Die Region Naher Osten und Nordafrika (MENA) steht vor einem beispiellosen Ausbau erneuerbarer Energien. Bis 2040 werden voraussichtlich 860 Gigawatt (GW) neue Solarenergiekapazität hinzukommen. Gleichzeitig wird die Energiespeicherkapazität bis 2030 um das Zehnfache anwachsen. Dies geht aus aktuellen Prognosen hervor, die eine grundlegende Transformation der regionalen Energieversorgung aufzeigen.
Wichtige Erkenntnisse
- 860 GW neue Solarenergie bis 2040 in der MENA-Region.
- Zehnfache Steigerung der Energiespeicherkapazität bis 2030.
- Strombedarf verdreifacht sich bis 2060, angetrieben durch E-Mobilität und KI.
- Solar-PV mit Speichern wird zur dominierenden Technologie.
- VAE baut weltweit größtes Solar-plus-Speicher-Projekt.
Massives Wachstum bei Solarenergie
Die Solarenergie ist der Haupttreiber dieser Entwicklung. Die installierte Solarkapazität soll von 76 GW im Jahr 2024 auf 340 GW im Jahr 2029 steigen. Bis 2040 wird ein 12-facher Anstieg der neuen Solar-PV-Kapazität erwartet, einschließlich Anlagen, die mit Energiespeichern kombiniert werden.
Zwischen 2040 und 2060 sollen weitere 2,2 Terawatt (TW) an Solar- und Windenergie installiert werden. Diese Zahlen zeigen die Entschlossenheit der Region, den Anteil erneuerbarer Energien massiv zu erhöhen.
„Der Golf geht von der Diskussion zur Umsetzung über“, sagt Jan Zschommler, Market Area Manager für den Nahen Osten und Afrika bei DNV Energy Systems. „Große Solar-, Wind- und Speicherprojekte werden jetzt in einem Tempo gebaut, das den regionalen Strommix verändert.“
Fakten zur MENA-Energie
- Solar-PV-Kapazität 2024: 76 GW
- Prognose 2029: 340 GW Solar-PV
- Prognose 2040: 860 GW neue Solar-PV-Kapazität
- Zusätzliche Solar- & Windenergie 2040-2060: 2,2 TW
Explosion der Energiespeicherkapazität
Neben der Solarenergie wächst auch der Bereich der Energiespeicherung rasant. Aktuell verfügt die MENA-Region über 36 Gigawattstunden (GWh) Speicherkapazität. Diese soll sich bis 2030 verzehnfachen und bis 2045 sogar verhundertfachen. Bis 2060 wird eine Kapazität von 9,5 Terawattstunden (TWh) erwartet.
Dies würde bedeuten, dass die MENA-Region im Jahr 2060 etwa 12 % der weltweiten Energiespeicherkapazität installiert hätte, gegenüber nur 1,4 % heute. Lithium-Ionen-Batterien sind dabei die treibende Kraft. Sie werden bis Ende dieses Jahres voraussichtlich 70 % der gesamten Speicherkapazität ausmachen.
Solar-plus-Speicher-Projekte dominieren
Die Kombination von Solaranlagen mit Batteriespeichersystemen (BESS) ist ein entscheidender Trend. Diese Hybridisierung wird das Wachstum im Energiespeicherbereich anführen und Pumpspeicherkraftwerke (PHES) als dominante Technologie in der Region ablösen.
Das Interesse an Solar-plus-Speicher-Lösungen steigt, da Entwickler eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung und größere Systemflexibilität anstreben. Mehrere Gigawatt-Projekte wurden bereits angekündigt und befinden sich im Bau.
Hintergrund: Warum der Wandel?
Der schnelle Anstieg der erneuerbaren Energien im Golf und in der gesamten MENA-Region verdrängt Kohlenwasserstoffe nicht über Nacht, verändert aber das Stromsystem. Die Golfstaaten bauen einige der weltweit größten Solar- und Speicherprojekte, während sie gleichzeitig die globalen Öl- und Gasmärkte beliefern. Diese Entwicklung wird hauptsächlich von wirtschaftlichen Faktoren angetrieben. Erneuerbare Energien bieten mittlerweile kostengünstigen Strom, und sauberer Strom wird für wettbewerbsfähige Industrien und die zukünftige Wasserstoffproduktion immer wichtiger.
Großprojekte in der gesamten Region
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) bauen derzeit das größte Solar-plus-Speicher-Projekt der Welt. Es handelt sich um ein 5,9 Milliarden US-Dollar teures Vorhaben, das 5,2 GW Solarenergie mit 19 GWh Batteriespeicherkapazität kombiniert. Dieses Projekt soll eine unterbrechungsfreie Lieferung von 1 GW sauberer Energie ins Netz ermöglichen und wird von Masdar, einem staatlichen Entwickler für erneuerbare Energien, realisiert.
Auch Ägypten und Saudi-Arabien sind Vorreiter. Das norwegische Energieunternehmen Scatec hat kürzlich einen Stromabnahmevertrag für 1,95 GW Solarenergie und 3,9 GWh BESS in Ägypten unterzeichnet. Dies ist eines von mehreren Solar-plus-Speicher-Projekten, die Scatec im Land entwickelt, darunter das 1,1 GW/200 MWh Obelisk-Projekt.
- V.A.E.: 5,2 GW Solar-PV, 19 GWh Batteriespeicher (größtes der Welt)
- Ägypten: 1,95 GW Solar-PV, 3,9 GWh BESS (Scatec)
- Saudi-Arabien: 2,8 GW Solar-PV mit BESS (ACWA Power und Bapco Energies)
Standalone-Speicherlösungen gewinnen an Bedeutung
Neben den kombinierten Projekten entstehen auch große, eigenständige Energiespeicheranlagen. In Saudi-Arabien wurden kürzlich einige der weltweit größten BESS-Projekte mit einer Gesamtkapazität von 7,8 GWh an drei Standorten (Najran, Khamis Mushait und Madaya) in Betrieb genommen. Die Technologie stammt von der chinesischen Firma Sungrow.
Anfang 2025 hat eine Tochtergesellschaft der Power Construction Corporation of China (PowerChina) das 500 MW/2.000 MWh Bisha BESS-Projekt in Betrieb genommen. Weitere Entwicklungen in Saudi-Arabien umfassen einen 12,5 GWh BESS-Liefervertrag zwischen dem Übertragungsnetzbetreiber Saudi Electricity Company (SEC) und BYD sowie einen weiteren SEC-Auftrag über 4 GWh an Hithium.
Steigender Strombedarf fordert das Netz heraus
Der Strombedarf in der MENA-Region wird sich bis 2060 voraussichtlich verdreifachen. In den kommenden zehn Jahren wird dieses Wachstum hauptsächlich von Gebäuden und Entsalzungsanlagen getragen. Von 2040 bis 2060 werden Elektrofahrzeuge, der Anstieg von KI-Rechenzentren und die Produktion von grünem Wasserstoff die Nachfrage antreiben.
Trotz des rasanten Wachstums von Solar- und Windenergie wird die gasbefeuerte Stromerzeugung bis 2040 nicht vollständig verdrängt. Der Anstieg des Strombedarfs übersteigt zunächst die installierte Kapazität an erneuerbaren Energien. Nach 2040 wird das Wachstum der erneuerbaren Energien jedoch den Nachfrageanstieg übertreffen, was eine Beschleunigung der Energiewende bedeutet.
Zukünftiger Strombedarf
- Verdreifachung des Bedarfs: Bis 2060
- Treiber 2024-2034: Gebäude, Entsalzung
- Treiber 2040-2060: Elektrofahrzeuge, KI-Rechenzentren, grüner Wasserstoff
Netzengpässe als zukünftige Herausforderung
Bisher ist die MENA-Region weniger von Netzengpässen betroffen als viele andere globale Märkte. Dies gilt sowohl für den Netzausbau als auch für den Projektanschluss. Prognosen zeigen, dass die installierte Solarkapazität bis 2035 nicht durch Netzengpässe beeinträchtigt wird. Im Vergleich dazu führt dies in Europa zu einer Reduzierung der Solarkapazität um 16 %.
Es gibt jedoch eine Warnung: Sollten Netzausbau und -modernisierungen nicht mit dem Wachstum der erneuerbaren Energien Schritt halten, könnte das Netz bis 2035 zu einem Engpass werden. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, infrastrukturelle Investitionen parallel zum Ausbau der Erzeugungskapazitäten zu tätigen, um die Energiewende erfolgreich zu gestalten.





