Die Entwicklung des Marktes für Batteriespeichersysteme (BESS) in Deutschland steht vor wichtigen Änderungen. Aktuell gibt es eine Befreiung von Netzentgelten, die für Projekte gilt, die bis zum 4. August 2029 in Betrieb gehen. Doch die Situation nach diesem Datum ist unsicher. Marktteilnehmer beginnen bereits, Projekte über dieses Datum hinaus zu bewerten, was auf eine komplexe Marktentwicklung hindeutet.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Netzentgeltbefreiung für Batteriespeicher in Deutschland endet voraussichtlich am 4. August 2029.
- Marktteilnehmer bewerten bereits Projekte, die nach 2029 ans Netz gehen sollen, trotz hoher Unsicherheit.
- Eine mögliche Grandfathering-Regelung könnte den Stichtag für die Befreiung vorziehen.
- Die Teilnahme von Batteriespeichern am deutschen Kapazitätsmarkt ist in der ersten Runde unwahrscheinlich.
- Die Bundesnetzagentur (BNetzA) wird voraussichtlich im Juni ein Konsultationspapier zu Netzentgelten veröffentlichen.
Netzentgelte: Ein entscheidender Faktor
Netzentgelte sind Gebühren, die für das Laden und Entladen von Energie im Stromnetz erhoben werden. Für Energiespeicher fallen diese Kosten doppelt an. Eine Befreiung oder Reduzierung dieser Entgelte macht einen Markt für Speicherprojekte attraktiver. Deutschland hat hierfür eine 20-jährige Befreiung für Projekte angeboten, die bis zum Stichtag im August 2029 ans Netz gehen.
Roberto Jimenez, Executive Director bei BW ESS, einem Betreiber von Batteriespeichersystemen, betont die Bedeutung Deutschlands als Markt. Er sagt:
„Deutschland bleibt einer der spannendsten Märkte Europas. Die Entwicklungspremie für baureife Projekte ist weiterhin hoch.“
Faktencheck: Netzentgelte
- Was sind Netzentgelte? Kosten für die Nutzung des Stromnetzes beim Laden und Entladen von Energie.
- Warum sind sie wichtig für Speicher? Sie machen einen Großteil der Betriebskosten aus. Eine Befreiung verbessert die Wirtschaftlichkeit.
- Aktuelle Regelung: 20-jährige Befreiung für Projekte, die bis zum 4. August 2029 online gehen.
Unsicherheit nach 2029: Was kommt danach?
Trotz der aktuellen Befreiung blicken Marktteilnehmer bereits über das Jahr 2029 hinaus. Jimenez merkt an, dass die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) in den letzten Monaten einen reifegradbasierten Prozess eingeführt haben. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) wird voraussichtlich im Juni ein Konsultationspapier zu den Netzentgelten veröffentlichen. Dies könnte Klarheit für zukünftige Projekte schaffen.
Es gibt jedoch auch Spekulationen, dass die Befreiung sogar für Projekte, die vor dem August 2029 in Betrieb gehen, vorzeitig enden könnte. Georg Gallmetzer von Eco Stor, einem Unternehmen, das große Speicherprojekte in Deutschland umsetzt, spricht von einer sehr hohen Unsicherheit. Er erwartet eine Stellungnahme der BNetzA zu sogenannten Grandfathering-Regelungen am 27. Mai 2026. Eine Vorverlegung des Grandfathering-Stichtags vor den 4. August 2029 sei wahrscheinlich.
Hintergrund: Grandfathering
Der Begriff Grandfathering bedeutet, dass bestehende Projekte oder Anlagen von neuen Regeln oder Gesetzen ausgenommen werden. Sie dürfen unter den älteren, günstigeren Bedingungen weiterbetrieben werden. Im Kontext der Netzentgelte würde dies bedeuten, dass Projekte, die bis zu einem bestimmten Datum in Betrieb genommen wurden, weiterhin von der Befreiung profitieren, selbst wenn die allgemeine Regelung geändert wird.
Der Kapazitätsmarkt: Eine neue Einnahmequelle?
Ein weiteres wichtiges Thema in Deutschland ist die Einführung eines Kapazitätsmarktes (CM). Solche Märkte sind in Ländern wie Großbritannien, Belgien, Polen und Italien eine wichtige Einnahmequelle für große Batteriespeichersysteme. Sie vergüten die Bereitstellung von Kapazität, um die Versorgungssicherheit des Netzes zu gewährleisten.
Jimenez schätzt die Wahrscheinlichkeit als gering ein, dass BESS-Anlagen an der ersten Runde des deutschen Kapazitätsmarktes teilnehmen können. Der Grund dafür ist die Anforderung einer Entladedauer von 10 Stunden, wie Gallmetzer hervorhebt. Dies ist für viele aktuelle Batteriespeichersysteme eine Herausforderung. Es wird jedoch erwartet, dass es zukünftige Runden geben wird, die möglicherweise besser auf die Fähigkeiten von Batteriespeichern zugeschnitten sind.
BW ESS: Aktiver Akteur im Speichermarkt
BW ESS ist der Energiespeicher-Arm der maritimen und Energiegruppe BW Group. Das Unternehmen ist in Europa und Australien aktiv. Die fortgeschrittensten Projekte befinden sich in Großbritannien und Schweden. In Deutschland steckt die Entwicklung noch in den Anfängen, wobei Projekte in Zusammenarbeit mit Mirai Power und Zelos angekündigt wurden. Dies zeigt das internationale Interesse am deutschen Markt, trotz der regulatorischen Unsicherheiten.
Fazit: Spannung und Herausforderungen
Der deutsche Markt für Batteriespeichersysteme bleibt dynamisch und vielversprechend, aber auch von Unsicherheiten geprägt. Die Entscheidungen der BNetzA zu Netzentgelten und Grandfathering-Regelungen werden entscheidend sein. Gleichzeitig bietet der Kapazitätsmarkt langfristig Potenzial, auch wenn die anfänglichen Hürden hoch sind. Für Entwickler und Betreiber ist es nun wichtig, die politischen und regulatorischen Entwicklungen genau zu verfolgen, um die Chancen in diesem sich wandelnden Markt optimal zu nutzen.
- Nächste Schritte: Konsultationspapier der BNetzA im Juni, Stellungnahme zu Grandfathering im Mai 2026.
- Herausforderung: Unsicherheit bei Netzentgelten nach 2029 und Anforderungen des Kapazitätsmarktes.
- Chance: Deutschland bleibt ein attraktiver Markt mit hohem Entwicklungsbedarf.





