Die Batterie-Energiespeichersystem-Industrie (BESS) in den USA durchläuft einen bedeutenden Wandel. Experten gehen davon aus, dass die Abhängigkeit von chinesischen Batterien in den kommenden Jahren deutlich abnehmen könnte. Dies liegt an einer Kombination aus neuen US-Vorschriften, steigender heimischer Produktion und einer strategischen Neuausrichtung bestehender Fertigungskapazitäten.
Die Entwicklung wird durch politische Maßnahmen und Investitionen in die lokale Lieferkette vorangetrieben. Dies verspricht eine stärkere Autonomie der USA im Bereich der Energiespeicherung.
Wichtige Erkenntnisse
- Neue US-Vorschriften erschweren die Nutzung chinesischer Batterien für Projekte mit Steuergutschriften.
- Die heimische Batterieproduktion für Energiespeicher wird massiv ausgebaut.
- Südkoreanische Hersteller investieren stark in US-Produktionsstätten.
- Ungenutzte Kapazitäten aus der E-Fahrzeug-Produktion werden für BESS umgenutzt.
- Langfristig könnte die US-Nachfrage ohne chinesische Importe gedeckt werden.
Regierungsmaßnahmen fördern lokale Produktion
Die Regierung unter der ehemaligen Trump-Administration führte neue Beschränkungen für ausländische Unternehmen (FEOC) ein. Diese Regeln betreffen Batterien und BESS-Ausrüstung, die für Projekte mit Investitionssteuergutschriften (ITC) verwendet werden dürfen. Ziel ist es, den Anteil chinesisch produzierter oder kontrollierter Technologie zu begrenzen.
Die Vorschrift schreibt vor, dass 55% der Investitionsausgaben (Capex) eines Projekts für Technologie ausgegeben werden müssen, die nicht von FEOC-Unternehmen stammt. Dieser Anteil soll bis 2030 auf 75% steigen. Diese Maßnahmen machen die Nutzung chinesischer Produkte für ITC-berechtigte Projekte finanziell unattraktiver.
„Projekte, die nicht FEOC-konform sind, werden etwa 43% teurer, da sie die ITC für eigenständige Speicher verlieren, verglichen mit FEOC-konformen Projekten. Und der Nachweis der FEOC-Konformität wird wirklich schwierig sein.“
Die zusätzlichen Zölle auf chinesische BESS-Produkte, die ab dem 1. Januar 2026 voraussichtlich 55% erreichen werden, verstärken diesen Trend weiter. Dies schafft einen erheblichen Kostennachteil für Importe aus China.
Umnutzung von EV-Batteriekapazitäten
Ein wesentlicher Faktor für die wachsende heimische Produktion ist die Umnutzung von Batterie-Fertigungskapazitäten, die ursprünglich für Elektrofahrzeuge (EVs) vorgesehen waren. Ein anonymer Berater erklärte, dass die Nachfrage nach EV-Verbrauchersteuergutschriften gesunken sei.
Dies führt dazu, dass die Batterieproduktionskapazitäten, die für EVs vorgesehen waren, nun auf BESS umgestellt werden. Obwohl die Umstellung nicht günstig ist, rechtfertigen die bereits getätigten Investitionen in Gigafactories diesen Schritt. Es ist eine strategische Entscheidung, um die vorhandenen Infrastrukturen optimal zu nutzen.
Faktencheck
- Über 200 GWh Zellproduktionskapazität in den USA vorhanden.
- Mehr als 100 GWh speziell für Energiespeicher bis Ende 2026 geplant.
- Zölle auf chinesische BESS-Produkte erreichen ab 2026 voraussichtlich 55%.
Südkoreanische Investitionen und lokale Lieferketten
Südkoreanische Batteriehersteller wie LG Energy Solution, Samsung SDI und SK On spielen eine Schlüsselrolle bei der Steigerung der lokalen Produktion. Sie bauen ihre Fertigungskapazitäten in den USA massiv aus und schließen Lieferverträge mit BESS-Integratoren vor Ort ab. Diese Investitionen könnten ausreichen, um die gesamte inländische Nachfrage nach BESS zu decken, sobald die neuen Anlagen vollständig in Betrieb sind.
Auch US-amerikanische Systemintegratoren wie Fluence und Nicht-Lithium-Batteriefirmen wie Eos entwickeln ihre lokalen Lieferketten. Dies stärkt die Unabhängigkeit der USA von ausländischen Bezugsquellen.
Gotion's strategische Neuausrichtung
Ein Beispiel für die Flexibilität der Produktionslinien ist die US-Anlage von Gotion in Manteno, Illinois. Ursprünglich als gemeinsames Werk für EV- und BESS-Produktion geplant, hat sich der Schwerpunkt seit den Vereinbarungen mit dem Gouverneur von Illinois, JB Pritzker, im Jahr 2023 verstärkt auf BESS-Zellen verlagert. Gotion produziert dort bereits seit Anfang des Jahres Batteriepacks und plant, ab 2026 auch Lithium-Eisenphosphat (LFP)-Zellen herzustellen.
Wachstum der US-Zellproduktion und Rohstoffgewinnung
Die Analystin Charlotte Gisbourne von Solar Media Market Research weist darauf hin, dass die USA über eine Zellproduktionskapazität von über 200 GWh verfügen. Obwohl der Großteil davon noch auf Elektrofahrzeuge ausgerichtet ist, sind bis Ende 2026 bereits über 100 GWh speziell für die Energiespeicherfertigung geplant. Dies zeigt eine klare Verschiebung und einen gezielten Ausbau in diesem Sektor.
Parallel dazu wächst das Interesse an der vorgelagerten Lieferkette, insbesondere am Lithiumabbau und der -raffination in den USA. Mehrere Projekte für Lithiumabbau, -verarbeitung und -raffination wurden für 2025 angekündigt. Eine der größten Lithiumraffinerien des Landes befindet sich bereits im Bau. Dies sichert die Rohstoffversorgung für die wachsende Batterieproduktion.
Hintergrund: BESS-Integration
Die Montage von BESS und die Systemintegration sind weniger kapitalintensiv und haben kürzere Vorlaufzeiten als die Zellfertigung. Die USA verfügen über einen robusten Integrationsbereich nach der Zellproduktion. Viele große unabhängige Stromerzeuger (IPPs) übernehmen ihre Integration selbst, und es gibt ausreichend heimische Systemintegratoren, um diesen Bereich abzudecken. Die Verfügbarkeit von Zellfertigung ist hier der entscheidende Engpass.
Ausblick: Eine unabhängige Zukunft
Die Summe dieser Entwicklungen – von politischen Anreizen über die Umnutzung von Produktionsstätten bis hin zu massiven Investitionen – deutet auf eine zunehmende Unabhängigkeit der USA im Bereich der Batterie-Energiespeichersysteme hin. Die Zeit, in der chinesische Batterien unverzichtbar waren, könnte bald vorbei sein. Die heimische Produktion und die Zusammenarbeit mit südkoreanischen Partnern schaffen eine robuste und widerstandsfähige Lieferkette, die den zukünftigen Energiebedarf der USA decken kann.
Dies ist ein entscheidender Schritt für die Energiesicherheit und die grüne Transformation des Landes. Die USA positionieren sich damit als wichtiger Akteur in der globalen BESS-Branche.





