Die Energielandschaft in den USA steht vor einem grundlegenden Wandel. Ein massiver Anstieg des Strombedarfs, vor allem durch Rechenzentren, trifft auf ein Stromnetz, das mit der Integration neuer Energiequellen kämpft. Diese Entwicklung zwingt Politik und Industrie zu schnellem Handeln, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und die Kosten für Verbraucher stabil zu halten.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Strombedarf in den USA steigt rapide, primär durch Rechenzentren.
- Netzanschlussprozesse stellen ein großes Hindernis für neue Energiespeicherprojekte dar.
- Es gibt eine Verschiebung hin zu mehr staatlichen Subventionen und zentraler Planung im Energiemarkt.
- Neue politische Maßnahmen zielen darauf ab, Engpässe zu beseitigen und die Kapazität zu erhöhen.
Massiver Anstieg des Energiebedarfs durch Rechenzentren
Der Energiebedarf in den Vereinigten Staaten wächst exponentiell. Ein Haupttreiber dieser Entwicklung sind die sogenannten Hyperscale-Rechenzentren. Diese riesigen Datenzentren, wie sie beispielsweise in Virginias „Data Centre Alley“ zu finden sind, benötigen enorme Mengen an Strom. Die Region PJM, die Teile von 13 US-Bundesstaaten und Washington, D.C. umfasst, ist besonders betroffen.
Laurence Copson, Energiespeicherspezialist bei Zenobē Energy, betont die Dringlichkeit der Situation. Die Prognosen für den Strombedarf bis 2030 und 2035 zeigen einen erheblichen Anstieg. Diese Entwicklung schafft sowohl Herausforderungen als auch neue Möglichkeiten für Energiespeicherlösungen, sowohl hinter dem Zähler (BTM) als auch vor dem Zähler (FTM).
Faktencheck: Rechenzentren und Stromverbrauch
- Rechenzentren gelten als größter Treiber des steigenden Strombedarfs in der PJM-Region.
- Die genaue Menge des zusätzlich benötigten Stroms bis 2030 oder 2035 ist noch unsicher, aber der Trend ist klar steigend.
- Hyperscale-Betreiber wie Google prüfen den Einsatz großer Batteriesysteme zur Beschleunigung des Netzanschlusses.
Engpässe bei Netzanschlüssen und Genehmigungen
Das größte Hindernis für die Entwicklung von Energiespeichern ist derzeit der Netzanschluss. Dies betrifft nicht nur Batteriesysteme, sondern alle neuen Infrastrukturprojekte, die an das Stromnetz angeschlossen werden sollen. Die Prozesse sind oft langwierig und komplex.
„Interconnection everywhere remains the big bottleneck“, erklärt Laurence Copson. Er weist darauf hin, dass in einigen US-Bundesstaaten auch die Genehmigungsverfahren ein ebenso großes Problem darstellen. Selbst Projekte mit fertigen Netzanschlussverträgen scheitern manchmal an lokalen Genehmigungen. Dies ist besonders kritisch in Regionen, die dringend neue Kapazitäten benötigen.
Regionale Unterschiede bei Genehmigungsverfahren
In Staaten wie Maryland wurden bereits Gesetze eingeführt, um die Genehmigungsprozesse zu straffen. Der Bryon Act gibt den Kommunen weiterhin ein Mitspracherecht, entzieht ihnen aber das endgültige Vetorecht. Dies soll die Entwicklung erleichtern, da in der Vergangenheit die „Home Rule“ vieler Gemeinden Projekte blockierte.
Die Engpässe sind nicht nur prozessbedingt, sondern auch materiell. Lange Lieferzeiten für wichtige Komponenten wie Leistungsschalter und Transformatoren verzögern die Projekte zusätzlich. Kapital und Einnahmen sind hingegen selten das Problem. Investoren stehen bereit, besonders für Projekte mit sicheren Einnahmen durch langfristige Verträge.
„Kapital ist kein Engpass. Wenn es nicht diese Engpässe bei Netzanschluss und Planung gäbe, würden wir jährlich zig Gigawatt mehr Batterien bauen.“
Politische Treiber und Herausforderungen in US-Märkten
Die östliche Hälfte der USA, insbesondere die mittelatlantischen und nordöstlichen Staaten, zeigen eine hohe politische Unterstützung für neue Speichertechnologien. Demokratisch geführte Staaten initiieren Programme und Mandate, um den Bau von Speichern zu fördern.
Diese Staaten erkennen zunehmend eine drohende Kapazitätskrise, die teilweise sogar schwerwiegender ist als die PJM-weite Knappheit. Sie suchen nach Wegen, ihre Bürger vor zukünftigen Preiserhöhungen zu schützen. Der schnelle Bau von Batteriespeichern wird als eine der effektivsten Maßnahmen angesehen, um die Kapazität kurzfristig zu erhöhen.
PJM-Hintergrund
PJM ist die größte regionale Übertragungsorganisation (RTO) der USA und koordiniert den Stromfluss in 13 Bundesstaaten und dem District of Columbia. Sie ist verantwortlich für die Sicherstellung der Zuverlässigkeit des Stromnetzes und die Verwaltung des Kapazitätsmarktes.
Reformen zur Beschleunigung des Speicherausbaus
Die PJM-Region reagiert auf die Kapazitätsengpässe mit einer Reihe von Reformen. Eine wichtige Initiative ist der „Critical Issue Fast Path (CIFP) on Large Load Additions“. Der interessanteste Ansatz ist jedoch die „Reliability Backstop Procurement“.
Diese Maßnahme wurde nach einem parteiübergreifenden Aufruf des Weißen Hauses und der Gouverneure von 13 Staaten ins Leben gerufen. Ziel ist es, langfristige Verträge mit 15-jähriger Preissicherheit für neue Stromerzeugung anzubieten. PJM prognostiziert einen Kapazitätsengpass von etwa 30 GW bis 2030, der bis 2035 auf 55 GW ansteigen könnte.
Chancen für Batteriespeicher
Batteriespeicher mit einer Dauer von vier bis acht Stunden könnten in diesen Beschaffungsrunden eine entscheidende Rolle spielen. Sie konkurrieren mit neuen Gaskraftwerken, deren Bauzeiten jedoch deutlich länger sind. Um die Ziele für 2030 und 2031 zu erreichen, werden Speichertechnologien unerlässlich sein.
Copson sieht hier die größte Chance für den Speichermarkt in den nächsten 12 Monaten. Projekte, die gut positioniert sind, um an diesen Beschaffungsrunden teilzunehmen, könnten massiv profitieren.
Die Rolle von Subventionen und Marktverzerrungen
Ein übersehener Trend in der aktuellen Energiepolitik ist die zunehmende Rolle von Subventionen. Angesichts des erwarteten Lastwachstums über die nächsten 5 bis 15 Jahre scheint die Lösung oft darin zu liegen, „alles zu subventionieren“, so Copson. Dies geschieht sowohl auf staatlicher Ebene als auch durch PJM-Programme wie die „Reliability Backstop Procurement“.
Obwohl diese Subventionen oft sinnvoll sind, um den Ausbau zu beschleunigen, werfen sie Fragen zur Funktionsweise des Marktes auf. Seit der Liberalisierung in den 1990er Jahren basierte der Markt auf marktwirtschaftlichen Prinzipien. Die aktuellen Interventionen könnten diese Prinzipien untergraben.
Marktverzerrung durch Subventionen
- Viele zukünftige Projekte könnten durch Subventionen entstehen und nicht mehr vollständig am Markt teilnehmen.
- Dies könnte die Aussagekraft von Kapazitätsmarktprognosen verringern.
- Das Risiko besteht, dass der Markt als Investitionssignal an Bedeutung verliert.
Ein ähnlicher Trend zeigt sich im Vereinigten Königreich, wo „Contracts for Difference“ (CfDs) dazu führen, dass viele Erzeuger zu „Preisnehmern“ werden und mit Null im Großhandelsmarkt bieten. Dies führt zu mehr zentralisierter Planung und weniger bilateralen Verträgen. Das Risiko besteht, dass der Kapazitätsmarkt in PJM seine Funktion als Investitionssignal verliert, wenn zu viele staatlich geförderte Projekte die Preise drücken.
Die Diskussion über diese Entwicklungen wird auf dem kommenden Energy Storage Summit USA intensiv geführt werden, wo Laurence Copson an der Podiumsdiskussion „Policy Pathways for Meeting Load Growth“ teilnehmen wird.





