In Zentral- und Osteuropa (CEE) nimmt die Entwicklung von Batterie-Energiespeichersystemen (BESS) deutlich Fahrt auf. Mehrere Länder in der Region haben in den letzten Monaten große Projekte in Betrieb genommen oder den Bau begonnen. Diese Systeme sind entscheidend, um die Integration erneuerbarer Energien in die Stromnetze zu unterstützen und die Stabilität der Versorgung zu gewährleisten. Bulgarien, Moldawien, Nordmazedonien und Rumänien stehen dabei an vorderster Front.
Wichtige Erkenntnisse
- Bulgarien betreibt das größte BESS in Zentral- und Osteuropa mit 150MW/601.8MWh.
- Moldawien hat ein 50MW Solar-PV- und 60MWh BESS-Projekt in Betrieb genommen.
- Nordmazedonien plant über 2GW an Energiespeicherkapazität.
- Rumänien wird ein 200MW/400MWh BESS-Projekt bis 2027 in Betrieb nehmen.
- Kombinierte Solar- und Batteriespeicherprojekte nehmen in der Region zu.
Bulgarien Vorreiter bei Energiespeichern
Bulgarien hat sich als wichtiger Akteur im Bereich der Energiespeichertechnologien in Zentral- und Osteuropa etabliert. Der unabhängige Stromerzeuger Enery hat sein 150MW/601.8MWh Nova Zagora BESS in Betrieb genommen. Dieses System ist aktuell das größte seiner Art in der gesamten CEE-Region und nahm im März den kommerziellen Betrieb auf. Es besteht aus 120 Containern mit je 5.015MWh Kapazität und ist über eine 33/110kV-Umspannstation an das Netz angeschlossen.
Die Finanzierung des Projekts erfolgte durch ein 'grünes' Paket der DSK Bank AD. Zusätzlich wurde ein virtueller Stromabnahmevertrag (VPPA) mit dem Energieunternehmen Vitol abgeschlossen. Enery ist in Südosteuropa aktiv und finanzierte bereits im vergangenen Jahr ein Solar-plus-BESS-Projekt in Rumänien mit 1GWh Kapazität.
Faktencheck: Bulgarien
- Größtes BESS der CEE-Region: Nova Zagora (150MW/601.8MWh)
- Anzahl der Container: 120
- Finanzierung: DSK Bank AD (grünes Paket), VPPA mit Vitol
Bereits im Januar wurde in Bulgarien ein BESS mit rund 500MWh in Betrieb genommen, das damals als das größte der gesamten EU galt. Ein weiteres bedeutendes Projekt ist der St. George Solar Park von Rezolv Energy. Dieser umfasst eine 225MW Solaranlage und ein 90MW/240MWh BESS. Das Batteriespeichersystem erhielt Fördermittel aus dem NextGenerationEU-Programm der Europäischen Union.
Rezolv Energy hat für dieses Projekt ebenfalls einen VPPA abgeschlossen, dessen Abnahmevertrag mit Ardagh Glass Packaging-Europe besteht. Projektpartner sind Solarpro Holding, CMC Europe und Green Solar Energy. Die Finanzierungspartner waren die IFC und die Raiffeisen Bank International. Rezolv gehört dem britischen Investor Actis.
Moldawien stärkt sein Netz mit Speichertechnologie
Auch Moldawien macht Fortschritte bei der Integration von Energiespeichern. Der unabhängige Stromerzeuger GS Blue Electric hat Ende April ein 50MW Solar-PV- und 60MWh BESS-Projekt in Rădeni eingeweiht. Die Finanzierung dieses Projekts erfolgte durch die Geschäftsbank Maib.
Das System wird in den Abendstunden, wenn der Stromverbrauch am höchsten ist, Energie in das Netz einspeisen und zur Stabilität des Netzes beitragen, so Maib. Iurie Brumarel von der Vereinigung Moldova Green Future Initiative bezeichnete es als das größte BESS in Moldawien. Berichten zufolge werden sowohl das BESS als auch die Wechselrichter von dem chinesischen Unternehmen Huawei geliefert.
„Dieses Projekt ist ein wichtiger Schritt für die Energiesicherheit und die Integration erneuerbarer Energien in Moldawien. Es zeigt, wie wichtig Batteriespeicher für eine stabile Stromversorgung sind.“
Das Land, das zwischen Rumänien und der Ukraine liegt, hat in diesem Jahr eine Solar-PV-Kapazität von 1GW erreicht. Der angrenzende Solarpark Rădeni ist möglicherweise ebenfalls der größte in Moldawien. Die Anzahl der kombinierten Projekte wird voraussichtlich steigen, nachdem das Energieministerium Ende 2025 eine Ausschreibung für Windparks mit einer Gesamtleistung von 170MW gestartet hat. Diese Projekte müssen zwingend mit BESS kombiniert werden, und zwar im Verhältnis von mindestens 0.25MWh BESS pro 1MW Windenergie.
Nordmazedonien plant massive Speicherausweitung
In der Republik Nordmazedonien hat IP Renalfa mit dem Bau eines 50MW/200MWh Co-Located-BESS in Oslomej begonnen. Dieses Projekt befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen Kohlebergwerks und ist mit einer 65.8MWp Solaranlage (seit 2023 in Betrieb) kombiniert.
Die Regierung Nordmazedoniens hat kürzlich den Bau von 4.42GW neuer Stromerzeugungskapazität genehmigt. Dies ist eine Mischung aus Gas und erneuerbaren Energien, ergänzt durch über 2GW Energiespeicher. Das derzeit größte operative BESS des Landes ist wahrscheinlich ein 30MW/60MWh-Projekt, das im Februar dieses Jahres vom Eigentümer Mey Energy in Betrieb genommen wurde.
Renalfa ist ebenfalls in der gesamten Region aktiv. Im Jahr 2024 nahm das Unternehmen ein 55MWh-Projekt in Bulgarien in Betrieb, das damals das größte des Landes war. Im Juli des vergangenen Jahres sicherte sich Renalfa die Finanzierung durch die EBRD für den Ausbau ihrer erneuerbaren Energien und Speicherlösungen in der Region.
Hintergrund: Energiewende in Nordmazedonien
Nordmazedonien, früher bekannt als Mazedonien, unternimmt erhebliche Anstrengungen, um seine Energieversorgung zu diversifizieren und unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu werden. Der Fokus liegt dabei stark auf der Kombination von erneuerbaren Energien und modernen Speichersystemen.
Rumänien als Hotspot für BESS-Entwicklung
Rumänien entwickelt sich zu einem wichtigen Zentrum für die Entwicklung und den Bau großer BESS-Anlagen. Der unabhängige Stromerzeuger Premier Energy hat eine Projektfinanzierung von 100 Millionen Euro für ein 200MW/400MWh BESS in Rumänien gesichert. Dieses System soll Ende 2026 oder Anfang 2027 in Betrieb gehen.
Die Československá obchodní banka, a.s. (ČSOB) stellte die Finanzierung für das Projekt bereit, das Premier Ende letzten Jahres erworben hatte. Nach seiner Fertigstellung wird es zu den größten Anlagen des Landes gehören. Die hohe Solarenergie-Durchdringung, staatliche Subventionen und ein günstiges regulatorisches Umfeld treiben die Aktivitäten in Rumänien voran.
Die Entwicklungen in Zentral- und Osteuropa zeigen ein klares Engagement für die Energiewende. Batteriespeicher spielen eine zentrale Rolle, um die Volatilität erneuerbarer Energien auszugleichen und die Netze zu stabilisieren. Diese Investitionen sind entscheidend für eine nachhaltige und sichere Energieversorgung in der Zukunft.
Zahlen und Fakten zur CEE-Region
- Bulgarien: 150MW/601.8MWh (Enery), 90MW/240MWh (Rezolv)
- Moldawien: 50MW/60MWh (GS Blue Electric)
- Nordmazedonien: 50MW/200MWh im Bau (Renalfa), 30MW/60MWh (Mey Energy)
- Rumänien: 200MW/400MWh in Planung (Premier Energy)





