Australiens Energiemarkt erlebt einen wichtigen Meilenstein: Das 2GWh Kidston Pumpspeicherwerk (PHES) ist offiziell im Market Management System (MMS) des Australian Energy Market Operator (AEMO) registriert. Dies ist die erste Pumpspeicheranlage, die seit fast vier Jahrzehnten in Australiens Nationalen Elektrizitätsmarkt (NEM) eintritt. Die Anlage verspricht, die Netzstabilität zu verbessern und die Integration erneuerbarer Energien zu erleichtern.
Wichtigste Erkenntnisse
- Kidston ist die erste Pumpspeicheranlage seit fast 40 Jahren im australischen NEM.
- Die Anlage nutzt ehemalige Minengruben für die Energiespeicherung.
- Sie bietet 250MW Erzeugungs- und 250MW Pumpkapazität.
- EnergyAustralia sichert sich die Abnahmerechte für bis zu 30 Jahre.
- Kidston unterstützt die Netzstabilität und die Integration erneuerbarer Energien.
Ein historischer Schritt für Australiens Energiespeicher
Die Registrierung des Kidston Pumpspeicherwerks durch Genex Power am 18. November markiert einen Wendepunkt für Australiens langfristige Energiespeicherung. Die Anlage, 285 Kilometer westlich von Townsville in Queensland gelegen, ist nun mit vier Einheiten im AEMO-System verzeichnet: KIDSPHG1 und KIDSPHG2 für die Stromerzeugung sowie KIDSPHL1 und KIDSPHL2 für die Pumpfunktionen.
Vorerst arbeitet KIDSPHG1 mit einer Kapazität von 125MW. Die vollständige Anlage soll nach Veröffentlichung der technischen Spezifikationen eine Erzeugungs- und Pumpkapazität von jeweils 250MW erreichen. Dies stellt eine erhebliche Steigerung der Speicherkapazitäten im Land dar.
Faktencheck
- Kapazität: 2GWh Gesamtspeicherkapazität.
- Leistung: 250MW Erzeugung und 250MW Pumpen (volle Kapazität).
- Standort: 285km westlich von Townsville, Queensland.
- Besonderheit: Nutzt zwei ehemalige Goldminengruben.
Wie Kidston funktioniert und die Energieversorgung stärkt
Das Kidston-Projekt nutzt zwei bestehende Gruben der ehemaligen Kidston-Goldmine. Diese Umwandlung einer Bergbaustätte in ein Zentrum für erneuerbare Energien ist ein Beispiel für nachhaltige Infrastrukturnutzung. Die Anlage kann in Zeiten hoher Erzeugung von Solar- und Windenergie überschüssigen Strom aufnehmen. Anschließend speist sie diese Energie während Spitzenlastzeiten ins Netz ein, wenn die Strompreise am höchsten sind.
Dies ist entscheidend für die Stabilität des Netzes. Pumpspeicherwerke bieten wichtige Netzdienstleistungen wie Frequenzregulierung und Spannungshaltung. Diese Funktionen sind für ein Netz mit einem wachsenden Anteil an intermittierenden erneuerbaren Energien unerlässlich.
„Die Kidston-Anlage ist ein Beweis dafür, wie wir alte Infrastruktur für eine nachhaltige Energiezukunft nutzen können. Sie wird eine Schlüsselrolle bei der Stabilisierung unseres Netzes spielen.“
Langfristige Partnerschaft sichert Abnahme
EnergyAustralia hat sich die Abnahmerechte für die Kidston-Anlage gesichert. Dies geschieht über ein verbindliches Energie-Speicher-Dienstleistungsabkommen mit dem Projektentwickler Genex Power. Die Vereinbarung läuft über bis zu 30 Jahre und beinhaltet eine Option für EnergyAustralia, das Projekt zu erwerben. Dies sichert dem Energieversorger erhebliche Langzeitspeicherkapazitäten zur Unterstützung seines Portfolios an erneuerbaren Energien.
Die Finanzierung des Kidston-Projekts wurde bereits 2022 abgeschlossen. Unterstützung kam dabei von der Australian Renewable Energy Agency (ARENA) und der Northern Australia Infrastructure Facility (NAIF). Diese staatlichen und privaten Investitionen unterstreichen die Bedeutung des Projekts für die australische Energiewende.
Herausforderungen und Chancen für Queensland
Die australische Stromversorgung steht vor großen Herausforderungen. Der Anteil erneuerbarer Energien steigt, während Kohlekraftwerke stillgelegt werden. Langfristige Energiespeicher wie Pumpspeicherwerke sind entscheidend, um die Netzstabilität zu gewährleisten. Kurzfristige Batteriesysteme können diese Leistung über längere Zeiträume nicht wirtschaftlich erbringen.
Hintergrund: Australiens Energiespeicherstrategie
Queensland hat ein bewegtes Jahr in der Pumpspeicherentwicklung hinter sich. Während die Landesregierung 48 Millionen australische Dollar für das 5,7GWh Borumba Pumpspeicherwerk bereitstellte, wurde das weltweit größte Pumpspeicherprojekt in Pioneer-Burdekin wegen Kosten- und Umweltbedenken gestrichen. Die Energiespeicherstrategie des Bundesstaates wurde daraufhin überarbeitet, um den Schwerpunkt auf kurzfristigere Technologien zu legen. Bis 2030 sind 4,3GW kurzfristiger Energiespeicher geplant, zusätzlich zu ausgewählten Pumpspeicherprojekten.
Andere große Pumpspeicherprojekte in Queensland, wie das 9,6GWh Big G Projekt, warten noch auf die behördliche Genehmigung. Die Registrierung von Kidston kommt in einer Zeit, in der auch Batteriespeichersysteme (BESS) in Australien weiter ausgebaut werden. Dies zeigt eine diversifizierte Strategie zur Stärkung des Netzes.
Parallele Entwicklungen: Batteriespeicher in New South Wales
Ein weiteres Beispiel für den Ausbau der Speicherinfrastruktur ist das Quorn Park Solar Hybrid Project in New South Wales. Potentia Energy hat dort einen wichtigen Meilenstein erreicht: Ein 20MW/40MWh Batteriespeichersystem ist auf der Baustelle eingetroffen. Das System besteht aus 16 Einheiten, von denen jede etwa 27 Tonnen wiegt.
Dieses Batteriesystem ist Teil einer größeren Entwicklung, die ein 98MW Solarkraftwerk und den 20MW Batteriespeicher umfasst. Die volle Inbetriebnahme ist für 2026 geplant. Der Entwickler betont, dass das Batteriesystem die lokale Netzstabilität verbessern, überschüssige Solarenergie speichern und saubere Energie während Spitzenlastzeiten bereitstellen wird. Diese parallelen Entwicklungen zeigen, wie Australien auf eine Kombination verschiedener Speichertechnologien setzt, um eine zuverlässige und nachhaltige Energieversorgung zu gewährleisten.





