Der Übergang zu neuen Energietechnologien, wie Batteriespeichern für Netze und Fahrzeuge, kann die Energiesicherheit von Ländern deutlich verbessern, die derzeit stark von fossilen Brennstoffen abhängig sind. Dies ist eine zentrale Erkenntnis des BloombergNEF (BNEF) New Energy Outlook 2026 Berichts, der kürzlich veröffentlicht wurde. Der Bericht skizziert glaubwürdige Wege für die Energiewelt bis 2050.
Wichtige Erkenntnisse
- Erneuerbare Energien verbessern die Energiesicherheit.
- Globale Investitionen in Energiewende erreichen Rekordhöhe.
- Datencenter treiben Strombedarf und Emissionen in die Höhe.
- Solarenergie wird bis 2032 zur dominierenden Stromquelle.
- Batteriespeicher wachsen rasant, aber Herausforderungen bleiben.
Energiesicherheit im Fokus
Die jüngsten globalen Ereignisse, darunter der Krieg am Persischen Golf, haben die Debatte um die Energiesicherheit erneut entfacht. Nach der COVID-19-Pandemie und dem russischen Einmarsch in der Ukraine ist dies der dritte große Schock für das globale Energiesystem in diesem Jahrzehnt. Diese Krisen verdeutlichen die Notwendigkeit, unabhängiger von volatilen Energiequellen zu werden.
Technologien wie Solarenergie, Batteriespeicher, Elektrofahrzeuge (EVs) und Wärmepumpen bieten Nationen die Möglichkeit, ihre Energieunabhängigkeit zu stärken. Selbst Kohle, die in einigen Ländern als heimische Ressource verfügbar ist, wird langfristig aufgrund der Kosten nicht mehr wettbewerbsfähig sein. Bis 2050 wird ihr Nutzungsgrad voraussichtlich auf die Hälfte des heutigen Niveaus sinken, so das BNEF.
Faktencheck
- 2,3 Billionen US-Dollar wurden 2025 in Energiewende-Technologien investiert.
- Dies entspricht den Prognosen für das Economic Transition Scenario (ETS).
- Der Investitionsbedarf für das Net Zero Scenario (NZS) liegt jedoch deutlich höher.
Klimaziele und Investitionen
Die Welt hat das Ziel verfehlt, die globale Erwärmung bis 2100 auf 1,5°C zu begrenzen. Dennoch zeigt das Net Zero Scenario des BNEF, dass es technisch und wirtschaftlich machbar ist, einen Temperaturanstieg von maximal 1,81°C bis 2049 und 1,73°C bis zum Ende des Jahrhunderts zu erreichen. Dies erfordert jedoch massive Anstrengungen und Investitionen.
Im Jahr 2025 wurden weltweit 2,3 Billionen US-Dollar in Energiewende-Technologien investiert. Diese Summe entspricht größtenteils den Prognosen des BNEF für sein Economic Transition Scenario (ETS). Die Investitionen in die Energiewende sollen zwischen 2031 und 2035 um 19 % steigen, wobei der Transportsektor 58 % dieses Anstiegs ausmacht.
Hintergrund: Szenarien des BNEF
Das Economic Transition Scenario (ETS) basiert auf Technologie- und Markttrends und stellt das wahrscheinlichste Ergebnis dar. Das Net Zero Scenario (NZS) modelliert einen Pfad, der mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens von 2015 übereinstimmt und die globale Erwärmung unter 2°C halten soll.
Trotz der Rekordinvestitionen bleiben die Ausgaben weit hinter dem zurück, was für das Net Zero Scenario erforderlich wäre. Hierfür wären durchschnittlich 4,8 Billionen US-Dollar pro Jahr zwischen diesem Jahr und 2030 sowie 7,7 Billionen US-Dollar pro Jahr zwischen 2031 und 2035 an Investitionen in kohlenstoffarme Technologien notwendig.
Datencenter als Wachstumstreiber und Herausforderung
Ein weiterer signifikanter Makrotrend ist der rasante Anstieg von Rechenzentren und deren Energiebedarf. Der Stromverbrauch von Rechenzentren wird voraussichtlich bis 2035 verdreifacht. Sie könnten dann 23 % des Strombedarfs in PJM, 18 % in Malaysia und 15 % im Vereinigten Königreich ausmachen.
Diese Entwicklung könnte bis 2050 einen erheblichen Kapazitätsausbau erfordern: rund 1.000 GW Solarenergie, 400 GW Batteriespeicher, 370 GW Gaskraftwerke und 110 GW Kohlekraftwerke. Laut BNEF werden Rechenzentren bis 2035 einen Anstieg der globalen Emissionen des Stromsektors um 6 % verursachen. Dabei stammen 51 % der zusätzlichen Stromerzeugung für Rechenzentren aus neuen und bestehenden fossilen Kraftwerken.
"Der Energiebedarf von Datencentern ist eine wachsende Herausforderung für die Energiewende. Ohne nachhaltige Lösungen riskieren wir, die Fortschritte in anderen Bereichen zu untergraben", so ein Experte des BNEF-Berichts.
Solar und Batteriespeicher auf dem Vormarsch
Solarenergie wird laut ETS bis 2032 zur führenden Stromerzeugungsquelle. Im Jahr 2025 wurden weltweit 655 GW neue Solar-PV-Kapazität installiert, verglichen mit 75 GW im Jahr 2016. Dies zeigt ein enormes Wachstum in den letzten neun Jahren.
Die stationäre Batteriespeicherindustrie befindet sich 2026 in einer ähnlichen Phase wie die Solarenergie im Jahr 2020. Dies betrifft sowohl die installierten Gigawatt als auch die fragmentierte Herstellerlandschaft eines Marktes, der sich von Subventionen löst. Der Einsatz von Batterien zur Minderung der Strompreisdepression am Tage, verursacht durch die Solarenergie-Erzeugung (Duck-Curve-Effekt), ist eine wesentlich einfachere Lösung als langwierige und komplexe Reformen des Strommarktes.
Zahlen zum Wachstum
- 223 GW Batteriespeicher im Jahr 2025.
- Prognose von 3,8 TW Batteriespeicher bis 2050 (17-fache Steigerung).
- 112 GW/307 GWh globale Batteriespeicher-Installationen im Jahr 2025.
- Prognose von 158 GW/459 GWh neuen Installationen im Jahr 2026.
Die zunehmende Kommerzialisierung von Batterieprodukten senkt die Preise schneller als vom BNEF erwartet. Dies führt zu einer erheblichen Anhebung der Prognosen für den Batterieausbau über Zeiträume von 10 und 25 Jahren. Das BNEF erwartet, dass der Batterieausbau von 223 GW im Jahr 2025 auf 3,8 TW bis 2050 ansteigen wird, eine 17-fache Zunahme.
Regionale Unterschiede und Herausforderungen
In China und den USA wird eine relative Verlangsamung des Ausbaus erwartet, bedingt durch aktuelle politische Änderungen. China wird zunehmend auf Pumpspeicherkraftwerke (PHES) und andere flexible Ressourcen setzen, während es seine Batterieausbau-Ambitionen zurückfährt.
In den USA schränken Beschränkungen für Importe von ausländischen Unternehmen (FEOC) und Investitionen, die im 'One, Big, Beautiful Bill Act' ('OBBBA') eingeführt wurden, die Fähigkeit von Entwicklern ein, kostengünstige Batteriespeichersysteme (BESS) aus China zu beziehen. Dies könnte den Fortschritt in diesem Sektor verlangsamen.
Herausforderungen für Batteriespeicher
Mit zunehmender Penetration erneuerbarer Energien sinkt die Auslastung der Batterien, was die Wirtschaftlichkeit von Projekten beeinträchtigt. Dies kann das Wachstum des Sektors einschränken, da Investitionen in BESS weniger rentabel werden, wenn Batterien seltener voll ausgelastet werden.
Trotz des Wachstums im Segment der Langzeitenergiespeicher (LDES) konnte das BNEF keine ausreichende Akzeptanz dieser Technologien feststellen, um deren Auswirkungen auf das Netz über einen Zeitraum von 10 bis 25 Jahren zu modellieren. Die Firma, die 2024 ihren ersten dedizierten Bericht über diesen Markt veröffentlichte, wird die LDES-Entwicklung weiterhin genau beobachten.
Emissionsreduktion und Elektrifizierung
Der Energiesektor ist der größte Treiber der Emissionsreduzierung. Der Übergang von Kohle zu erneuerbaren Energien, Energiespeichern und Gas trägt bis 2050 zu 60 % der Emissionsminderung bei. Die Elektrifizierung ist der zweitgrößte Faktor.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut BNEF-Bericht 112 GW/307 GWh an globalen Installationen verzeichnet, was die Erwartungen übertraf. Für dieses Jahr prognostizieren die Analysten trotz einer globalen Verlangsamung des Wachstums bei Solar-PV- und Windinstallationen 158 GW/459 GWh an neuen Installationen. Die jährlichen Ergänzungen von nicht-Pumpspeicher-Energiespeichern sollen sich im nächsten Jahrzehnt fast verdoppeln und bis 2036 308 GW erreichen. Bis dahin würden die kumulierten Installationen 2,9 TW/10,5 TWh betragen.
Diese Entwicklungen unterstreichen die Dynamik und die Herausforderungen der globalen Energiewende. Während große Fortschritte erzielt werden, bleiben massive Investitionen und innovative Lösungen entscheidend, um die Klimaziele zu erreichen und die Energiesicherheit weltweit zu gewährleisten.





