Die Entwicklung von Batteriespeichersystemen (BESS) in Südostasien steht vor großen Herausforderungen. Extreme Wetterereignisse, hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit sind keine abstrakten Konzepte mehr, sondern tägliche Realität für Projektentwickler. Diese Bedingungen erfordern eine grundlegende Neuausrichtung in Planung, Design und Betrieb von Energiespeicherprojekten, um langfristige Rentabilität und Sicherheit zu gewährleisten.
Wichtige Erkenntnisse
- Frühe Risikobewertung: Klimarisiken müssen von Beginn an in alle Projektphasen integriert werden.
- Technische Anpassungen: Infrastruktur und Technologie müssen für extreme Wetterbedingungen ausgelegt sein.
- Finanzielle Vorsorge: Höhere Wartungs- und Ersatzkosten müssen in der Investitionsplanung berücksichtigt werden.
- Vertragliche Flexibilität: Projektverträge benötigen spezifische Klauseln für klimabedingte Ereignisse.
- Versicherungskosten: BESS-Versicherungen sind teurer, da Langzeitdaten fehlen.
Klimawandel als Betriebsrealität
Der Klimawandel verändert die Landschaft für Energieprojekte, insbesondere in Regionen wie Südostasien. Alan Yau, CEO von Verdant Energy, einem Unternehmen, das Projekte in Thailand, Vietnam und auf den Philippinen entwickelt, betont: „Klimarisiko ist für uns kein abstraktes Konzept mehr. Es ist eine tägliche Betriebsrealität, die unsere Herangehensweise an verschiedene Projektphasen grundlegend neu gestaltet hat.“ Verdant Energy konzentriert sich zunehmend auf Batteriespeichersysteme.
Die Berücksichtigung von Klimarisiken beginnt bei Verdant Energy bereits in den frühen Phasen der Entwicklung. Dies umfasst die Standortwahl, die Genehmigungsprozesse, das Projektdesign und die Beschaffung der Technologie. Das Unternehmen hat seine technischen Spezifikationen angepasst, um extremen Wetterbedingungen gerecht zu werden, die während der Bau- und Inbetriebnahmephase immer häufiger auftreten.
„Wir haben unsere technischen Spezifikationen überprüft, um sicherzustellen, dass wir extremen Wetterbedingungen gerecht werden, die während der Bau- und Inbetriebnahmephase immer häufiger auftreten“, so Alan Yau von Verdant Energy.
Anpassung an extreme Bedingungen
Ruth Briones, Vorsitzende, Präsidentin und CEO von Greenergy Solutions, deren Firma Solar-PV-Projekte auf den Philippinen umgesetzt hat, bestätigt die Notwendigkeit einer frühzeitigen Risikobewertung. Obwohl keines ihrer Projekte von den schlimmsten Katastrophen betroffen oder zerstört wurde, ist eine umfassende Risikoanalyse und -minderungsplanung für BESS-Projekte unerlässlich. Diese sollte parallel zu Umweltverträglichkeitsprüfungen erfolgen.
Interessanter Fakt
Verdant Energy, das auch in seine Projekte investiert, plant von vornherein widerstandsfähige Investitionen ein. Dies beinhaltet die Berücksichtigung spezifischer Standortbedingungen und Daten, um etwa eine verbesserte thermische Steuerung für BESS zu gewährleisten und Fundamente für taifungefährdete Gebiete entsprechend zu gestalten.
Finanzielle und technische Herausforderungen
Die hohen Temperaturen und die Feuchtigkeit in Südostasien wirken sich direkt auf die Kapital- (Capex) und Betriebskosten (Opex) von Batteriespeichersystemen aus. Alan Yau erklärt, dass extreme Hitze die Lebensdauer von Batterien verkürzt und somit den Zeitplan für den Austausch beschleunigt. Dies erfordert die Einplanung ausreichender Puffer für Ersatzinvestitionen im Budget.
Bei der Umsatzmodellierung müssen Verfügbarkeit und Ausfallzeiten kritisch geprüft und von unabhängigen Beratern validiert werden. Nur so kann die Realität der Betriebsbedingungen korrekt abgebildet werden. Künstliche Intelligenz (KI) wird eingesetzt, um präzisere Leistungsvorhersagen zu treffen und eine schnellere Reaktion auf Probleme zu ermöglichen.
Vertragliche Absicherung und Garantien
Ruth Briones betont die Wichtigkeit, gute Garantien und Gewährleistungen mit Lieferanten auszuhandeln. Dies schützt vor unvorhergesehenen Problemen und reduziert das finanzielle Risiko.
Hintergrundinformation
Der Klimatologe Brendan Larson, Mitbegründer und CEO von AbsoluteClimo, weist darauf hin, dass sogenannte 'Black Swan'-Ereignisse, also seltene, aber schwerwiegende Risiken, zunehmend wichtiger werden. Das Klimasystem ist nicht linear und dynamisch, was herkömmliche statistische Durchschnittsberechnungen unzureichend macht. Er nennt die Waldbrände auf Maui im August 2023 als Beispiel, die den Energieversorger Hawaiian Electric (HECO) unvorbereitet trafen und zu erheblichen finanziellen Verlusten führten.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Versicherungen
Samata Masagee, Partnerin bei Clyde & Co, arbeitet mit Projektträgern, Entwicklern und Finanzinstitutionen zusammen, um Energie- und Energiespeicherprojekte zu realisieren. Sie betont die Notwendigkeit flexibler Projektdokumentationen, wie Stromabnahmeverträge (PPAs) und langfristige Serviceverträge (LTSAs), um Änderungen – sei es durch Klima oder Regulierung – Rechnung zu tragen.
Die Kanzlei Clyde & Co geht bei ihren Dokumentationen weg von generischen Definitionen von höherer Gewalt hin zu standortspezifischen Definitionen. Diese basieren auf Forschungsergebnissen von Experten wie Klimatologen. Verträge, die den Betrieb eines Projekts abdecken, sollten ebenfalls auf die in der Entwicklungsphase identifizierten Risiken abgestimmt sein. Lieferantengarantien müssen Worst-Case-Szenarien berücksichtigen und Versicherungen sollten diese Garantien im Notfall absichern.
Herausforderungen im Versicherungsmarkt
Masagee hebt hervor, dass BESS-Versicherungen tendenziell teurer sind als andere Versicherungsprodukte im Bereich erneuerbarer Energien. Dies liegt nicht an mangelndem Interesse der Versicherer, sondern am Fehlen langfristiger Daten, die zur korrekten Preisgestaltung der Produkte benötigt werden. Zudem gibt es nur eine geringe Anzahl spezialisierter Makler, die bereit sind, BESS-Projekte zu versichern.
Der Rat ist, so früh wie möglich in den Versicherungsprozess einzusteigen. Bankfähige Technologien, die beispielsweise Brandschutznormen erfüllen, erhöhen die Bereitschaft der Versicherer, Projekte abzusichern. Alan Yau von Verdant Energy sieht in Technologielösungen wie Batteriedatenanalysen, die KI-gestützte Betriebsentscheidungen ermöglichen, einen Schlüssel zu besseren Versicherungsbedingungen und zur Bankfähigkeit von Projekten.
- Versicherungskosten: Höher für BESS-Projekte.
- Datengrundlage: Mangel an Langzeitdaten erschwert Preisgestaltung.
- Spezialmakler: Wenige Anbieter auf dem Markt.
- Früher Einstieg: Wichtig für bessere Konditionen.
- Bankfähige Technologie: Verbessert Versicherbarkeit.
Yau erklärt weiter, dass Versicherungsprämien mittlerweile als variable Kosten betrachtet werden, die an standortspezifische Bedingungen gebunden sind. „Früher war es nur ein Posten, bei dem Entwickler einen Betrag aus historischen Erfahrungen eingaben, aber jetzt ist es ein variabler Kostenpunkt, der für jeden Standort spezifisch ist, also stellen wir sicher, dass wir ihn berücksichtigen.“ Die Diskussion umfasste auch Genehmigungen, gesellschaftliches Engagement und regulatorische Aspekte sowie Fragen zur Nachhaltigkeit und zum Recycling von Anlagen.





