Zentral- und Osteuropa (CEE) sowie Finnland erleben derzeit einen beispiellosen Boom bei der Entwicklung und Implementierung von Batteriespeichersystemen (BESS). Allein in Bulgarien wurden kürzlich zwei Großprojekte mit einer Kapazität von jeweils rund 600 MWh in Betrieb genommen. Weitere 800 MWh Kapazität sind in Rumänien, Estland, Litauen und Finnland in verschiedenen Phasen der Realisierung.
Wichtige Erkenntnisse
- Bulgarien ist ein Hotspot für BESS-Projekte mit über 2,2 GWh installierter Kapazität.
- Zwei neue 600 MWh BESS-Projekte wurden in Bulgarien von Solarpro & CATL und Sunotec & Sungrow in Betrieb genommen.
- Rumänien, Estland, Litauen und Finnland treiben ebenfalls große Speicherprojekte voran.
- EU-Fördermittel, insbesondere das Recovery and Resilience-Programm, spielen eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung.
- Technologien wie CATLs 'Zero-Degradation' Tener und Sungrows PowerTitan 2.0 kommen zum Einsatz.
Bulgarien führt den Weg an: Zwei Mega-Projekte in Betrieb
Bulgarien hat sich als Vorreiter in der Region etabliert. Zwei der größten Batteriespeichersysteme Europas wurden hier kürzlich in Betrieb genommen. Das erste Projekt, realisiert von Solarpro Technology in Partnerschaft mit dem Lithium-Ionen-OEM CATL, verfügt über eine beeindruckende Kapazität von 602 MWh. CATL lieferte seine 'Zero-Degradation' Tener BESS-Einheiten mit jeweils 6 MWh für dieses Projekt. Dies markiert eine der ersten großflächigen Anwendungen dieser Technologie, die eine Batteriezellendegradation von null Prozent über fünf Jahre verspricht.
Solarpro agierte als EPC-Generalunternehmer. Der genaue Eigentümer des Projekts wurde nicht bekannt gegeben, als die Inbetriebnahme am 17. Juni bekannt gegeben wurde. Solche Großspeicheranlagen in Bulgarien sind primär für die Teilnahme am Day-Ahead- und Intraday-Strommarkt des Landes konzipiert. Die Entwicklung des bulgarischen Marktes wird maßgeblich durch Zuschüsse aus dem EU-weiten Recovery and Resilience-Programm, bekannt als "Nationale Infrastruktur für die Speicherung von Elektrizität aus erneuerbaren Quellen (RESTORE)", vorangetrieben.
Faktencheck Bulgarien
- Gesamtkapazität (größte Projekte): 2,2 GWh
- Neue Projekte 2024: Zwei ca. 600 MWh BESS
- Förderprogramm: RESTORE (EU-Recovery and Resilience)
Ein weiteres bedeutendes Projekt wurde von Sunotec und Sungrow in Nova Zagora, Bulgarien, fertiggestellt. Dieses 150 MW/600 MWh BESS wurde für den unabhängigen Stromerzeuger (IPP) Enery errichtet. Enery gab die Inbetriebnahme bereits im Mai bekannt. Sungrow lieferte für dieses Projekt sein PowerTitan 2.0 AC Block BESS-Produkt, das ebenfalls RESTORE-Fördermittel erhielt.
Innerhalb des letzten Jahres wurden in Bulgarien bereits zwei weitere BESS-Anlagen mit jeweils rund 500 MWh von den Eigentümern ContourGlobal und Advance Green Energy in Betrieb genommen. Dies unterstreicht die Dynamik und das enorme Potenzial des Landes im Bereich der Energiespeicherung.
Regionale Expansion: Von Rumänien bis Finnland
Auch in anderen Ländern Zentral- und Osteuropas sowie in Finnland schreiten zahlreiche groß angelegte BESS-Projekte voran, entweder durch Finanzierungszusagen, Lieferverträge oder erreichte Baufortschritte.
Rumänien: Mehrere Großprojekte in Arbeit
In Rumänien hat der IPP R.Power ein Finanzierungspaket in Höhe von 57 Millionen Euro von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), der PKO Bank Polski (PKO BP) und der Bank Gospodarstwa Krajowego (BGK) für sein 127 MW/254 MWh Scorniçesti BESS erhalten. Der Baubeginn erfolgte bereits vor knapp einem Jahr, und im Februar wurde GEN-I mit der Optimierung des Systems beauftragt. Die Inbetriebnahme wird für Ende 2026/2027 erwartet.
Ebenfalls in Rumänien hat der EPC-Anbieter Electrogrup die erste 150 MW/300 MWh Phase eines größeren 250 MW/500 MWh BESS für den Eigentümer Aukera Energy abgeschlossen. Aukera sicherte sich die Projektfinanzierung im November 2025, und das Gesamtprojekt soll noch in diesem Jahr vollständig fertiggestellt werden.
Hintergrund: Die Rolle von BESS
Batteriespeichersysteme (BESS) sind entscheidend für die Energiewende. Sie speichern überschüssige Energie aus erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind und geben sie bei Bedarf wieder ab. Dies stabilisiert die Stromnetze, gleicht Schwankungen aus und ermöglicht eine höhere Integration erneuerbarer Energien. Sie tragen maßgeblich zur Versorgungssicherheit und zur Reduzierung von CO2-Emissionen bei.
Estland und Litauen: Hybridlösungen und neue Kapazitäten
In Estland wird das 100 MW/200 MWh Zirgu BESS in Tsirguliina, Valga County, Batteriespeichersysteme von LG Energy Solution nutzen, die in Polen hergestellt werden. Der Baubeginn erfolgte im Februar, die Inbetriebnahme ist für April 2027 geplant.
Litauen wird bald ein 25 MW/65 MWh BESS in Anykščiai in Betrieb nehmen, das vom IPP European Energy realisiert wird. Dieses System ist mit einer 78,5 MW Solaranlage kombiniert und stellt eines der ersten Hybridprojekte des Landes dar. Solche Kombinationen aus erneuerbarer Erzeugung und Speicherung sind ein wichtiger Trend, um die Effizienz zu steigern und die Netzintegration zu vereinfachen.
„Die rasante Entwicklung von Batteriespeichersystemen in Zentral- und Osteuropa ist ein klares Zeichen für das Engagement der Region, die Energiewende voranzutreiben und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. Die EU-Fördermittel spielen dabei eine entscheidende Rolle.“
Finnland: Investitionen im Norden
Obwohl Finnland geografisch nicht zur CEE-Region gehört, ist es ebenfalls aktiv im Ausbau der Energiespeicherung. Das Unternehmen Merus Power hat einen Vertrag mit dem Projekteigentümer WPD Söderskogen Vindpark Oy über die Lieferung eines 30 MW/60 MWh BESS-Projekts abgeschlossen. Der Wert der Vereinbarung liegt bei etwa 10 Millionen Euro, und die Fertigstellung ist für 2027 vorgesehen.
Ausblick und Bedeutung für die Energiewende
Die aktuellen Entwicklungen in Zentral- und Osteuropa zeigen deutlich, dass die Region zu einem wichtigen Akteur im globalen Energiespeichermarkt wird. Die Investitionen in BESS sind nicht nur ein Zeichen für das wachsende Bewusstsein für die Notwendigkeit einer stabilen und nachhaltigen Energieversorgung, sondern auch für das Vertrauen in die technologischen Fortschritte in diesem Sektor.
Die Kombination aus ambitionierten nationalen Zielen, EU-Fördermitteln und innovativen Technologien schafft ein fruchtbares Umfeld für weiteres Wachstum. Diese Projekte tragen maßgeblich dazu bei, die Integration erneuerbarer Energien zu verbessern, die Netzstabilität zu erhöhen und letztlich die Klimaziele der Europäischen Union zu erreichen.
Die kontinuierliche Weiterentwicklung und der Rollout von Großspeichersystemen sind essenziell, um die Volatilität von Solar- und Windenergie auszugleichen und eine zuverlässige Stromversorgung zu gewährleisten. Die Region CEE könnte sich in den kommenden Jahren zu einem Modell für andere Teile der Welt entwickeln, wie eine schnelle und effektive Energiewende gelingen kann.





