In Ånge, Mittelschweden, hat das bisher größte Batteriespeichersystem (BESS) der nordischen Region seinen kommerziellen Betrieb aufgenommen. Das 70MW/160MWh-Projekt ist ein wichtiger Schritt für die Energiewende in der Region und soll die Netzstabilität verbessern.
Wichtige Erkenntnisse
- Das Ånge-Projekt ist mit 70MW/160MWh das größte BESS in den nordischen Ländern.
- Es wurde in nur 15 Monaten von der Beschaffung bis zum kommerziellen Betrieb realisiert.
- Delta Capacity und WOOD & Company Renewables Sub-Fund haben das Projekt gemeinsam entwickelt.
- Sungrow lieferte die PowerTitan 2.0 BESS-Einheiten, die für extreme Wetterbedingungen ausgelegt sind.
- Ein weiteres, noch größeres Projekt mit 125MW/300MWh in Finnland ist bereits in Planung.
Ein Meilenstein für die nordische Energiewende
Das Batteriespeichersystem in Ånge, einer Gemeinde in Zentralschweden, hat Ende Juni seinen kommerziellen Betrieb aufgenommen. Mit einer Leistung von 70 Megawatt (MW) und einer Speicherkapazität von 160 Megawattstunden (MWh) ist es das größte seiner Art in den nordischen Ländern. Dieses System kann Strom für eine Dauer von zwei Stunden bereitstellen und ist in der schwedischen Gebotszone SE2 des nordischen Strommarktes angesiedelt.
Faktencheck
- Kapazität: 70 MW / 160 MWh
- Standort: Ånge, Mittelschweden (SE2 Gebotszone)
- Dauer: 2 Stunden
- Realisierungszeit: 15 Monate von Beschaffung bis Betrieb
Die Entwicklung erfolgte in einer Gemeinschaftsinitiative von Delta Capacity, einem auf Batteriespeicher spezialisierten Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz, und dem Renewables Sub-Fund der tschechischen Investmentbank WOOD & Company. Ihr Joint Venture, Ånge Storage Solutions AB, erwarb das Projekt Anfang 2025 von der RES Group, als es bereit für den Bau war.
Schnelle Umsetzung und technologische Basis
Die zügige Realisierung des Projekts ist bemerkenswert. Delta Capacity gab an, dass der gesamte Prozess – von der Beschaffung bis zur Aufnahme des kommerziellen Betriebs – lediglich 15 Monate in Anspruch nahm. Dies unterstreicht die Effizienz und das Engagement der beteiligten Unternehmen, die Infrastruktur für die Energiewende schnell aufzubauen.
Der BESS-Anbieter Sungrow lieferte die PowerTitan 2.0-Einheiten für das Projekt. Diese Systeme sind für ihre Robustheit bekannt und sollen auch unter extremen Wetterbedingungen, einschließlich starker Temperaturschwankungen, zuverlässig funktionieren. Jede PowerTitan 2.0-Einheit verfügt über eine Kapazität von 5 MWh und ein integriertes Stromwandlungssystem (PCS) von 2,5 MW, alles untergebracht in einem standardmäßigen 20-Fuß-ISO-Container.
„Die nordische Energiewende schreitet schnell voran und erfordert eine Infrastruktur, die mithalten kann. Schweden verfügt über hervorragende erneuerbare Ressourcen, aber es fehlt an Flexibilität, und genau das bietet Ånge“, sagte Patrik Hes, CEO von Delta Capacity.
Strategische Bedeutung für den nordischen Strommarkt
Das Ånge-Projekt wird eine zentrale Rolle auf den nordischen Regelenergiemärkten spielen. Es wird auch Einnahmen aus der Arbitrage im Strommarkt generieren. Obwohl die nordischen Länder einen gemeinsamen Strommarkt haben, gibt es unterschiedliche Preise in den einzelnen Gebotszonen. Die Fähigkeit, Strom zu speichern und zu einem späteren Zeitpunkt wieder ins Netz einzuspeisen, ist entscheidend, um diese Preisunterschiede zu nutzen und die Netzstabilität zu gewährleisten.
Hintergrund: Nordischer Strommarkt
Der nordische Strommarkt ist ein integrierter Markt für Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden. Er ist in verschiedene Gebotszonen unterteilt, in denen die Strompreise je nach Angebot und Nachfrage variieren können. Batteriespeicher helfen, diese Schwankungen auszugleichen und die Versorgungssicherheit zu erhöhen, insbesondere bei einem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien.
Centrica Energy ist der sogenannte Route-to-Market (RTM)-Optimierer des Projekts, während die RES Group, der frühere Eigentümer, als Asset Manager fungiert. Delta Capacity übernahm die Aufgaben der Ingenieurplanung, Beschaffung und Bauleitung (EPC).
Ausblick: Weitere Großprojekte in den Nordics
Obwohl das Ånge-Projekt derzeit das größte BESS in den nordischen Ländern ist, wird es bald von noch größeren Projekten übertroffen werden, die sich bereits im Bau befinden oder in Planung sind. Dies zeigt den rasanten Fortschritt im Bereich der Batteriespeichertechnologie und -implementierung in der Region.
- Im März 2025 kündigte der schwedische Entwickler Ingrid Capacity an, ein 70MW/140MWh-Projekt in Finnland in Zusammenarbeit mit Nordic Energy zu bauen, das noch in diesem Jahr in Betrieb gehen soll.
- Ingrid Capacity erhielt zudem Baugenehmigungen für zwei größere Projekte in Schweden: das 100MW/400MWh-Vaggeryd-Projekt (Schwedens erstes BESS mit 4 Stunden Dauer) und das 100MW/200MWh-Horsaryd-Projekt, beide in der Gebotszone SE4 und voraussichtlich 2028 in Betrieb.
Auch Delta Capacity selbst ist an der Realisierung eines noch größeren Projekts beteiligt. Anfang Juli wurde bekannt gegeben, dass das Unternehmen in Partnerschaft mit dem Familieninvestmentbüro Strioga Family Foundation ein 125MW/300MWh-Projekt in Finnland erworben hat. Das Karppio BESS-Projekt in Teuva, Südösterbotten, wird von Helios Nordic Energy erworben, und Delta Capacity wird die weitere Entwicklung bis zur geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2027 leiten und langfristig als Asset Manager fungieren.
Expansion in den baltischen Staaten und darüber hinaus
Die Investitionen in Batteriespeichersysteme beschränken sich nicht nur auf die nordischen Länder. Auch die baltischen Staaten entwickeln sich zu einem Hotspot für Batteriespeicherentwickler in Europa.
Ignitis Renewables, der Bereich für erneuerbare Energien des nordischen und baltischen Energieversorgers Ignitis Group, hat eine endgültige Investitionsentscheidung für ein 107MW/215MWh BESS-Projekt in Tukums, Lettland, getroffen. Dieses Projekt, Tume BESS, wird zusammen mit dem 174MW Tume Solarpark des Unternehmens gebaut und soll 2028 in Betrieb gehen. Die Gesamtkosten werden auf rund 35 Millionen Euro geschätzt.
Die baltischen Staaten, Lettland, Litauen und Estland, haben sich Anfang 2025 vom BRELL-Netz, das sie mit Russland und Belarus teilten, getrennt und stattdessen mit Europa synchronisiert. Gleichzeitig ist die Solar- und Windenergieerzeugung in diesen Ländern in den letzten vier bis fünf Jahren stark angestiegen. Dies macht Batteriespeicher zu einer unerlässlichen Komponente für die Energiesicherheit und Netzintegration.
Delta Capacity hat fast 1 GWh BESS im Bau und strebt an, bis 2030 mehr als 6 GWh an „flexiblen Anlagen“ in Betrieb zu nehmen. Die Strioga Family Foundation, die sich mit dem Karppio-Projekt erstmals in Finnland engagiert, ist diesen Monat auch in den italienischen BESS-Markt eingestiegen. Sie erwarb eine 49,8%ige Beteiligung an einem 150MW/600MWh-Projekt in Livorno, Toskana, das von Enfinity Global entwickelt wird.
Die rasante Entwicklung in Nordeuropa und den baltischen Staaten zeigt, wie wichtig Energiespeicher für eine stabile und nachhaltige Energieversorgung sind. Die Projekte tragen maßgeblich dazu bei, die Integration erneuerbarer Energien zu fördern und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern.





