Die europäische Energielandschaft erlebt eine Welle neuer Investitionen in Batteriespeichersysteme (BESS). Jüngste Entwicklungen in Italien, Schweden und Polen zeigen, wie Unternehmen die Energiesicherheit stärken und die Integration erneuerbarer Energien vorantreiben. Diese Projekte sind entscheidend für die Stabilität der nationalen Stromnetze und die Reduzierung von Engpässen.
Wichtige Erkenntnisse
- Axpo und e-Storage bauen ein 8MW/40MWh BESS in Süditalien.
- RES Group übernimmt das Asset Management für ein 70MW BESS in Schweden.
- R.Power verkauft ein 250MW/1GWh BESS-Projekt in Polen an Engie.
- Italien und Schweden stärken ihre Netze durch Kapazitätsauktionen und Flexibilitätsdienste.
- Polen passt seine Kapazitätsmarktregeln für BESS an.
Italien stärkt Netzstabilität mit neuem BESS-Projekt
In Süditalien entsteht ein wichtiges Batteriespeichersystem. Das Schweizer Energieunternehmen Axpo und e-Storage, eine Tochtergesellschaft von Canadian Solar, haben eine Partnerschaft für ein 8MW/40MWh BESS in Rizziconi, Kalabrien, angekündigt. Die Anlage wird an das bestehende Gaskraftwerk von Axpo angeschlossen. Die Inbetriebnahme ist für Anfang 2028 geplant.
Das Projekt ist eine Antwort auf die Herausforderungen in Süditalien. Dort übersteigt die Solarstromerzeugung oft die Aufnahmekapazität des Netzes, besonders um die Mittagszeit. Batteriesysteme speichern den überschüssigen Strom und geben ihn bei Bedarf wieder ab. Dies ist entscheidend für die Netzverwaltung.
Faktencheck: Italienische Speicherauktion
Im Oktober 2025 sicherte sich der Übertragungsnetzbetreiber Terna im Rahmen des italienischen Kapazitätsauktionsprogramms (MACSE) 10 GWh an Energiespeicherkapazität für das Land. Dies unterstreicht das Engagement Italiens, seine Netzinfrastruktur zu modernisieren und erneuerbare Energien besser zu integrieren.
e-Storage liefert eine integrierte Lösung. Diese umfasst neun ihrer SolBank 3.0 Energiespeicherlösungen, Leistungswandlersysteme (PCS) und das firmeneigene EQ-S Energiemanagementsystem (EMS). Dies alles wird als ein koordiniertes System von einem Partner bereitgestellt. Für e-Storage ist es das erste Projekt in Italien, und beide Unternehmen planen, ihre Zusammenarbeit auszubauen.
Schweden setzt auf Batterien für Netzflexibilität
Auch in Schweden schreiten die Entwicklungen voran. Die RES Group, ein multinationaler Entwickler für erneuerbare Energien, hat einen Asset-Management-Vertrag für das 70MW Ange BESS in der Gemeinde Ånge unterzeichnet. Der Vertrag wurde mit dem Entwickler Delta Capacity AG und der tschechischen Investmentgruppe Wood & Company geschlossen. Diese hatten das Projekt von RES als baureife Anlage erworben.
Der umfassende Vertrag deckt technische, kommerzielle und finanzielle Asset-Management-Dienstleistungen ab, sobald das Projekt in die Betriebsphase übergeht. RES wird seine technische Expertise einsetzen, um die fortlaufende Leistungsoptimierung zu gewährleisten, Einnahmen zu sichern und die Lebensdauer der Anlage zu verlängern.
"Dieses Projekt ist ein wichtiger Schritt für die Netzstabilität in Schweden. Es zeigt, wie Batteriespeicher erneuerbare Energien optimal ins System integrieren können."
Das Ange BESS liegt neben dem Windpark Björnberget und in der Nähe des Alby Wasserstoffprojekts in Ånge. Es wird dem schwedischen nationalen Stromnetz Flexibilitäts- und Ausgleichsdienste bieten. Laut RES ist das Ånge BESS das größte in Betrieb befindliche Batteriespeichersystem in den nordischen Ländern.
Hintergrund: Nordische Speicherlandschaft
Im April erhielt der schwedische BESS-Entwickler Ingrid Capacity Baugenehmigungen für die 100MW/400MWh Vaggeryd und 100MW/200MWh Horsaryd Projekte in Schweden. Vaggeryd wäre das erste große Vier-Stunden-BESS in Schweden. Solche großen Asset-Management-Verträge sind in Europa noch selten.
Polen: Großes BESS-Projekt an Engie verkauft
In Polen hat der unabhängige Stromerzeuger R.Power eine Vereinbarung zum Verkauf eines der größten BESS-Projekte an Engie Zielona Energia, Teil des französischen Energiekonzerns Engie, abgeschlossen. Das 250MW/1GWh Tursko Wielkie BESS hat den Status "baureif" erreicht. Der Baubeginn ist für Anfang 2027 geplant, die Inbetriebnahme für Ende 2028.
Das Projekt Tursko Wielkie befindet sich in einer strategisch günstigen Position in Südostpolen. Es wird direkt an die Umspannstation Połaniec angeschlossen. Diese Umspannstation spielt eine Schlüsselrolle in der Übertragungsarchitektur Südostpolens. Ein großes BESS an dieser Stelle ermöglicht ein effizienteres Stromflussmanagement und entlastet die Übertragungsinfrastruktur der Region.
Polnische Kapazitätsmarkt-Anpassungen
Im Dezember 2025 vergab Polen Kapazitätsmarktverträge für 685 MW BESS-Kapazität. Dies ist ein Rückgang gegenüber 2,5 GW im Jahr 2024. Die Reduzierung wird hauptsächlich auf einen deutlichen Rückgang des De-Rating-Faktors für Batteriesysteme von 60% im Jahr 2024 (und 95% im Jahr 2023) auf 13% zurückgeführt. Dieser Faktor begrenzt den Teil der Kapazität eines Projekts, der in Auktionen angeboten werden kann, und soll die Zuverlässigkeit einer Technologie widerspiegeln.
R.Power hat erst kürzlich die Finanzierung für ein 150MW/300MWh BESS-Projekt in Jedwabno, Polen, gesichert. Das Unternehmen bezeichnete dies als den bisher größten Projektfinanzierungsvertrag für ein Batteriespeichersystem in Polen.
Europas Weg zur grünen Energiezukunft
Die Projekte in Italien, Schweden und Polen verdeutlichen einen klaren Trend: Europa investiert massiv in Energiespeichersysteme. Diese Systeme sind unerlässlich, um die volatile Einspeisung erneuerbarer Energien auszugleichen und die Stabilität der Stromnetze zu gewährleisten. Die Partnerschaften zwischen großen Energieunternehmen und Technologieanbietern zeigen das Vertrauen in diese Lösungen.
Die Fähigkeit, überschüssige Energie zu speichern und bei Bedarf abzugeben, wird immer wichtiger. Sie hilft, Spitzenlasten abzufangen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Solche Infrastrukturprojekte sind ein Grundpfeiler der europäischen Energiewende und tragen maßgeblich zur Erreichung der Klimaziele bei.
Die fortlaufende Entwicklung und Implementierung von BESS-Technologien wird die Energiezukunft Europas prägen. Es ist zu erwarten, dass in den kommenden Jahren weitere ähnliche Projekte in ganz Europa entstehen, um die Energieversorgung noch widerstandsfähiger und nachhaltiger zu gestalten.





