Die installierte Energiespeicherkapazität in Europa hat im zweiten Quartal dieses Jahres die Kapazität der Kernkraftwerke übertroffen. Dies geht aus einem neuen Bericht der Handelsorganisation Energy Storage Europe hervor. Ein Rekord von 13,5 GW/26,4 GWh an neuen elektrochemischen Speichern wurde im Jahr 2025 in Betrieb genommen. Die kumulierten Installationen in den Bereichen Wohnen, Gewerbe, Industrie und Versorgungsunternehmen überschritten bereits im dritten Quartal des Vorjahres die Marke von 100 GW.
Wichtige Erkenntnisse
- Die europäische Energiespeicherkapazität hat 105 GW Kernkraft übertroffen.
- Im Jahr 2025 wurden 13,5 GW/26,4 GWh neue Speicher installiert.
- Lithium-Ionen-Batterien dominieren den elektrochemischen Speichermarkt.
- Deutschland, Italien und Großbritannien sind die führenden Märkte.
- Die Prognosen für 2030 wurden deutlich nach oben korrigiert.
Ein Meilenstein in der europäischen Energielandschaft
Europa beendete das Jahr 2025 mit einer kumulierten Energiespeicherkapazität von 102,7 GW. Durch die anhaltende Aktivität in diesem Jahr konnte die Speicherkapazität die rund 105 GW starke europäische Kernkraftflotte überholen. Dies markiert einen entscheidenden Wandel in der Energieinfrastruktur des Kontinents.
Der neue, zehnte Jahresbericht des European Market Monitor on Energy Storage (EMMES) wurde von Energy Storage Europe und dem Energieberatungsunternehmen LCP Delta veröffentlicht. Er bietet einen umfassenden Überblick über die Marktaktivitäten in den EU-Mitgliedstaaten, Großbritannien, der Schweiz und Norwegen, einschließlich der installierten Kapazität und der für 2026 geplanten Projekte. Der Bericht enthält auch Prognosen bis zum Jahr 2030.
Faktencheck: Speicherkapazität
- Kumulierte Speicher Ende 2025: 102,7 GW
- Kernkraftkapazität Europa: ~105 GW
- Neue Installationen 2025: 13,5 GW/26,4 GWh
Technologien im Fokus
Rund die Hälfte der installierten Kapazität in Europa (53,3 GW) bestand Ende letzten Jahres aus traditionellen Pumpspeicherkraftwerken (PHES). Der Rest entfiel fast vollständig auf elektrochemische Speicher (48,7 GW). Davon machen Lithium-Ionen-Batterien den größten Anteil aus. Daneben gab es etwa 400 MW an groß angelegten thermischen Energiespeichern (TES) und 300 MW an 'anderen' Technologien.
Marktentwicklung und Prognosen
Bereits im letzten Jahr, mit der Veröffentlichung von EMMES 9.0 im März 2025, wurde festgestellt, dass im Jahr 2024 insgesamt 11,9 GW/21,1 GWh installiert wurden. Dies war das erste Mal, dass sowohl Europa als auch die USA in einem einzigen Kalenderjahr mehr als 10 GW installierten.
Der europäische Markt unterscheidet sich von dem der USA. Hier führt das Segment der Heimspeicher ('behind-the-meter', BTM) den Markt für neu installierte Kapazitäten an. Dicht gefolgt wird es von Batteriespeichersystemen ('front-of-the-meter', FTM) im Versorgungsmaßstab. In den USA hingegen dominieren die FTM-Installationen die BTM-Systeme deutlich. Im Jahr 2024 übertrafen in Europa die FTM-Kapazitätszuwächse erstmals die BTM-Installationen, dieser Trend kehrte sich jedoch im letzten Jahr wieder um.
„Der Markt tritt in eine neue Phase ein. Das Überschreiten von 100 GW installierter Kapazität ist ein großer Erfolg, aber die größte Chance liegt noch vor uns.“
Jacopo Tosoni, Leiter Politik und stellvertretender Generalsekretär von Energy Storage Europe
Hintergrund: Smarter E Konferenz
Der Bericht wurde pünktlich zur Smarter E Konferenz und Messe in München veröffentlicht. Diese Veranstaltung umfasst auch den Bereich ees Europe für Energiespeicher und bringt viele Akteure der europäischen Industrie zusammen.
Führende Märkte und zukünftiges Wachstum
Die drei führenden Märkte in Europa sind Deutschland, Italien und Großbritannien. Jedes dieser Länder verfügt über mehr als 10 GW Speicherkapazität. Spanien, Frankreich und Polen folgen mit jeweils 5 GW bis 10 GW installierter Kapazität.
Energy Storage Europe und LCP Delta haben ihre Prognose für das Jahr 2030 aufgrund der erhöhten Marktaktivität nach oben korrigiert. Sie prognostizieren nun zusätzliche Installationen von 153 GW/485 GWh bis zum Ende dieses Jahrzehnts. Im Frühjahr 2025, in EMMES 9.0, wurden noch 128 GW/300 GWh bis 2030 prognostiziert. Dies zeigt das enorme Vertrauen in das weitere Wachstum des Sektors.
Potenzial noch nicht ausgeschöpft
Trotz der positiven Nachrichten über die aktuelle Installationsrate und das prognostizierte Wachstum bis 2030 betonen die Autoren des Berichts, dass das volle Potenzial der Energiespeicherung in keinem europäischen Land bisher ausgeschöpft wurde.
Jacopo Tosoni von Energy Storage Europe unterstreicht die Notwendigkeit weiterer Anstrengungen: „Kein europäisches Land hat sein Speicherpotenzial bisher erreicht, während Elektrifizierung, der Ausbau erneuerbarer Energien und die Systemanforderungen weiter zunehmen."
Um dieses Wachstum zu ermöglichen, muss Europa sicherstellen, dass Speicher auf allen Strommärkten gleichberechtigt konkurrieren können. Klare Investitionssignale, ein technologieneutrales Marktdesign, schnellere Genehmigungsverfahren und Netzanschlüsse sowie ein besserer Zugang zu Flexibilitäts-, Stabilitäts- und Kapazitätsmechanismen sind entscheidend, um die erforderlichen Speichermengen für Europas zukünftiges Energiesystem bereitzustellen. Dies wird die Energiewende maßgeblich vorantreiben.
- Deutschland: Über 10 GW
- Italien: Über 10 GW
- Großbritannien: Über 10 GW
- Spanien: 5-10 GW
- Frankreich: 5-10 GW
- Polen: 5-10 GW





