Die Schweiz macht bedeutende Schritte im Ausbau ihrer Energiespeicherinfrastruktur. Das Unternehmen Energy Vault hat zwei wichtige Verträge mit Schindler Aufzüge und Energie Wettingen abgeschlossen. Diese Projekte sind Teil des neuen B-Vault FlexGrid-Programms, das speziell für gewerbliche und industrielle Kunden entwickelt wurde.
Ziel ist es, dezentrale, flexible und gemeinschaftsorientierte Energiespeichersysteme in der Schweiz und ganz Europa zu etablieren. Dies soll die Netzstabilität verbessern und die Dekarbonisierungsziele unterstützen.
Wichtige Erkenntnisse
- Energy Vault installiert erste B-Vault FlexGrid Systeme in der Schweiz.
- Projekte mit Schindler Aufzüge und Energie Wettingen stärken die lokale Energieversorgung.
- Fokus auf kompakte, sichere und effiziente Speicherlösungen für C&I-Kunden.
- Neue Finanzierung für Nickel-Zink-Batterien und New Yorker Speicherprojekte.
Erste Installation in der Schweiz: Schindler Aufzüge
Das erste B-Vault FlexGrid System in der Schweiz wurde am globalen Hauptsitz der Schindler Gruppe in Ebikon installiert. Es handelt sich um ein 2 MW/4 MWh System. Dieses Projekt ist ein wichtiger Meilenstein für Energy Vault.
Die Anlage wandelt ein ehemaliges Feuerwehrdepot in eine moderne Energiespeicheranlage um. Sie unterstützt die Nachhaltigkeits- und Dekarbonisierungsziele von Schindler. Besonders bemerkenswert ist die Lage: Das System befindet sich nur 30 Meter von Wohngebäuden entfernt.
Faktencheck
- 2 MW/4 MWh System: Erste B-Vault FlexGrid Installation in der Schweiz.
- Standort: Schindler-Hauptsitz in Ebikon, in der Nähe von Wohngebäuden.
- Installationszeit: Unter vier Wochen, einschliesslich Genehmigung durch Swissgrid.
Energy Vault betont, dass diese Demonstration zeigt, wie grosse Energiespeicheranlagen sicher in städtischen und halb-städtischen Gebieten betrieben werden können. Das System verfügt über spezielle Schalldämpfer und verbesserte Geräuschreduzierung. Es bietet auch Blindleistungskompensation. Dies gewährleistet einen leisen Betrieb, Netzstabilität und Spannungsoptimierung für den Schindler-Campus und die Anwohner.
Ein 10-jähriger Service- und Wartungsvertrag sichert den Betrieb ab. Die Installation, Inbetriebnahme und Genehmigung durch Swissgrid erfolgte in weniger als vier Wochen. Schindler wählte die B-VAULT FlexGrid Plattform wegen ihrer kompakten Grösse, der Einhaltung von Vorschriften und der fortschrittlichen Sicherheits- und Überwachungsfunktionen.
Energie Wettingen: Kompakt und leistungsstark
Im Nordwesten von Zürich arbeitet Energy Vault mit Energie Wettingen AG zusammen. Hier wurde ein Vertrag über die Lieferung eines 8 MW/16 MWh B-VAULT FlexGrid Systems unterzeichnet. Dieses System ist speziell für eine gestapelte, hochdichte Bereitstellung konzipiert.
Das Wettingen-Projekt nutzt ein zweistufiges, gestapeltes Design. Dadurch verdoppelt sich die Energie- und Leistungskapazität auf einer Fläche von weniger als 50 Quadratmetern. Es liefert 8 MW installierte Leistung für eine Dauer von zwei Stunden. Das Projekt wird auch das Energiemanagementsystem (EMS) VaultOS von Energy Vault nutzen.
"Diese Verträge mit Schindler Aufzüge und Energie Wettingen sind ein bedeutender Meilenstein in unserem Plan, dezentrale, flexible und gemeinschaftsorientierte Energiespeichersysteme in der gesamten Schweiz und Europa zu entwickeln."
Integration in CKWs Flexpool
Beide Projekte werden in den Flexpool von CKW integriert. Dies ist das fortschrittlichste und diversifizierteste Flexibilitätsnetzwerk der Schweiz. Der Flexpool wird von der CKW Gruppe verwaltet, einer Tochtergesellschaft des Energieversorgers Axpo Group. Die Plattform bündelt über 1.700 Anlagen, 15 verschiedene Technologien und mehr als 1.000 MW qualifizierte Kapazität. Damit ist sie die grösste ihrer Art in der Schweiz.
Durch den Flexpool werden die B-VAULT FlexGrid Systeme Dienstleistungen wie Frequenzregelung, Spannungsstabilisierung und Spitzenlastabdeckung anbieten. Dies unterstützt die Regelleistungsmärkte von Swissgrid und die Widerstandsfähigkeit des nationalen Netzes. Energy Vault und CKW haben die digitale Schnittstelle zwischen der Flexpool-Plattform von CKW und VaultOS vor der Auslieferung getestet. Diese Integration ermöglicht Echtzeitüberwachung, automatisierten Einsatz und einen vereinfachten Datenaustausch zwischen den Systemen von Energy Vault und dem Aggregationsnetzwerk der Plattform.
Hintergrund: Energy Vaults Strategie
Energy Vaults Strategie für die Schweiz umfasst ein regionales Service- und Logistikzentrum in der Zentralschweiz. Dieses soll Implementierungen in der EMEA-Region (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) und den After-Sales-Service unterstützen. Das Modell des Unternehmens setzt auf kompakte Projekte, schnelle Entwicklung und Serviceverträge. Dies sichert wiederkehrende Einnahmen und zuverlässige Anlagen.
Innovation bei Batterietechnologien: ZincFive
Das Startup ZincFive, bekannt für seine Nickel-Zink (NiZn)-Batterien, hat 30 Millionen US-Dollar in einer Serie-F-Finanzierungsrunde erhalten. Mit dieser Finanzierung will das Unternehmen seine kommerzielle Präsenz ausbauen und die Produktionskapazitäten erhöhen. Ziel ist es, die wachsende Nachfrage nach Energielösungen für KI-Rechenzentren zu bedienen.
Die Finanzierung folgt auf die Einführung des BC 2 AI, eines NiZn-USV-Batterieschranks. Dieser ist speziell auf die dynamischen Leistungsanforderungen von KI-Rechenzentren zugeschnitten. Laut Unternehmen bietet er Unterstützung für KI-Lasten, null thermische Durchgehungsrisiken und ein zu 96 % recycelbares Design.
Ein weiterer Vorteil ist, dass selbst erschöpfte oder geschwächte Zellen leitfähig bleiben. Dies ermöglicht den Systemen einen längeren Betrieb ohne Wartung oder Austausch von Komponenten. Tod Higinbotham, COO von ZincFive, betonte in einem Gastbeitrag die Nachhaltigkeit von NiZn-Batterien.
"Angesichts der vielen Dienstleistungen, die an Rechenzentren gebunden sind, ist die nachhaltige Deckung des Strombedarfs der Anlagen eine Priorität. Batterien für sofortige Stromversorgung (IPS) wie Nickel-Zink weisen im Lebenszyklus deutlich geringere Emissionen auf als Lithium- und Bleisäurebatterien, mit reduziertem Wasserverbrauch und flüchtigen organischen Verbindungen."
Higinbotham fügte hinzu, dass die steigende Nachfrage nach Rechenzentren starke Auswirkungen auf die Stromversorgungskette haben wird. Effiziente Entscheidungen jetzt haben langfristige Auswirkungen. Die Einführung neuer Technologien und die Optimierung von Designs zur Nutzung von IPS können zu Effizienzgewinnen führen. ZincFive gibt an, dass fast 2 GW NiZn-Batterie-Backup-Schränke in der globalen Rechenzentrumsbranche eingesetzt oder vertraglich vereinbart sind.
New York investiert in Energiespeicher für die Stadt
Das US-Unternehmen Convergent Energy and Power hat eine millionenschwere Interconnection-Fazilität von der NY Green Bank (NYGB) erhalten. Die NYGB ist eine Abteilung der New York State Energy Research and Development Authority (NYSERDA). Diese Finanzierung wird über zehn der kommenden Batteriespeichersystem-Projekte (BESS) von Convergent unterstützen. Ziel ist es, die Zuverlässigkeit und Widerstandsfähigkeit des Stromnetzes in New York City zu verbessern.
Convergent hebt hervor, dass New York bis 2030 voraussichtlich 6.000 MW Batteriespeicher in sein Netz integrieren muss. Diese Kapazität soll sich bis 2040 auf 12.000 MW verdoppeln. Die Integration von BESS ins Netz kann New York City dabei helfen, die Energieresilienz zu erhöhen und die Abhängigkeit von umweltschädlichen fossilen Kraftwerken zu reduzieren.
New Yorks Energieziele
- Ziel 2030: 6.000 MW Batteriespeicher.
- Ziel 2040: 12.000 MW Batteriespeicher.
- Herausforderung: 6 GW Spitzenlastkraftwerke noch in Betrieb.
New York betreibt immer noch etwa 6 GW Spitzenlastkraftwerke. Diese Anlagen sind nur etwa 5 % des Jahres aktiv und laufen selten länger als acht Stunden am Stück. Trotz ihrer begrenzten Betriebszeit tragen sie erheblich zu Treibhausgas- und Partikelemissionen bei. Zudem sind sie kostspielig im Betrieb und in der Wartung.
Diese Kraftwerke konzentrieren sich hauptsächlich auf städtische Gebiete, insbesondere in der Nähe von New York City. Dies führt dazu, dass einkommensschwache und Minderheitengemeinschaften einen unverhältnismässig hohen Anteil an Umwelt- und Gesundheitsbelastungen tragen. Eine Studie aus dem Jahr 2020 ergab, dass fast 750.000 Menschen in New York City innerhalb einer Meile eines Spitzenlastkraftwerks leben. Davon gehören 78 % zu einkommensschwachen oder Minderheitengemeinschaften. Etwa 90 % des für die Netzzuverlässigkeit in New York State benötigten Stroms wird in New York City erzeugt.
Staatliche Förderprogramme
Im April startete NYSERDA ein Programm zur Förderung von Energiespeichern für Privathaushalte und den Einzelhandel im gesamten Bundesstaat. Insgesamt wurden 775 Millionen US-Dollar für entsprechende Projekte bereitgestellt. Laut der Programmankündigung (PON) von NYSERDA sind 675 Millionen US-Dollar für Initiativen im Bereich Einzelhandelsspeicher und 100 Millionen US-Dollar für private Energiespeicherlösungen vorgesehen. Dieses Programm wurde im Juni 2024 von der New York State Public Service Commission (PSC) genehmigt.
Bereits im Januar gab der Energiespeicherentwickler NineDot bekannt, dass er 65 Millionen US-Dollar an Ausrüstungsfinanzierungen erhalten hat. Diese sollen den Kauf von bis zu 100 MW/400 MWh Batterien für 20 Speicherprojekte in New York City unterstützen.





