Die Energielandschaft erlebt derzeit einen Umbruch. Neue Technologien und Systeme zur Energiespeicherung versprechen, die Stabilität der Stromnetze zu verbessern, die Integration erneuerbarer Energien zu erleichtern und die Energieversorgung für kritische Infrastrukturen wie KI-Rechenzentren zu sichern. Von optimierten Energiemanagementsystemen bis hin zu innovativen Standortanalysen – die Branche entwickelt sich rasant.
Wichtige Erkenntnisse
- FlexGen verbessert sein HybridOS EMS für effizientere Netzintegration und Umsatzsteigerung.
- LandGate führt ein Analyse-Tool für die Standortwahl von Batteriespeichern ein, das den Planungsprozess vereinfacht.
- Shoals und ON.energy entwickeln Lösungen für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren.
- Sunrun zeigt mit virtuellen Kraftwerken in Kalifornien das Potenzial dezentraler Speichersysteme.
Fortschritte bei Energiemanagementsystemen
FlexGen Power Systems, ein führender Systemintegrator, hat eine aktualisierte Version seines Energiemanagementsystems (EMS) HybridOS vorgestellt. Die neuen Funktionen sollen Batteriespeicherprojekten ermöglichen, sich stärker an Netzdienstleistungen zu beteiligen und so die Einnahmemöglichkeiten zu erhöhen. Gleichzeitig wird die Unterstützung des Stromnetzes verbessert.
Zu den Neuerungen gehört eine benutzerfreundlichere Oberfläche, die Echtzeit- und historische Daten sowie integrierte Marktpreise darstellt. Der Zugriff auf Daten wird durch eine mobile App vereinfacht. Ein neues Dashboard für Augmentationsprognosen und Diagnosen hilft Kunden, Hardwareprobleme frühzeitig zu erkennen und die Planung von Systemerweiterungen zu optimieren.
Faktencheck
Im August 2025 übernahm FlexGen wesentliche Vermögenswerte und das gesamte geistige Eigentum des insolventen Konkurrenten Powin. Dadurch unterstützt das Unternehmen nun über 25 GWh Batteriespeichersysteme in zehn Ländern. Diese Akquisition umfasste auch Powins Ersatzteilbestand und die Integration der Feldprojekte in FlexGens Remote Operations Centre (ROC) und HybridOS.
Weitere Funktionen wie der Ladegrenzen-Handler und die native CAN-Unterstützung sollen die Batterielebensdauer verlängern, den Betrieb optimieren und die Inbetriebnahme beschleunigen. Das EMS verbessert zudem die Steuerung von Solaranlagen, indem es Solar-, Speicher- und Umspannwerksanlagen auf einer einzigen Plattform vereint. Dies beinhaltet die Steuerung von Kondensatorbänken, Solar-Shedding, integrierte Messstationsinputs und das Management von Solartrackern.
Revolutionäre Standortanalyse für Batteriespeicher
Das Infrastruktur- und Analyseunternehmen LandGate hat ein neues Tool zur Analyse von Batteriespeicherstandorten eingeführt. Dieses soll die Auswahl von Standorten für Batteriespeichersysteme (BESS) erheblich vereinfachen. LandGate bezeichnet es als „erstes seiner Art“, da es automatisierte Due-Diligence-Berichte für Batteriespeicher sofort liefert.
Traditionell erfordert die Standortwahl die Koordination mehrerer Berater für Netzanschlussstudien, Umweltprüfungen und Arbitrageprognosen. Das neue Tool von LandGate zentralisiert diesen gesamten Prozess in einem einzigen proprietären Workflow. Dies spart Zeit und Ressourcen für Entwickler.
Hintergrund: Netzanschluss in den USA
Der Netzanschlussprozess kann in einigen Regionen der USA für Batteriespeichersysteme (BESS) schwierig sein. Während einige Regulierungsbehörden ihre Verfahren aktualisiert haben, gibt es in anderen noch Defizite. Gwen Brown, Kommunikationsdirektorin des US Interstate Renewable Energy Council, stellte 2022 fest, dass viele wertvolle Funktionen der Energiespeicherung heute im Verteilungsnetz nicht leicht zugänglich sind. Dies liegt daran, dass die meisten Netzanschlussregeln auf staatlicher Ebene nicht umfassend überarbeitet wurden, um Energiespeichersysteme in einer Weise zu unterstützen, die die Kundenflexibilität erhöht und den sicheren und zuverlässigen Betrieb des Netzes aufrechterhält.
Wichtige Funktionen des Analyse-Tools:
- Interconnection Intelligence: Entwickler können Zielumspannwerke für NRIS (Network Resource Interconnection Service) und ERIS (Energy Resource Interconnection Service) bewerten. Dies hilft, Engpässe frühzeitig zu identifizieren.
- Arbitrage Index: Vereinfacht komplexe Knotenpreise zu einem leicht verständlichen Umsatzindikator. Er berechnet 4-Stunden-Preismargen und visualisiert die LMP-Volatilität (Locational Marginal Price) anhand historischer und prognostizierter Daten.
- Queue Breakdown: Bietet eine detaillierte Übersicht über die Wettbewerbslandschaft, indem sowohl Planungsmodelle (aktuelles Netz) als auch Warteschlangenmodelle (zukünftiges Netz) angezeigt werden. Dies hilft, ausstehende von genehmigten Netzanschlussverträgen zu unterscheiden.
- Infrastructure & Environmental Due Diligence: Liefert Risikobewertungen für Umweltrisiken, Geländeeignung für schwere Gehäuse und Proximity-Mapping für Rechenzentren, Solarparks und Windprojekte.
Zusätzlich ermöglicht das Unternehmen Entwicklern, Standorte in der Nähe von Kraftwerken und Behind-the-Meter (BTM)-Ressourcen zu finden. Dies positioniert BESS-Anlagen so, dass sie Rechenzentren direkt mit Strom versorgen können. Diese Strategie hilft Betreibern von Rechenzentren, Netzengpässe zu vermeiden, die Zuverlässigkeit bei Laständerungen aufrechtzuerhalten und Kosten durch Entladung während Spitzenzeiten zu senken.
Sichere Stromversorgung für KI-Rechenzentren
Die Elektroinfrastrukturfirma Shoals Technologies Group und der Entwickler ON.energy haben eine Partnerschaft geschlossen, um mehrere Gigawatt an „kritischen Stromsystemen“ auf dem Markt für KI-Rechenzentren bereitzustellen. Die Vereinbarung sieht vor, dass ON.energy seine Mittelspannungs-USV-Architektur (unterbrechungsfreie Stromversorgung) mit dem DC Recombiner von Shoals kombiniert.
Der DC Recombiner von Shoals konsolidiert Eingänge von Solaranlagen, BESS und anderen DC-Microgrid-Quellen. Er ermöglicht das Laden des BESS mit erneuerbarer Energie und die Entladung zur Stromversorgung des Netzes über einen Wechselrichter. Die Unternehmen erwarten, dass die Kombination dieser Technologien eine einfachere und skalierbarere Methode für KI-Rechenzentren bietet, um eine Backup-Stromversorgung zu sichern.
„Traditionelle USV-Systeme auf Rack-Ebene wurden nicht für die Leistungsdichten entwickelt, die wir heute sehen, nämlich 120 kW pro Rack, und die sich auf 500-600 kW zubewegen“, erklärte Hugh Scott, CTO von FlexGen.
Durch die Verlagerung der USV-Funktion auf ein BESS auf Campus-Ebene erhalten Rechenzentren die gleichen Überbrückungsfähigkeiten für Fehler und Ausfälle, während sie deutlich höhere Leistungsniveaus aufrechterhalten und einen kleineren Fußabdruck erzeugen. Andere Unternehmen, wie das Startup ZincFive, entwickeln ebenfalls eigene USV-Lösungen für KI-Rechenzentren. Im Jahr 2025 stellte das Unternehmen sein BC 2 AI vor, einen Nickel-Zink (NiZn) USV-Batterieschrank.
Virtuelle Kraftwerke und dezentrale Energiespeicherung
Der US-amerikanische Installateur von Solaranlagen und Energiespeichern für Privathaushalte, Sunrun, hat eine erfolgreiche Saison der Energieverteilung im Rahmen einer Partnerschaft mit dem kalifornischen Energieversorger Pacific Gas and Electric (PG&E) abgeschlossen. Über 1.000 Sunrun-Kunden mit Solar-Plus-Speicher-Systemen speisten im Rahmen eines virtuellen Kraftwerks (VPP) Energie ein, um lokale Netzengpässe zu mildern.
Dies sollte PG&E helfen, Verteilungsnetz-Upgrades zu vermeiden oder zu verzögern und Nettoeinsparungen für alle Kunden des Versorgungsunternehmens zu erzielen. Sunruns Local PeakShift Power VPP ist Teil des PG&E-Programms „Seasonal Aggregation of Versatile Energy“ (SAVE). Nach Tests von April bis Juni 2025 wurde es zwischen Juli und Oktober 2025 über 50 Mal eingesetzt, in Zeiten, in denen die lokale Nachfrage die Systemkapazität erreichte, was insgesamt mehr als 1.200 Einsatzstunden bedeutete.
Programm-Ergebnisse
Der Nachsaison-Evaluierungsbericht von Demand Side Analytics zeigte, dass Sunruns Batteriekonfigurationen die Anweisungen von PG&E genau befolgten und die elektrischen Lasten innerhalb der Betriebsgrenzen über alle Stromleitungen und Umspannwerke hinweg hielten. Die Batterien zeigten eine hohe Vorhersagbarkeit und Konsistenz bei der Entladung und lieferten bei fast 99 % der Ereignisse Strom zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort.
Aufgrund des Kundeninteresses erhöhte PG&E die anfängliche Programmteilnahme von Sunrun von 600 auf über 1.000 Kunden während der Anmeldung. Teilnehmer am Local PeakShift Power-Programm erhielten 150 US-Dollar pro Batterie für das Teilen von gespeicherter Solarenergie mit ihren Gemeinden, während Sunrun eine Vergütung für die Verwaltung der Batterieversendungen erhielt. Im Dezember 2025 kündigten Sunrun und der Energieversorger NRG Energy eine mehrjährige Partnerschaft an, um die private Energiespeicherung in Texas zu beschleunigen.
Durch die Partnerschaft erhalten texanische Bewohner Zugang zu einer Hausenergielösung, die Sunruns Solar-Plus-Speicher-Systeme mit optimierten Tarifplänen und smarter Batterieprogrammierung kombiniert, die von NRG Energys Stromanbieter Reliant bereitgestellt werden. Das Unternehmen nahm auch am kalifornischen Demand Side Grid Support (DSGS) Programm für dezentrale Speichersysteme teil. Bei einem Test am 29. Juli 2025 trug DSGS zur Senkung der Netto-Last im kalifornischen Netz bei. Kurz darauf reduzierte jedoch das Büro von Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom die Finanzierung des Programms.





