NatPower und Tesla haben einen mehrjährigen Vertrag über die Lieferung und Implementierung von Batteriespeichersystemen (BESS) im Umfang von über 25 GWh in Italien und Großbritannien unterzeichnet. Diese Vereinbarung markiert einen wichtigen Schritt zur Beschleunigung des Ausbaus von Energiespeichern in Europa und könnte die Art und Weise, wie große Projekte umgesetzt werden, grundlegend verändern.
Wichtige Punkte
- Tesla liefert über 25 GWh Megapack-Systeme an NatPower in Italien und Großbritannien.
- Der Vertrag umfasst Hardware, Software (Autobidder), Bauleistungen und langfristige Umsatzgarantien.
- Die erste Phase umfasst fünf Projekte; insgesamt sind über 100 GWh Speicherkapazität geplant.
- Das Gesamtvolumen der Bauinvestitionen wird auf 4-5 Milliarden US-Dollar geschätzt.
- Der Deal soll die Herausforderungen bei der Umsetzung großer Batteriespeicherprojekte lösen.
Ein integrierter Ansatz für Energiespeicher
Die Vereinbarung zwischen NatPower und Tesla ist mehr als nur ein Liefervertrag. Sie stellt ein umfassendes Ökosystem dar, das die Abstimmung von Kapital und Ausführung verbessern soll. Tesla liefert nicht nur seine Megapack-Speichersysteme, sondern bietet auch Ingenieur-, Beschaffungs- und Baudienstleistungen (EPC) an. Hinzu kommen bankfähige Handelsdienstleistungen über seine Autobidder-Plattform, die langfristige Umsatzgarantien beinhalten.
NatPower wird die Projekte besitzen und betreiben. Dieses Modell zielt darauf ab, die Komplexität und die Verzögerungen zu reduzieren, die den Ausbau von Batteriespeichern bisher kennzeichneten.
Faktencheck
- 25 GWh: Anfängliches Liefervolumen der Batteriespeicher.
- 100 GWh: Zielkapazität des Gesamtprogramms.
- 4-5 Milliarden US-Dollar: Geschätzter Bauwert des Gesamtumfangs.
- 15 Milliarden US-Dollar: Prognostizierte Einnahmen über 20 Jahre.
„Der Sektor hat Zugang zu Technologie und Kapital, aber er kämpft immer noch damit, Infrastruktur konsistent und innerhalb der erforderlichen Zeitpläne bereitzustellen. Was wir mit Tesla aufgebaut haben, ist ein Ökosystem, das die Abstimmung zwischen Kapital und Ausführung ermöglicht und das in mehreren Märkten repliziert werden kann.“
Herausforderungen im Speichermarkt angehen
Fabrizio Zago, CEO von NatPower, betonte, dass der Deal ein strukturelles Problem bei der Bereitstellung von Batteriespeichern adressiert. Trotz verfügbarer Technologie und ausreichendem Kapital gab es Schwierigkeiten, Infrastrukturprojekte termingerecht umzusetzen. Der integrierte Ansatz von Tesla, der Hardware, Software, Bau und Optimierung kombiniert, soll diese Engpässe beseitigen.
Mike Snyder, VP of Energy and Charging bei Tesla, hob hervor, dass Teslas „vertikal integriertes Angebot, das Hardware, Software, Konstruktion, Handelsoptimierung und Service bereitstellt“, Projekte schneller in Betrieb nehmen und über die gesamte Produktlebensdauer hinweg betreiben soll.
Fünf operative Anforderungen im Fokus
Die Vereinbarung ist so strukturiert, dass sie fünf operative Anforderungen gleichzeitig erfüllt:
- Reservierung der Fertigungskapazität
- Netzzugang und -anschluss
- Genehmigungen und Einhaltung gesetzlicher Vorschriften
- Finanzierungsstruktur
- Zeitplanung der Ausführung
NatPower bezeichnet dies als das erste Mal, dass die Beschaffung, Finanzierung und Ausführung von BESS über mehrere Gerichtsbarkeiten hinweg in einem einzigen, integrierten Rahmen koordiniert werden. Dies verknüpft die Fertigungszuteilung direkt mit der Projektlieferung und geht über den bisherigen „opportunistischen und lokalen Ansatz“ hinaus.
Bedeutung für Tesla und den europäischen Markt
Mit 25 GWh ist die erste Phase des NatPower-Vertrags einer der größten Einzelbeschaffungsverträge für BESS auf dem europäischen Markt. Teslas Megapack-Fabrik in Lathrop, Kalifornien, hat eine jährliche Produktionskapazität von etwa 40 GWh. Dies bedeutet, dass der NatPower-Auftrag, wenn er innerhalb eines einzigen Produktionsjahres erfüllt wird, etwa 62,5 % dieser Jahresproduktion ausmachen würde.
Der Deal sichert Tesla ein sichtbares, langfristiges Auftragsvolumen. Dies ist besonders wichtig, da Teslas Energiespeichergeschäft zuletzt eine durchwachsene Quartalsentwicklung verzeichnete. Nach Rekordzahlen im Jahr 2025 gab es im ersten Quartal 2026 einen Rückgang der Bereitstellungen um 15 % und der Einnahmen im Energiebereich um 12 % im Vergleich zum Vorjahr.
Hintergrund: Tesla und der Energiespeicher-Markt
Tesla hat 2025 ein starkes Wachstum im Bereich Energiespeicher verzeichnet und dieses Jahr als entscheidend für die KI-gesteuerte Transformation bezeichnet. Im Jahr 2026 wurde jedoch ein Margendruck erwartet, da der Wettbewerb im Markt für Utility-Scale-Speicher zunimmt und chinesische Hersteller preislich aggressiver werden. Der NatPower-Deal, der Hardware mit Software, Bau und langfristigen Handelsdienstleistungen bündelt, passt zu Teslas Strategie, sich auf margenstärkere, integrierte Serviceangebote zu konzentrieren, anstatt nur über den Megapack-Stückpreis zu konkurrieren.
Italien und Großbritannien als Schlüsselmärkte
Italien und Großbritannien gehören zu den aktivsten Märkten für netzgekoppelte Batteriespeicher in Europa. Italien erlebt einen schnellen Ausbau der eigenständigen BESS-Kapazität, angetrieben durch Kapazitätsmarkt-Anreize und die Notwendigkeit, die zunehmende Abregelung seiner wachsenden Solarflotte zu steuern. Das Vereinigte Königreich profitiert von seinem Kapazitätsmarkt und dem Balancing Mechanism, die mehrere Einnahmequellen zur Finanzierung großer Systeme bieten.
Beide Märkte haben von sinkenden Batteriekosten und verbesserten Netzanschlussprozessen profitiert. Genehmigungs- und Anschlussfristen bleiben jedoch eine Herausforderung für die Liefergeschwindigkeit in beiden Ländern.
Autobidder: Bewährte Optimierungsplattform
Die Autobidder-Handelsplattform, die Tesla im Rahmen der Vereinbarung bereitstellt, ist bereits in Teslas bestehenden europäischen Megapack-Installationen im Einsatz. Dies verschafft NatPower Zugang zu einem Optimierungssystem mit einer nachweislichen Betriebsbilanz, anstatt auf ein ungetestetes Marktangebot zurückgreifen zu müssen.
Tesla und Sungrow führten zuletzt die Bankability-Ratings für Batteriespeichersystem-Anbieter an. Kreditgeber und unabhängige Ingenieure vergaben den höchsten Vertrauensindex für die Technologie und finanzielle Stabilität beider Unternehmen. Diese Position gibt den Kreditgebern von NatPower zusätzliche Sicherheit bei der Finanzierung eines so umfangreichen und länderübergreifenden Projekts.
NatPower: Ein aufstrebender Akteur
NatPower ist ein privat gehaltener Entwickler, der 2022 von CEO Zago und Mitbegründer Stefano Sommadossi gegründet wurde. Im August letzten Jahres gab das Unternehmen bekannt, dass es ein 1 GW/8 GWh BESS-Projekt in Großbritannien mit der lokalen Tochtergesellschaft von Sembcorp aus Singapur plant, was einer privaten Investition von rund 1 Milliarde Pfund entspricht. Zuvor hatte NatPower Anfang 2025 bereits Planungsanträge für zwei weitere Gigawatt-Projekte in Großbritannien eingereicht, die jeweils eine Dauer von 4 Stunden (1 GW/4 GWh) haben sollten.
Der aktuelle Deal mit Tesla unterstreicht NatPowers Ambitionen, ein führender Akteur im europäischen Energiespeichermarkt zu werden und die Energiewende maßgeblich mitzugestalten.





