Queensland hat im April 2026 als erster Staat im australischen Nationalen Elektrizitätsmarkt (NEM) über 100 GWh aus Batteriespeichersystemen im Versorgungsmaßstab (BESS) innerhalb eines einzigen Monats entladen. Dieser Erfolg unterstreicht die wachsende Rolle von Batterien bei der Stabilisierung des Stromnetzes und der Verdrängung fossiler Brennstoffe, insbesondere während der Abendspitzenzeiten.
Wichtige Erkenntnisse
- Queensland entlud im April 2026 über 100 GWh aus Batteriespeichern.
- Die Gasstromerzeugung im NEM fiel auf den niedrigsten Stand seit über 20 Jahren.
- Wind- und Solarenergie stiegen im NEM um 24 % gegenüber dem Vorjahr.
- Intraday-Spreads im NEM sind durch Batteriespeicher stark gesunken.
- Trotz des Fortschritts gab es im April erhebliche Abregelungen erneuerbarer Energien.
Batteriespeicher verdrängen Gas im australischen Stromnetz
Der April 2026 markierte einen Wendepunkt für die Energieversorgung in Queensland und dem gesamten Nationalen Elektrizitätsmarkt (NEM). Die Entladung von über 100 GWh aus Großbatteriespeichern in Queensland zeigt deutlich, wie Batteriesysteme zunehmend die Rolle der Lastspitzenabdeckung übernehmen.
Gleichzeitig sank die Gasstromerzeugung im NEM auf 382 GWh. Dies ist ein Rückgang von 49 % gegenüber den 745 GWh im April 2025. Damit erreichte die monatliche Gasstromerzeugung den niedrigsten Stand seit über zwei Jahrzehnten. Dies belegt, dass Batteriespeicher Gas in den Abendstunden zunehmend ersetzen.
Faktencheck
- 100 GWh: Erstmals erreichte Entladung aus Batteriespeichern in Queensland innerhalb eines Monats.
- 49 %: Rückgang der Gasstromerzeugung im NEM im April 2026 gegenüber April 2025.
- 20 Jahre: Tiefster Stand der monatlichen Gasstromerzeugung im NEM seit über zwei Jahrzehnten.
Wachstum der erneuerbaren Energien setzt sich fort
Die Gesamtleistung von Photovoltaik- und Windkraftanlagen im Versorgungsmaßstab im NEM erreichte im April 2026 beeindruckende 4,7 TWh. Dies stellt einen Anstieg von 24 % gegenüber den 3,8 TWh im gleichen Monat des Vorjahres dar. Dieser Anstieg folgt einem bescheideneren Wachstum von 2 % im März und spiegelt verbesserte Windbedingungen sowie kontinuierliche Kapazitätserweiterungen wider.
Queensland erwies sich als Spitzenreiter bei der kombinierten Erzeugung aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Der Staat lieferte 1.256 GWh, davon 678 GWh aus Solaranlagen und 578 GWh aus Windkraft. Besonders bemerkenswert ist der Anstieg der Windstromerzeugung in Queensland um 112 % gegenüber dem Vorjahr.
Windenergie in allen NEM-Staaten gestiegen
Die Windstromerzeugung im gesamten NEM erreichte im April 2,76 TWh. Dies entspricht einem Anstieg von 33 % gegenüber den 2,08 TWh im Vorjahresmonat. Alle NEM-Staaten verzeichneten einen Anstieg der Windstromerzeugung im Jahresvergleich. Dies zeigt eine breite Akzeptanz und Expansion der Windkraftinfrastruktur in Australien.
Hintergrund NEM
Der Nationale Elektrizitätsmarkt (NEM) ist das größte Verbundnetz Australiens und versorgt über 10 Millionen Kunden in Queensland, New South Wales, Victoria, South Australia und Tasmanien. Er ist entscheidend für die Stromversorgung der östlichen und südöstlichen Küstenregionen des Kontinents.
Spitzenleistungen bei Solar- und Windparks
Die fünf leistungsstärksten Photovoltaik-Anlagen (gemessen am AC-Kapazitätsfaktor) befanden sich ausschließlich in Queensland und New South Wales. Der Edenvale Solar Park mit 204 MW führte die Rangliste mit einem AC-Kapazitätsfaktor von 33,1 % an. Dicht gefolgt vom Moura Solar Farm (110 MW) mit 32,8 % und Stubbo Stage 2 (400 MW) mit 32,6 %.
Bei den Windkraftanlagen lagen die Spitzenreiter in Queensland und Tasmanien. Der Windpark Granville Harbour erreichte einen Kapazitätsfaktor von 51,5 %, gefolgt vom Cattle Hill Windpark mit 50,4 % und dem Kennedy Energy Windpark mit 48 %.
„Die Ergebnisse vom April zeigen eine klare Verschiebung in der australischen Energielandschaft. Batteriespeicher und erneuerbare Energien übernehmen immer mehr die Führung.“
Rückgang der Intraday-Spreads und neue Projekte
Die zunehmende Installation von Batteriespeichersystemen hat zu einem deutlichen Rückgang der Intraday-Spreads im NEM geführt. Der durchschnittliche 2-Stunden-Intraday-Spread lag in allen Staaten außer South Australia unter 110 AUD (ca. 78,85 US-Dollar) pro MWh. South Australia verzeichnete einen Spread von 154 AUD pro MWh.
Im April wurde zudem der Baubeginn für zwei wichtige Batteriespeicherprojekte gemeldet: Alinta Energy begann mit dem Bau des 250 MW/1.000 MWh Reeves Plains BESS in South Australia, dem größten des Staates. Hanwha Energy startete den Bau des 100 MW/200 MWh Tangkam Batteriespeichersystems in New South Wales.
Neue Batteriespeicherprojekte im April
- Reeves Plains BESS (SA): 250 MW / 1.000 MWh – größtes in South Australia.
- Tangkam BESS (NSW): 100 MW / 200 MWh.
Herausforderung: Abregelung erneuerbarer Energien
Trotz der Fortschritte bei erneuerbaren Energien und Speichersystemen gab es im April erhebliche Abregelungen. Geoff Eldridge von Global Power Energy schätzt, dass etwa 571 GWh erneuerbarer Energieerzeugung im NEM abgeregelt wurden. Davon entfielen 316 GWh auf Windkraft und 255 GWh auf Solarenergie.
Victoria verzeichnete mit 255 GWh die höchste Abregelung, gefolgt von New South Wales (122 GWh), South Australia (100 GWh) und Queensland (95 GWh). Diese Abregelungen verdeutlichen die Notwendigkeit weiterer Netzinvestitionen und verbesserter Speicherkapazitäten, um die volle Leistung der erneuerbaren Energien nutzen zu können.
Die Entwicklung in Queensland und dem NEM zeigt jedoch, dass Australien auf dem richtigen Weg ist, seine Energieversorgung zu dekarbonisieren und unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu werden. Die Rolle von Batteriespeichern wird dabei immer wichtiger, um die Volatilität der erneuerbaren Energien auszugleichen und eine stabile Stromversorgung zu gewährleisten.





