Das britische National Energy System Operator (NESO) hat eine umfassende Reform seines Netzanschlussprozesses abgeschlossen. Diese Neuerung ermöglicht es, bis zu 283 Gigawatt (GW) an Energieprojekten bis 2035 Netzanschlüsse anzubieten. Die ersten Ergebnisse der überarbeiteten Methodik wurden gestern bekannt gegeben und sollen den Ausbau erneuerbarer Energien erheblich vorantreiben.
Vor dieser Reform war der Rückstau an Projekten, die auf einen Netzanschluss warteten, auf rund 722 GW angewachsen. Diese Kapazität überstieg den Bedarf zur Erreichung der Regierungsziele für erneuerbare Energien um das Vierfache. Die neue Struktur soll diesen Engpass nun auflösen und eine schnellere Integration neuer Energiequellen ermöglichen.
Wichtige Erkenntnisse
- NESO vergibt Netzanschlüsse für 283 GW an Projekten bis 2035.
- 132 GW erhalten einen Anschluss vor 2030 (Gate 2 Phase 1).
- Batteriespeicherprojekte sehen sich einem Angebotsüberhang von 62 GW gegenüber.
- Langzeitenergiespeicher sind bis 2035 vollständig ausgelastet.
- Die Reform wird als 'schmerzhaft, aber notwendig' beschrieben.
Neues System für Netzanschlüsse: Gate 1 und Gate 2
Das reformierte Verfahren des NESO teilt Projekte in zwei Hauptkategorien ein: Gate 1 und Gate 2. Projekte, die unter Gate 2 fallen, erhalten ein konkretes Anschlussdatum bis spätestens 2035. Diese Kategorie ist weiter in zwei Phasen unterteilt.
Die Phase 1 von Gate 2 umfasst Projekte, die einen Netzanschluss vor 2030 erhalten. Insgesamt sind dies 132 GW. Dieses Datum ist entscheidend, da die Regierung anstrebt, das britische Energiesystem bis dahin nahezu vollständig mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Erdgas soll dann hauptsächlich zur Netzstabilität dienen, wie es die „Clean Power 2030“-Pläne vorsehen.
Für die Phase 2 von Gate 2 sind 151 GW an Projekten vorgesehen, die bis 2035 angeschlossen werden. Zusätzlich wurden 216 GW an Projekten als Gate 1 eingestuft. Diese Projekte werden vorerst zurückgestellt und erhalten nur dann einen Anschluss, wenn Kapazitäten aus Gate 2 frei werden, etwa durch den Rückzug anderer Projekte.
Faktencheck: Kapazitätsverteilung
- Gesamtangebote: 283 GW
- Vor 2030 (Gate 2 Phase 1): 132 GW
- 2030-2035 (Gate 2 Phase 2): 151 GW
- Gate 1 (zurückgestellt): 216 GW
Herausforderungen für Batteriespeicher und Langzeitenergiespeicher
Die neue Methodik des NESO wurde genau geprüft. Viele Entwickler äußerten Bedenken, dass der Prozess überhastet durchgeführt wurde. Es war jedoch allgemein bekannt, dass es bei der Vergabe der begehrten Anschlusskapazitäten „Gewinner und Verlierer“ geben würde.
Besonders betroffen sind Entwickler von Batteriespeichersystemen (BESS). Insgesamt wurden 83 GW an BESS-Projekten Gate 2-Angebote unterbreitet. Bis 2035 wird jedoch ein Überangebot von 62 GW erwartet. Von den Gate 2-Angeboten werden 33 GW in Phase 1 vor 2030 angeschlossen.
Hintergrund: Hohes Interesse an BESS
Aufgrund des sehr hohen Volumens an potenziellen Batteriespeichersystemen, die für Netzanschlüsse angemeldet wurden, erhalten nur Projekte mit 'geschütztem' Status Angebote. Dies betrifft Projekte, die vor der Umstrukturierung der Anschlusswarteschlange bereits weit fortgeschritten waren und ihre ursprünglich zugewiesenen Anschlussdaten behalten.
Das bedeutet, dass 153 GW an BESS-Projekten nicht „priorisiert“ wurden. Sie erhielten entweder Gate 1-Angebote oder wurden komplett aus dem Prozess genommen. Es ist unwahrscheinlich, dass zwischen jetzt und 2035 Kapazitäten für neue BESS-Projekte zum Anschluss zur Verfügung stehen werden. Einige geschützte Projekte wurden zwar auf ein späteres Datum verschoben, gelten aber weiterhin als priorisiert.
„Die Reformen sind schmerzhaft, aber notwendig“, so ein Sprecher von Solar Energy UK, dem Fachverband für den Solar- und Energiespeichersektor. Diese Einschätzung spiegelt die gemischten Gefühle in der Branche wider.
Auch Langzeitenergiespeicher (LDES) sind bis 2035 vollständig ausgelastet. Die Angebote basierten hier teilweise auf dem Zeitpunkt der Antragstellung, wobei frühere Anträge Vorrang hatten. 5,6 GW an LDES-Projekten wurden nicht priorisiert.
Nächste Schritte und Einspruchsmöglichkeiten
Das nächste Fenster für Gate 2-Anschlüsse soll frühestens im zweiten Quartal des kommenden Jahres öffnen. Entwickler haben ein 90-tägiges Zeitfenster, um auf Übertragungsanschlussangebote zu reagieren. Für Anschlussangebote auf Verteilnetzebene, die in den nächsten Tagen von den Verteilnetzbetreibern herausgegeben werden, kann die Frist kürzer sein.
Entwickler wurden zudem dringend aufgefordert, die Ergebnisse so schnell wie möglich anzufechten. Dies sollte jedoch nur mit evidenzbasierten Daten geschehen oder wenn sie einen Prozessfehler vermuten. Eine sorgfältige Prüfung der individuellen Angebote ist daher unerlässlich.
Die Bedeutung der Reform für die Energiewende
Trotz der Herausforderungen und der Enttäuschung für einige Entwickler ist die Reform ein wichtiger Schritt, um die ehrgeizigen Klimaziele Großbritanniens zu erreichen. Ein effizienteres Netzanschlusssystem ist entscheidend für den Ausbau erneuerbarer Energien und die Transformation des Energiesektors. Die Vereinfachung des Prozesses und die klare Zeitplanung sollen Investitionen anziehen und die Umsetzung von Projekten beschleunigen.
Die britische Regierung setzt auf eine schnelle Dekarbonisierung des Stromnetzes. Die aktuellen Maßnahmen des NESO sind ein direktes Ergebnis dieser politischen Bestrebungen. Die langfristigen Auswirkungen auf die Energiesicherheit und die Erreichung der Netto-Null-Emissionen werden sich in den kommenden Jahren zeigen.
- Nächste Antragsrunde: Frühestens Q2 nächstes Jahr
- Reaktionsfrist: 90 Tage für Übertragungsanschlüsse
- Einspruch: Nur mit evidenzbasierten Daten oder bei Prozessfehlern





