Rumänien entwickelt sich zu einem der aktivsten Märkte für Batteriespeichersysteme (BESS) in Europa. In den letzten Monaten wurden zahlreiche Großprojekte und Partnerschaften angekündigt, die das Land an die Spitze der europäischen Energiespeicherlandschaft katapultieren.
Wichtige Erkenntnisse
- Rumänien zieht erhebliche Investitionen in Batteriespeicher an.
- Verschiedene Faktoren wie die 'Entenkurve' bei Solaranlagen und Förderprogramme treiben das Wachstum.
- Große Energieunternehmen wie Enery, Eurowind Energy und Electrica sind aktiv.
- Die Regierung hat regulatorische Hürden abgebaut, um die Entwicklung zu fördern.
- Bis zu 1,5 GW/3 GWh an Projekten sind in Planung oder bereits im Bau.
Ein Boom im Energiesektor
Rumänien erlebt einen beispiellosen Boom im Bereich der netzgekoppelten Batteriespeichersysteme. Unabhängige Stromerzeuger (IPPs) wie Enery, Mass Group, Electrica, Eurowind Energy und die PPC Group haben kürzlich umfangreiche Projekte und Partnerschaften bekannt gegeben. Diese Entwicklung wird von mehreren länderspezifischen Faktoren sowie globalen Trends getragen.
Die sinkenden Preise für BESS-Technologien und die wachsende Vertrautheit von Investoren mit dieser Technologie tragen maßgeblich dazu bei. Eine Besonderheit in Rumänien ist die sogenannte 'Entenkurve', die durch die vielen aktiven Solaranlagen entsteht. Diese Kurve beschreibt das Muster der Stromnachfrage und -erzeugung über den Tag, bei dem die Nachfrage am Morgen und Abend hoch ist, während die Solarstromerzeugung mittags ihren Höhepunkt erreicht. Dies schafft einen starken Anreiz für die Speicherung von Solarstrom, um ihn zu Spitzenzeiten ins Netz einzuspeisen.
Faktencheck
- 460 Millionen Euro: Finanzierung für das Ogrezeni-Projekt von Enery.
- 1 GWh+: Speicherkapazität des Ogrezeni-Projekts.
- 21 Millionen Euro: EU-Zuschuss für das Teiuș-Projekt von Eurowind Energy.
- 150 Millionen Euro: Voraussichtliche EU-Förderung für zehn einzelne BESS-Projekte.
- 2,5 GW: Geplante BESS-Kapazität der Mass Group Holding.
Staatliche Unterstützung und regulatorische Anpassungen
Die rumänische Regierung fördert den Ausbau von Energiespeichern aktiv. Es gibt zahlreiche Subventionen, insbesondere für Projekte, die erneuerbare Energien und Speichersysteme kombinieren. Kürzlich wurde bekannt gegeben, dass zehn eigenständige BESS-Projekte voraussichtlich von 150 Millionen Euro aus dem Modernisierungsfonds der Europäischen Union profitieren werden, die über das Energieministerium bereitgestellt werden.
Auf regulatorischer Seite profitieren Projekte mit erneuerbaren Energien und Speichern von beschleunigten Netzanschlussterminen. Ein weiterer entscheidender Schritt war die Beendigung der 'Doppelbesteuerung' von Energiespeichern im Netz. Speicher sind nun von Übertragungsentgelten und grünen Zertifikaten befreit, was die Wirtschaftlichkeit erheblich verbessert. Dies ist ein Thema, mit dem sich auch der deutsche Markt derzeit auseinandersetzt.
Hintergrundinformationen
Die 'Entenkurve' ist ein Phänomen in Stromnetzen mit hohem Anteil an Photovoltaik-Anlagen. Sie beschreibt den typischen Tagesverlauf der Netto-Last (Nachfrage abzüglich erneuerbarer Erzeugung). Mittags, wenn die Sonne am stärksten scheint, sinkt die Netto-Last, während sie am späten Nachmittag und Abend stark ansteigt, sobald die Solareinspeisung zurückgeht. Batteriespeicher sind ideal, um diese Schwankungen auszugleichen, indem sie tagsüber überschüssigen Solarstrom speichern und ihn abends freigeben.
Großprojekte nehmen Gestalt an
Die Projektfinanzierungen in Rumänien nehmen rasant zu. Der unabhängige Stromerzeuger Enery hat eine syndizierte grüne Projektfinanzierung in Höhe von 460 Millionen Euro für sein 761 MWp Solar- und über 1 GWh BESS-Projekt Ogrezeni im Kreis Giurgiu abgeschlossen. Nach seiner Inbetriebnahme wird Ogrezeni zu den größten Hybridprojekten in Europa gehören, so Enery mit Hauptsitz in Wien.
"Diese Transaktion spiegelt das starke Interesse der Kreditgeber an gut strukturierten Hybrid-Erneuerbare-Projekten und starken Sponsoren wider", sagte Sebastian Staicu, Head of Financing bei Enery. "Die Überzeichnung und das flexible Finanzierungspaket, einschließlich der Akkordeon-Funktion, bieten eine solide Kapitalstruktur und positionieren das Projekt für langfristige Optimierung und Wertschöpfung."
Die Finanzierung erfolgte im Rahmen des neu eingeführten Sustainable Financing Framework von Enery. Dieses Framework ist der erste Schritt in einer Reihe ähnlicher Projekte, die Enery plant.
Weitere wichtige Akteure
Auch andere Unternehmen treiben den Ausbau voran:
- Eurowind Energy: Das Unternehmen hat mit dem Bau eines BESS begonnen, das an seinen Solarpark Teiuș in Rumänien angeschlossen wird. Die Lithium-Eisenphosphat-Batteriecontainer (LFP) sind bereits vor Ort eingetroffen. Dieses Projekt profitiert von einem Zuschuss von 21 Millionen Euro aus dem rumänischen Anteil des EU-weiten Nationalen Aufbau- und Resilienzplans (NRRP).
- Electrica: Der Energieversorger hat eine Absichtserklärung (MoU) mit dem Stahlwerksbetreiber Liberty Galati unterzeichnet. Ziel ist der Bau von erneuerbaren Energien und BESS mit einer Kapazität von bis zu 500 MW auf Grundstücken von Liberty Galati. Das Betriebsmodell soll den Eigenverbrauch maximieren und die Stromversorgungszuverlässigkeit verbessern.
- Metlen und PPC Group: Das EPC-Unternehmen Metlen und der griechische staatliche Energieversorger PPC Group haben sich zusammengetan, um BESS-Projekte mit einer Kapazität von bis zu 1,5 GW/3 GWh in Rumänien, Bulgarien und Italien zu entwickeln. Ein Gigawatt des Portfolios soll in den nächsten 12 Monaten realisiert werden.
- Mass Group Holding: Der jordanische Entwickler plant, 1 Milliarde Euro in 2,5 GW BESS-Kapazität in Zentralrumänien zu investieren. Dies wurde von der rumänischen Regierung bekannt gegeben.
Diese Projekte unterstreichen die strategische Bedeutung Rumäniens für die europäische Energiewende. Die Kombination aus starken politischen Anreizen, einer wachsenden Nachfrage nach Netzdiensten und der Verfügbarkeit von Finanzierungen schafft ein attraktives Umfeld für Investoren im Bereich der Energiespeicherung.
Zukunftsaussichten
Die kommenden Jahre werden zeigen, wie schnell Rumänien seine ehrgeizigen Ziele im Bereich der Energiespeicherung erreichen kann. Die aktuellen Entwicklungen deuten darauf hin, dass das Land eine Schlüsselrolle bei der Integration erneuerbarer Energien und der Stabilisierung der europäischen Stromnetze spielen wird. Die Investitionen fließen nicht nur in neue Kapazitäten, sondern auch in die Modernisierung der Infrastruktur, was langfristig die Energiesicherheit und -unabhängigkeit des Landes stärkt.
Die Erfahrungen aus Rumänien könnten auch anderen europäischen Ländern als Vorbild dienen, die ähnliche Herausforderungen bei der Integration großer Mengen erneuerbarer Energien bewältigen müssen. Die erfolgreiche Umsetzung dieser Projekte wird entscheidend sein, um die Energiewende in Europa voranzutreiben und die Klimaziele zu erreichen.





