Die europäische Landschaft der Batteriespeichersysteme (BESS) erlebt einen bemerkenswerten Aufschwung. Frankreich und Spanien haben kürzlich die größten Projekte ihrer Länder in Betrieb genommen. Gleichzeitig beginnen in Belgien, Italien und Deutschland neue Bauvorhaben, die Europas Energieinfrastruktur stärken.
Wichtige Erkenntnisse
- Frankreich nimmt mit 240MW/480MWh das größte BESS-Projekt in Betrieb.
- Spanien weiht sein bisher größtes BESS-System (58MW/120MWh) ein.
- Belgien, Italien und Deutschland starten den Bau neuer Speicherprojekte.
- Regulierungsmechanismen und Kapazitätsmärkte treiben Investitionen an.
- Die Integration erneuerbarer Energien wird durch Speicherlösungen verbessert.
Frankreichs größtes Batteriespeichersystem geht ans Netz
In Frankreich hat das Unternehmen TagEnergy zusammen mit der Banque des Territoires ein wegweisendes Batteriespeichersystem in Betrieb genommen. Das Projekt in Cernay-lès-Reims erreicht eine Kapazität von 240 Megawatt (MW) und 480 Megawattstunden (MWh). Es ist das erste Projekt von TagEnergy in Frankreich und übertrifft das bisher größte Chevire BESS (100MW/200MWh) deutlich.
Für das System kommen Tesla Megapacks zum Einsatz. Weitere Partner sind der Übertragungsnetzbetreiber Réseau de Transport d’Électricité (RTE), SICAE EST sowie lokale Behörden. Die Inbetriebnahme markiert einen wichtigen Schritt für die französische Energiewende.
Faktencheck Frankreich
- Kapazität: 240 MW / 480 MWh
- Standort: Cernay-lès-Reims
- Technologie: Tesla Megapacks
- Bedeutung: Größtes BESS-Projekt des Landes
Die Aktivität im Bereich großflächiger Batteriespeicher hat in Frankreich im letzten Jahr stark zugenommen. Dies liegt an den großen Möglichkeiten im Bereich der Netzdienstleistungen und der Netzstabilisierung. Unternehmen wie Neoen, Engie und Harmony Energy haben kürzlich mit dem Bau von Projekten mit einer Gesamtkapazität von fast 1 GWh begonnen.
Spanien stärkt Netzstabilität mit Großspeicher
Auch Spanien verzeichnet Fortschritte. Das Energieunternehmen Iberdrola hat sein bisher größtes BESS-Projekt eingeweiht. Das System mit 58 MW und 120 MWh befindet sich am Solarkomplex Campo Arañuelo in Cáceres. Es handelt sich um zwei separate BESS-Projekte, die mit den Solaranlagen Campo Arañuelo I und II verbunden sind.
Die Rolle von BESS für die Netzstabilität Spaniens wurde besonders nach dem iberischen Blackout im April 2025 deutlich. Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass Spanien massiv in diese Technologie investiert. Erst vor wenigen Tagen wurde eine Großbestellung von 1,5 GWh CATL-Speichern durch Grenergy für zwei spanische Projekte bekannt gegeben.
„Die Integration von Batteriespeichersystemen ist entscheidend für die zuverlässige Versorgung und die Nutzung erneuerbarer Energien. Wir sehen eine klare Dynamik in ganz Europa.“
Hintergrund Spanien
Im Januar 2024 startete Iberdrola den Bau eines Portfolios von Energiespeicherprojekten. Vier davon wurden im Rahmen der PERTE-Ausschreibung mit Fördermitteln ausgezeichnet. Diese Ausschreibung sollte den Großspeichermarkt in Spanien ankurbeln und umfasste insgesamt 1,9 GWh an Projekten.
Neue Bauprojekte in Belgien, Italien und Deutschland
Belgien: Engie setzt auf Langzeitverträge
In Belgien hat Engie zusammen mit seinem BESS-Lieferanten NHOA Energy den Grundstein für ein 320 MWh BESS-Projekt gelegt. Das Projekt entsteht am Engie-Kraftwerk Drogenbos nahe Brüssel. Es profitiert von einem 15-jährigen Umsatzvertrag im Rahmen der fünften Kapazitätsvergütungsmechanismus (CRM)-Auktion Belgiens.
Belgien gehört zu den Vorreitern in Kontinentaleuropa im Bereich Energiespeicher. Dies liegt an den langfristigen Einnahmen aus dem CRM und einem günstigen regulatorischen Umfeld, einschließlich der Befreiung von Netznutzungsentgelten für das Laden und Entladen. Diese Befreiung wird jedoch für Projekte, die nach dem 1. April 2026 einen Netzanschlussvertrag unterzeichnen, schrittweise aufgehoben.
Italien: Qualitas Energy finanziert zwei Großprojekte
In Italien finanziert Qualitas Energy zwei von ACL Energy entwickelte BESS-Projekte. Der Qualitas Energy Credit Fund stellt die Minderheitsbeteiligung bereit. Die beiden Projekte haben eine Gesamtleistung von 211 MW und sind auf Speicherdauern von vier bzw. acht Stunden ausgelegt. Sie befinden sich in den Regionen Lombardei und Apulien.
Die Projekte profitieren von langfristigen Umsatzverträgen über den Kapazitätsmarkt (CM) und die MACSE-Auktionen. Der Abschluss der MACSE-Auktion im September hat den Großspeichermarkt in Italien in Gang gesetzt und bietet langfristige Einnahmen für die Gewinner.
- Projekt Lombardei: Fokus auf Kapazitätsmarkt
- Projekt Apulien: Teilnahme an MACSE-Auktionen
Deutschland: Chint Solar und Nordic Solar aktiv
Auch in Deutschland gibt es Fortschritte bei kleineren Projekten. Chint Solar Europe hat mit dem Bau eines 12 MW / 40 MWh BESS in Weißenfels begonnen. Die Inbetriebnahme wird in Kürze erwartet. Eine zweite Phase zur Verdopplung der Größe ist für 2027 geplant. Chint plant bis 2030 insgesamt 40 Projekte in Deutschland.
Der dänische Entwickler Nordic Solar hat ein 11 MW / 22 MWh Projekt in Tiste, Niedersachsen, in Betrieb genommen. Diese Projekte zeigen das wachsende Engagement deutscher und internationaler Akteure im deutschen Energiespeichermarkt.
Die europaweite Entwicklung von Batteriespeichersystemen ist ein klares Zeichen für das Engagement des Kontinents, die Energiewende voranzutreiben und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die zunehmende Anzahl und Größe der Projekte unterstreicht die Bedeutung dieser Technologie für die Integration erneuerbarer Energien und die Stärkung der Netze.





