Anreizen in Kalifornien, Massachusetts, New York und Illinois profitieren. Der Heimspeichersektor wird jedoch voraussichtlich 2026 um 6 Prozent zurückgehen, da der Section 25D ITC entfällt. Solaranlagen für Wohngebäude könnten sogar einen stärkeren Rückgang von 18 Prozent erleben.
Der anhaltende Zugang zum ITC, wettbewerbsfähige Kosten für die heimische Zellproduktion, Händlereinnahmen, staatliche Politik und Lastwachstum sind die treibenden Kräfte hinter den positiven Aussichten. Diese Faktoren werden dazu beitragen, dass die Energiespeicherung in den USA weiterhin eine Schlüsselrolle bei der Energiewende spielt.





