Kleine Windkraftanlagen für den privaten Gebrauch wecken das Interesse vieler Hausbesitzer, die ihren eigenen Strom erzeugen möchten. Doch eine genaue Betrachtung zeigt, dass die Erträge oft gering sind und die Wirtschaftlichkeit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Im Vergleich zu etablierten Solaranlagen stoßen Mini-Windräder im urbanen und suburbanen Umfeld auf erhebliche Herausforderungen.
Wichtigste Erkenntnisse
- Mini-Windräder sind für Privathaushalte oft finanziell nicht rentabel.
- Der Stromertrag hängt stark vom Standort ab und ist in bebauten Gebieten gering.
- Solaranlagen bieten meist höhere und zuverlässigere Erträge auf gleicher Fläche.
- Lärm und Vibrationen können zu Problemen mit Nachbarn führen.
- Eine sorgfältige Prüfung von Standort und Qualität ist vor der Anschaffung unerlässlich.
Geringe Erträge und Standortabhängigkeit
Die zentrale Frage bei Mini-Windkraftanlagen ist der tatsächlich erzielbare Ertrag. Hier zeigt sich schnell, dass die physikalischen Gegebenheiten eine entscheidende Rolle spielen. Die Windgeschwindigkeit und der Aufstellungsort bestimmen maßgeblich, wie viel Strom eine Anlage erzeugen kann. Eine Verdopplung der Windgeschwindigkeit führt theoretisch zu einem achtfachen Ertrag, während eine Halbierung den Ertrag auf ein Achtel reduziert.
Dies bedeutet, dass selbst die effizienteste Anlage nur so viel Energie aus dem Wind gewinnen kann, wie tatsächlich vorhanden ist. In dicht bebauten Gebieten oder Talsenken, wo Gebäude und Bäume den Wind abbremsen und Verwirbelungen verursachen, sinkt der Ertrag drastisch.
Faktencheck: Ertrag einer Kleinwindanlage
- Rotordurchmesser 1,0 m: Rotorfläche ca. 0,8 m²
- Geschätzte Stromerzeugung: 96 kWh pro Jahr (bei optimistisch guter Lage auf Hausdach im Binnenland)
- Wert des Stroms: ca. 35 € pro Jahr (bei 100% Eigenverbrauch)
- Wichtiger Hinweis: Bei doppeltem Rotordurchmesser vervierfacht sich der Ertrag.
Ein Beispiel verdeutlicht dies: Eine Kleinwindanlage mit einem Rotordurchmesser von 1,0 Meter und einer Rotorfläche von 0,8 Quadratmetern kann unter optimistischen Bedingungen auf einem Hausdach im Binnenland etwa 96 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Bei einem Eigenverbrauch von 100 Prozent entspricht dies einem Wert von lediglich rund 35 Euro jährlich. Dies steht oft in keinem Verhältnis zu den Anschaffungs- und Installationskosten.
Herausforderungen bei der Montage und Nennleistung
Der ideale Standort für eine Kleinwindanlage ist ein hoher Mast auf einer freien Bergkuppe oder einer weiten Wiese, wo der Wind ungehindert strömen kann. Solche Bedingungen sind für die meisten Privathaushalte nicht realistisch. Die Montage auf einem Hausdach ist windtechnisch ungünstig und birgt weitere Probleme.
„Die Nennleistung, die viele Hersteller angeben, ist oft irreführend. Entscheidend ist die Leistung bei geringen Windgeschwindigkeiten, nicht bei selten auftretendem Starkwind.“
Auf Dächern können zudem störende Geräusche und Vibrationen ins Gebäude übertragen werden. Dies kann nicht nur die Bewohner selbst beeinträchtigen, sondern auch zu Konflikten mit Nachbarn führen. Die Lärmbelästigung ist ein oft unterschätztes Risiko, das die Lebensqualität erheblich mindern kann.
Herstellerangaben zur Nennleistung sollten kritisch hinterfragt werden. Ohne unabhängige Prüfzertifikate, die unter definierten Bedingungen erstellt wurden, sind diese Werte kaum aussagekräftig. Der tatsächliche Betrieb unter realen Bedingungen weicht oft stark von den Prospektangaben ab.
Wirtschaftlichkeit und Alternativen
Die Frage der Wirtschaftlichkeit ist eng mit dem Ertrag und den Kosten verbunden. Obwohl für eingespeisten Windstrom eine Vergütung von etwa 8 bis 12 Cent pro Kilowattstunde gezahlt wird, ist es finanziell vorteilhafter, den selbst erzeugten Strom direkt zu verbrauchen. So lassen sich die Kosten für teuren Netzstrom von etwa 36 Cent pro Kilowattstunde einsparen.
Doch selbst bei vollständigem Eigenverbrauch ist der Spareffekt aufgrund der geringen Strommengen oft marginal. Die Kombination einer Kleinwindanlage mit einer Solaranlage ist technisch und rechtlich komplex und erfordert zusätzliche, kostenpflichtige Stromzähler.
Vergleich: Kleinwind vs. Photovoltaik
Im direkten Vergleich erzielen Solarstromanlagen auf gleicher Fläche in den meisten Fällen ähnliche oder sogar höhere Stromerträge. Photovoltaikmodule sind zudem zuverlässiger, haben eine längere Lebensdauer von oft 20 Jahren und mehr, und der Markt ist ausgereifter. Die Technologie der Kleinwindkraftanlagen ist aufgrund geringerer Stückzahlen und eines kleineren Marktes weniger ausgereift.
Bevor man sich für eine Mini-Windanlage entscheidet, sind Prüfzertifikate und die Möglichkeit einer Besichtigung von Anlagen, die bereits mehrere Jahre in Betrieb sind, wichtige Indikatoren für die Qualität. Fragen zur Sturmsicherheit, Geräuschentwicklung und Lebensdauer sollten im Vorfeld geklärt werden.
Rechtliche Aspekte und Risiken
Die Installation einer Kleinwindanlage erfordert nicht nur technische Überlegungen, sondern auch die Klärung rechtlicher Fragen. Sie muss beim Stromnetzbetreiber und der Bundesnetzagentur angemeldet werden. Eine Rücksprache mit der Gebäude- und Haftpflichtversicherung ist ebenfalls wichtig, um sicherzustellen, dass mögliche Schäden abgedeckt sind.
Auch die Notwendigkeit einer Baugenehmigung sollte frühzeitig bei der zuständigen Gemeinde oder Bauamt geklärt werden, um spätere Probleme zu vermeiden.
Potenzielle Risiken im Überblick:
- Lärmbelästigung: Geräusche können im Haus und bei Nachbarn stören.
- Kurze Lebensdauer: Die Betriebsdauer der Anlage kann kürzer sein als erwartet.
- Geringer Ertrag: Die tatsächliche Stromproduktion liegt möglicherweise unter den Erwartungen.
- Eigenverbrauch: Es besteht das Risiko, dass die Anlage mehr Strom für den Eigenbetrieb verbraucht, als sie erzeugt.
Es gibt verschiedene Designs von Kleinwindkraftanlagen, von klassischen Propeller-Modellen bis zu vertikal drehenden Ausführungen. Ohne neutral ermittelte Kennlinien aus Windkanalmessungen sollten diese Designs jedoch eher unter gestalterischen Gesichtspunkten betrachtet werden.
Für spezielle Anwendungen wie auf Booten oder in abgelegenen Hütten, wo keine Netzanbindung besteht, können Kleinwindkraftanlagen eine sinnvolle Lösung sein. Für den Einsatz im Garten oder auf dem Dach von Wohngebäuden in besiedelten Gebieten sind sie jedoch oft ungeeignet und wirtschaftlich nicht empfehlenswert. Der Fokus sollte auf bewährten und effizienteren Alternativen liegen.





