Der italienische Markt für Batteriespeichersysteme (BESS) durchläuft eine entscheidende Phase. Eine staatlich unterstützte Auktion namens MACSE sollte den Ausbau fördern, doch ihre Ergebnisse haben unerwartete Auswirkungen auf private Verträge. Während die Auktion niedrige Preise hervorbrachte, wächst das Interesse an bilateralen Lösungen, die Entwicklern und Abnehmern höhere Werte und maßgeschneiderte Risikoteilung versprechen.
Wichtige Erkenntnisse
- Die MACSE-Auktion in Italien vergab 17-jährige Verträge für 10 GWh BESS-Projekte.
- Der gewichtete Durchschnittspreis lag bei 12.959 €/MWh-Jahr, deutlich unter der Obergrenze.
- Aggressive Gebote führten zu niedrigen Zuschlagspreisen, was einige Bieter abschreckte.
- Das Ergebnis der Auktion erhöht das Interesse an privaten Tolling-Vereinbarungen und PPAs.
- Zelestra unterzeichnete einen innovativen virtuellen Tolling-Vertrag mit BKW für Norditalien.
MACSE-Auktion: Niedrige Preise und strategische Entscheidungen
Im September des vergangenen Jahres schloss der italienische Übertragungsnetzbetreiber Terna die MACSE-Auktion ab. Ziel war es, den Bau von großen Batteriespeichersystemen zu fördern. Die Auktion vergab 17-jährige Einnahmenverträge für Projekte mit einer Gesamtkapazität von 10 GWh.
Der gewichtete Durchschnittspreis, zu dem die Projekte zugeschlagen wurden, betrug 12.959 € pro MWh-Jahr. Dies lag weit unter dem Höchstpreis von 37.000 € pro MWh-Jahr, den Terna festgelegt hatte. Beobachter führten die niedrigen Preise auf aggressive Gebote einiger Teilnehmer zurück.
„Mehrere Teilnehmer boten extrem aggressiv, mit Projekten auf Brachflächen und mit größter Sicherheit einem technologischen Vorteil, was die Zuschlagspreise erheblich drückte“, erklärte Eliano Russo, Italien-CEO von IPP Zelestra.
Das Unternehmen Zelestra nahm an der Auktion teil, entschied sich jedoch gegen ein Gebot, das zu einem Zuschlag geführt hätte. Die erzielten Preise entsprachen nicht den finanziellen Anforderungen oder der Projektqualität des Unternehmens. Zelestra sah in privaten Tolling-Vereinbarungen eine bessere Balance aus Vorhersehbarkeit, Risikoverteilung und wirtschaftlicher Rendite.
Faktencheck MACSE-Auktion
- Vergabeumfang: 10 GWh BESS-Projekte
- Vertragslaufzeit: 17 Jahre
- Durchschnittlicher Zuschlagspreis: 12.959 €/MWh-Jahr
- Auktions-Obergrenze: 37.000 €/MWh-Jahr
- Anteil der Gewinner: Wenige Unternehmen erhielten Zuschläge, fast die Hälfte davon ging an Enel.
Verschiebung hin zu privaten Verträgen
Die Ergebnisse der MACSE-Auktion haben weitreichende Auswirkungen auf den italienischen Markt für Batteriespeicher. Sie dienen zwar als Referenzpunkt, beeinflussen aber private Verträge wie Power Purchase Agreements (PPAs) und Tolling-Vereinbarungen auf differenzierte Weise.
Einerseits schafft der staatlich gestützte Vergütungsrahmen eine Untergrenze für Markterwartungen. Er bestätigt die Legitimität von Speichersystemen als bankfähige Anlageklasse. Dies ist ein wichtiger Schritt für die Akzeptanz der Technologie.
Andererseits haben die relativ moderaten Vergütungsniveaus der MACSE-Auktion das Interesse an bilateralen Lösungen gesteigert. Diese können höhere Werte und eine individuellere Risikoteilung bieten. Unternehmen, Versorger und Händler erkennen, dass sie sich nicht allein auf MACSE verlassen können, um in den nächsten zehn Jahren Zugang zu flexiblen Kapazitäten zu erhalten.
Hintergrund: Tolling-Vereinbarungen
Ein Tolling-Vertrag im Energiesektor ist eine Vereinbarung, bei der ein Energieabnehmer (Offtaker) die Kapazität eines Kraftwerks oder Speichersystems mietet. Der Offtaker liefert den Brennstoff (oder im Fall von BESS die Energie) und erhält im Gegenzug die erzeugte Energie oder die Speicherleistung. Der Betreiber des Kraftwerks oder Speichers erhält eine feste Gebühr (Toll) für die Bereitstellung der Anlage. Dies bietet dem Betreiber planbare Einnahmen und dem Offtaker flexible Kapazität.
Wachsende Attraktivität von Tolling-Vereinbarungen
Diese Dynamik erhöht die Attraktivität von Tolling-Vereinbarungen. Sie bieten Entwicklern langfristige Planungssicherheit und Abnehmern gleichzeitig Marktexposition. Dies beschleunigt die Entwicklung eines italienischen Speichermarktes, in dem kommerzielle Optimierung, bilaterale Verträge und Flexibilitätsdienste nebeneinander existieren.
Die Notwendigkeit, sich vor Wettbewerbern absichern zu müssen, treibt die Suche nach privaten Vereinbarungen voran. Diese sichern abrufbare Ressourcen und fördern die Marktentwicklung.
Zelestra und BKW: Ein innovativer Tolling-Vertrag
Passend zu dieser Entwicklung unterzeichnete Zelestra einen langfristigen Tolling-Vertrag mit BKW, einem Versorgungs- und Energieunternehmen. Der Vertrag betrifft Batteriespeichersysteme in Norditalien mit einer Kapazität von bis zu 2 GWh.
Der Bau dieser Anlagen ist für 2027 geplant, der kommerzielle Betrieb soll 2028 beginnen. Diese Vereinbarung wurde kurz vor Beginn der MACSE-Auktionen bekannt gegeben. Es ist wichtig zu beachten, dass die erste MACSE-Auktion ausschließlich Projekte in Süditalien betraf, sodass dieser Tolling-Vertrag Projekte abdeckt, die nicht Teil der Auktion waren.
Eliano Russo bezeichnete die Vereinbarung mit BKW als eine der ersten echten virtuellen Tolling-Strukturen, die jemals auf Batteriespeicher im Versorgungsmaßstab in Italien angewendet wurden. Dies könnte ein Branchen-Novum sein und deutet auf mehrere Projekte hin, die unter diesem Dach laufen.
„Die Zelestra-BKW-Struktur ist daher nicht nur an sich innovativ; sie antizipiert die Richtung, in die sich der italienische BESS-Markt nach MACSE bewegt, und positioniert Zelestra vorteilhaft in dieser sich entwickelnden Landschaft“, schloss Russo.
Die Entwicklung zeigt, dass der italienische Speichermarkt diversifizierter wird. Neben staatlichen Anreizen spielen private Initiativen eine immer größere Rolle. Unternehmen suchen nach maßgeschneiderten Lösungen, um ihre Energiebedürfnisse zu decken und Risiken optimal zu verteilen. Dies führt zu einem dynamischen Umfeld mit verschiedenen Vertragsmodellen und Investitionsmöglichkeiten.
Ausblick auf den italienischen Speichermarkt
Der italienische Markt für Batteriespeicher steht vor einer spannenden Zukunft. Die Kombination aus staatlichen Rahmenbedingungen und der wachsenden Attraktivität privater Verträge schafft ein fruchtbares Umfeld für Innovationen und Investitionen. Die Notwendigkeit, das Stromnetz zu stabilisieren und erneuerbare Energien effizienter zu integrieren, treibt die Nachfrage nach flexiblen Speicherlösungen an.
Experten erwarten, dass sich der Trend zu bilateralen Vereinbarungen fortsetzen wird. Diese ermöglichen eine präzisere Anpassung an spezifische Bedürfnisse von Energieerzeugern und -verbrauchern. Die Flexibilität, die Batteriespeicher bieten, wird zunehmend als entscheidender Faktor für die Energiewende in Italien angesehen.
- Zunehmende Bedeutung: Batteriespeicher sind essenziell für die Integration erneuerbarer Energien.
- Marktdynamik: Eine Mischung aus staatlichen Anreizen und privaten Verträgen prägt den Markt.
- Innovation: Neue Vertragsmodelle wie virtuelle Tolling-Vereinbarungen entstehen.
- Investitionen: Attraktive Bedingungen für Entwickler und Investoren im BESS-Sektor.
Der Energiespeichermarkt in Italien entwickelt sich rasant. Die Anpassungsfähigkeit der Akteure an neue Gegebenheiten wie die MACSE-Auktion ist entscheidend für den Erfolg. Die Partnerschaft zwischen Zelestra und BKW ist ein Beispiel dafür, wie Unternehmen innovative Wege gehen, um den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden.





