In Finnland entsteht derzeit ein wegweisendes Energieprojekt: Die größte Sandbatterie Europas wird in Vääksy gebaut. Dieses innovative Wärmespeichersystem, entwickelt von Polar Night Energy in Zusammenarbeit mit Lahti Energia, soll die Fernwärmeversorgung revolutionieren und den Ausstoß fossiler Brennstoffe erheblich reduzieren. Mit einer Speicherkapazität von 250 MWh und einer Heizleistung von 2 MW stellt das Projekt einen bedeutenden Schritt in Richtung nachhaltiger Energieversorgung dar.
Wichtige Fakten
- Größte Sandbatterie Europas entsteht in Vääksy, Finnland.
- Speicherkapazität von 250 MWh und 2 MW Heizleistung.
- Reduziert fossile Emissionen im Fernwärmenetz um etwa 60%.
- Einsatz von lokal verfügbarem Natursand als Speichermedium.
- Projektstart Anfang 2026, Fertigstellung im Sommer 2027.
Ein Meilenstein für die Energiewende
Das Projekt in Vääksy ist nicht nur ein lokales Vorhaben, sondern ein europaweites Signal für die Möglichkeiten grüner Technologien. Die Sandbatterie speichert Wärmeenergie in großen Mengen, die dann bei Bedarf in das Fernwärmenetz eingespeist wird. Dies ermöglicht eine effizientere Nutzung erneuerbarer Energien und verringert die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.
Die Technologie von Polar Night Energy basiert auf einem einfachen Prinzip: Elektrischer Strom wird genutzt, um Sand oder ein ähnliches festes Material auf hohe Temperaturen zu erhitzen. Diese Wärme wird dann gespeichert und bei Bedarf wieder abgegeben, beispielsweise für industrielle Prozesse oder die Beheizung von Gebäuden. Das System in Vääksy ist mit einer Speicherkapazität von 250 MWh und einer Heizleistung von 2 MW konzipiert. Es handelt sich um ein Langzeitsystem, das Wärme für bis zu 125 Stunden bereitstellen kann.
Zahlen und Fakten zur Sandbatterie
- Heizleistung: 2 Megawatt (MW)
- Speicherkapazität: 250 Megawattstunden (MWh)
- Speicherdauer: Bis zu 125 Stunden
- Emissionsreduktion: Etwa 60% jährlich im Fernwärmenetz
- Reduktion von Erdgas: 80%
Nachhaltigkeit im Fokus: Weniger fossile Brennstoffe
Die Auswirkungen auf die Umwelt sind erheblich. Durch den Einsatz der Sandbatterie wird der Verbrauch von Erdgas im Fernwärmenetz von Vääksy um 80 Prozent gesenkt. Auch der Verbrauch von Holzspänen, die ebenfalls als Brennstoff dienen, wird reduziert. Insgesamt führt dies zu einer jährlichen Reduktion der fossilen Emissionen um etwa 60 Prozent.
Dieses Projekt ist ein klares Beispiel dafür, wie innovative Speicherlösungen dazu beitragen können, die Klimaziele zu erreichen. Die Nutzung von lokal verfügbarem Natursand als Speichermedium unterstreicht zudem den regionalen und nachhaltigen Ansatz des Vorhabens. Der Speicherturm wird beeindruckende 14 Meter hoch und 15 Meter breit sein.
„Wir möchten unseren Kunden eine erschwingliche Fernwärme anbieten und erneuerbare Energien in unserer Wärmeproduktion nutzen. Die Größe dieser Sandbatterie ermöglicht es uns auch, an den Reserve- und Netzstabilisierungsmärkten von Fingrid teilzunehmen. Da der Anteil wetterabhängiger Energie im Netz wächst, wird die Sandbatterie dazu beitragen, das Gleichgewicht zwischen Stromangebot und -nachfrage herzustellen“, so Jouni Haikarainen, CEO von Lahti Energia.
Integration in das finnische Stromnetz
Ein weiterer entscheidender Vorteil der Sandbatterie ist ihre Fähigkeit, am finnischen Strommarkt teilzunehmen. Sie ist groß genug, um an den Reserve- und Netzstabilisierungsmärkten von Fingrid, dem finnischen Übertragungsnetzbetreiber, mitzuwirken. Dies ist besonders wichtig, da der Anteil wetterabhängiger erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarenergie im Netz stetig zunimmt.
Die Sandbatterie kann überschüssigen Strom speichern, wenn dieser im Überfluss vorhanden ist, und die gespeicherte Wärme bei Bedarf wieder abgeben. Dies trägt zur Stabilisierung des Stromnetzes bei und hilft, Schwankungen in der Stromerzeugung auszugleichen. Dadurch wird die Integration erneuerbarer Energien in das Gesamtsystem erleichtert und die Versorgungssicherheit erhöht.
Hintergrund: Die erste Sandbatterie
Das aktuelle Projekt in Vääksy baut auf den Erfahrungen einer kleineren Sandbatterie auf, die Polar Night Energy bereits im Sommer in Betrieb genommen hat. Diese Anlage mit einer Leistung von 1 MW und einer Speicherkapazität von 100 MWh wurde für das Versorgungsunternehmen Loviisan Lämpö realisiert. Als Speichermedium kam dort Speckstein zum Einsatz, ein Nebenprodukt der Keramikproduktion. Das neue Projekt in Vääksy ist jedoch deutlich größer und wird Natursand verwenden.
Zeitplan und Finanzierung
Polar Night Energy wird als Hauptauftragnehmer für den Bau des Projekts fungieren. Die Arbeiten vor Ort sollen Anfang 2026 beginnen. Die Fertigstellung der Sandbatterie ist für den Sommer 2027 geplant. Das Projekt wird zudem von staatlicher Seite unterstützt: Lahti Energia erhielt einen Zuschuss von Business Finland, einer staatlichen Organisation, die Innovationen und Export fördert.
Diese Finanzierung unterstreicht die nationale Bedeutung des Projekts und das Engagement Finnlands für eine nachhaltige Energiezukunft. Die Zusammenarbeit zwischen einem innovativen Technologieunternehmen und einem etablierten Versorgungsunternehmen zeigt, wie private und öffentliche Akteure gemeinsam an der Energiewende arbeiten können.
Die Rolle von Sand als Speichermedium
Sand ist ein ideales Speichermedium für thermische Energie. Er ist kostengünstig, leicht verfügbar und chemisch stabil, selbst bei hohen Temperaturen. Im Gegensatz zu Batterien, die elektrische Energie speichern, konzentrieren sich Sandbatterien auf die Speicherung von Wärme. Diese Wärme kann dann direkt für Heizsysteme genutzt oder in Strom umgewandelt werden, auch wenn die primäre Anwendung hier die Fernwärmeversorgung ist.
Die Fähigkeit, Wärme über lange Zeiträume zu speichern, macht Sandbatterien zu einer vielversprechenden Technologie für die saisonale Speicherung von Energie, insbesondere in Regionen mit kalten Wintern wie Finnland.
Ausblick auf die Energiezukunft
Das Projekt in Vääksy ist ein klares Zeichen dafür, dass Finnland eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung und Implementierung innovativer Energielösungen einnimmt. Es zeigt, wie durch den Einsatz neuer Technologien fossile Brennstoffe reduziert und gleichzeitig die Stabilität der Stromnetze verbessert werden können. Die europäische Energielandschaft könnte von solchen Projekten in Zukunft erheblich profitieren, indem sie einen Pfad zu einer kohlenstoffneutralen Wärmeversorgung aufzeigen.
Mit der Fertigstellung im Jahr 2027 wird die Sandbatterie in Vääksy nicht nur das größte ihrer Art sein, sondern auch ein Modell für andere Regionen, die ihre Energieversorgung nachhaltiger gestalten wollen. Die Kombination aus erneuerbaren Energien, effizienter Speicherung und Netzintegration ist entscheidend für die Gestaltung einer grünen Zukunft.





