Der Markt für Batteriespeichersysteme (BESS) im Vereinigten Königreich erlebt einen deutlichen Aufschwung. In den letzten Wochen gab es mehrere große Transaktionen. Unternehmen wie Copenhagen Infrastructure Partners (CIP), Fidra Energy, Elements Green, Gresham House und Eelpower haben Investitionen getätigt oder Projekte erworben. Dieser Anstieg der Aktivitäten signalisiert ein wachsendes Vertrauen in die Speichertechnologie als wichtige Säule der Energiewende.
Wichtige Erkenntnisse
- Mehrere große BESS-Projekte im Vereinigten Königreich wechseln den Besitzer oder werden weiterentwickelt.
- Die verbesserte Planbarkeit von Netzanschlüssen treibt das Wachstum voran.
- Investoren gestalten ihre Portfolios neu, um von der steigenden Nachfrage zu profitieren.
- Projekte wie Devilla (500MW/1.000MWh) und Enderby (1.025MW) gehören zu den größten des Landes.
- Die Speicherlösungen sind entscheidend für die Netzstabilität und die Integration erneuerbarer Energien.
Zunehmende Investitionen im Energiespeichermarkt
Die M&A-Aktivitäten im britischen Großbatteriespeichermarkt haben sich jüngst stark beschleunigt. Experten führen dies auf eine verbesserte Klarheit bei den Netzanschlüssen und eine strategische Neuausrichtung der Investorenportfolios zurück. Sumit Joshi, Direktor bei der Beratungsfirma Baringa, betont, dass die Unsicherheiten abnehmen und dadurch das Investitionsklima für große Batteriespeicherprojekte deutlich besser wird.
Ein Beispiel dafür ist Copenhagen Infrastructure Partners (CIP). Das Unternehmen hat eine Minderheitsbeteiligung an seinem 500MW/1.000MWh Devilla BESS-Projekt in Schottland veräußert. Käufer sind die Scottish National Investment Bank und der Nuclear Liabilities Fund. CIP behält weiterhin die Mehrheit an dem Projekt, dessen Inbetriebnahme für das Jahr 2028 geplant ist.
Faktencheck
- Das Devilla-Projekt wird über einen 10-Jahres-Optimierungsvertrag mit SSE und einen 15-Jahres-Kapazitätsmarktvertrag kommerzialisiert.
- Der Nuclear Liabilities Fund wurde zur Deckung der Kosten für den Rückbau von acht Kernkraftwerken eingerichtet.
Großprojekte stärken die Speicherkapazität
Fidra Energy, ein Entwickler von Batteriespeichersystemen, hat ein Gigawatt-Projekt von Innova erworben: das 1.025MW Enderby BESS in Leicestershire. Dieses Projekt zählt zu den größten im Vereinigten Königreich, nur übertroffen von Fidras eigenem 1,4GW/3,1GWh Thorpe Marsh BESS. Innova hatte im Mai 2025 die Baugenehmigung für Enderby erhalten, damals noch mit einer Kapazität von 908MW. Die Übernahme steigert Fidras Gesamtpipeline auf über 4GW.
Im September sicherte sich Fidra bereits eine Eigenkapitalinvestition von bis zu 445 Millionen Pfund von EIG und dem National Wealth Fund. Kurz darauf begann der Bau des Thorpe Marsh-Projekts in South Yorkshire. Diese Investitionen unterstreichen das Vertrauen der Finanzmärkte in die Notwendigkeit und Rentabilität von Energiespeicherlösungen.
„Die zunehmende Transparenz bei Netzanschlüssen und die strategische Portfolio-Gestaltung der Investoren sind entscheidende Treiber für das Wachstum im BESS-Markt“, erklärt Sumit Joshi von Baringa.
Strategische Standorte für Netzstabilität
Elements Green, ein in London ansässiger Entwickler für erneuerbare Energien, hat das 300MW/600MWh Newarthill BESS-Projekt in Schottland von Geocore erworben. Dieses an das Übertragungsnetz angeschlossene Projekt in der Nähe von Motherwell erhielt im Februar 2025 die Baugenehmigung. Es ist für eine Dauer von zwei Stunden ausgelegt, mit der Option auf eine Erweiterung auf vier Stunden. Die Fertigstellung ist für Oktober 2029 geplant.
Ein Netzanschluss wurde über eine benachbarte 275kV-Umspannstation gesichert. Elements Green betont, dass diese Akquisition die Position des Unternehmens in strategisch wichtigen Bereichen des britischen Übertragungsnetzes stärkt. Die Integration erneuerbarer Energien erfordert zusätzliche Flexibilitätskapazitäten, um die Netzstabilität zu gewährleisten.
Hintergrundinformationen
Großbatteriespeicher sind entscheidend, um Schwankungen bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen wie Wind- und Solarenergie auszugleichen. Sie speichern überschüssige Energie und geben sie bei Bedarf wieder ab, was die Netzstabilität erhöht und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduziert.
Gresham House und Eelpower erweitern Portfolios
Der Gresham House Energy Storage Fund (GRID) hat eine Vereinbarung zur bedingten Übernahme eines 480MW Batteriespeichersystems in der Nähe von Rayleigh, Essex, unterzeichnet. Die Übernahme hängt von einem positiven "Gate 2"-Anschlussangebot ab, das zwischen September 2026 und Januar 2027 erwartet wird. Nach Abschluss wäre dies das größte BESS-Projekt im Portfolio des Fonds, sowohl operativ als auch in Entwicklung. Aktuell ist das größte operative BESS des Fonds das 100MW Melksham-Projekt.
Ben Guest, Manager bei GRID und Geschäftsführer der Energy Transition Division von Gresham House Asset Management, äußerte sich begeistert:
„Rayleigh ist ein spannendes Projekt für GRID, sowohl hinsichtlich seiner schieren Größe als auch seiner strategischen Lage und der potenziellen Investitionsrenditen.“
Auch der britische Batteriespeicherentwickler Eelpower Energy hat das 50MW/100MWh Stoneworthy BESS-Projekt in Devon von Renewable Energy Systems (RES) erworben. Das Projekt, südlich der Umspannstation Pyworthy gelegen, soll 2027 mit dem Bau beginnen und 2028 den kommerziellen Betrieb aufnehmen. Eelpower Energy strebt in den kommenden Jahren über 1GW an netzgebundenen Batteriespeichern an. Mark Simon, CEO von Eelpower Energy, hob die Bedeutung der Akquisition hervor:
„Stoneworthy ist eine wichtige Akquisition und eine starke Ergänzung unseres wachsenden Batteriespeicherportfolios.“
Die Rolle von Speichersystemen in der Energiezukunft
Großbatteriespeichersysteme sind unverzichtbar für die Energiewende. Sie helfen, Netzengpässe zu managen, die Abregelung erneuerbarer Energien zu reduzieren und die Systemstabilität zu unterstützen. Besonders in Regionen mit hoher erneuerbarer Erzeugung und Übertragungsbeschränkungen, wie beispielsweise an den Netzgrenzen B6 und B4 in Schottland, sind solche Projekte von entscheidender Bedeutung.
Die jüngsten Transaktionen zeigen, dass der Markt für Energiespeicher im Vereinigten Königreich reift. Investitionen fließen in Projekte, die nicht nur die Speicherkapazität erhöhen, sondern auch die Integration erneuerbarer Energien erleichtern und die Zuverlässigkeit des Stromnetzes verbessern. Diese Entwicklung ist ein klares Zeichen für das Engagement Großbritanniens, seine Netto-Null-Ziele zu erreichen.





