Engie North America hat überraschend die Prüfung seines Compass Energiespeicherprojekts in Orange County, Kalifornien, durch die California Energy Commission (CEC) ausgesetzt. Das Unternehmen plant, alternative Standorte zu prüfen. Die Entscheidung kommt kurz vor einer erwarteten finalen Genehmigung durch die CEC, die das Projekt seit acht Monaten im Rahmen ihres Zertifizierungsprogramms bewertet.
Wichtige Erkenntnisse
- Engie stoppt das Compass Energiespeicherprojekt zur Standortprüfung.
- Lokaler Widerstand gegen den ursprünglichen Standort war erheblich.
- Wirtschaftliche Aspekte und Marktveränderungen beeinflussten die Entscheidung.
- Die CEC hatte eine Entscheidung für den 25. Januar 2026 erwartet.
- Engie bleibt dem Ausbau von Energiespeicherlösungen in Kalifornien verpflichtet.
Antrag auf Aussetzung kurz vor Entscheidung
Die Direktorin für Genehmigungen und Planung bei Engie North America, Renée Louise Robin, reichte am 22. Dezember einen Brief bei der staatlichen Regulierungsbehörde ein. Darin bat sie um die Aussetzung der Bearbeitung des Antrags. Dies soll Engie genügend Zeit geben, um alternative Standorte zu bewerten.
Die CEC hatte Engies Antrag im Mai 2025 als vollständig eingestuft. Dies löste eine 270-tägige Frist für die Genehmigung oder Ablehnung des Vorschlags aus. Eine Entscheidung war für den 25. Januar 2026 erwartet worden. Engies jüngster Antrag wirft diesen Zeitplan nun über den Haufen.
Faktencheck: Projekt-Historie
- September 2022: Broad Reach Power (BRP) reicht Umwidmungsantrag ein.
- 2023: Engie erwirbt BRP und alle Vermögenswerte.
- Februar 2024: Engie zieht Umwidmungsantrag zurück.
- Kurz danach: Engie reicht Opt-in-Antrag bei der CEC ein.
- Mai 2025: CEC beginnt mit der Prüfung des Projekts.
- 22. Dezember 2025: Engie beantragt Aussetzung der Prüfung.
Starker Widerstand der Anwohner
Das Projekt stieß seit seiner Einführung im September 2022 auf starken Widerstand der Anwohner. Die Stadt San Juan Capistrano und die weitere Region Orange County äußerten Bedenken. Der frühere Eigentümer Broad Reach Power (BRP) hatte damals einen Umwidmungsantrag bei den Stadtbeamten eingereicht.
Dieser Antrag, der zu einer bedingten Nutzungsgenehmigung hätte führen können, wurde von den Beamten abgelehnt und im Februar 2024 von Engie zurückgezogen. Dies geschah, nachdem Engie BRP und dessen Vermögenswerte im Jahr 2023 übernommen hatte.
„Diese Anfrage wird zu diesem Zeitpunkt gestellt, weil bestimmte kommerzielle Aspekte des aktuellen Standorts die wirtschaftliche Rentabilität des Projekts beeinflusst haben.“
– Engie in ihrem Brief an die CEC
Kritik am Genehmigungsprozess
Nach dem Rückzug des lokalen Antrags reichte Engie einen Opt-in-Antrag bei der CEC ein. Dies verärgerte die Gegner des Projekts. Sie warfen dem Unternehmen vor, die lokale Meinung umgehen zu wollen, indem es einen staatlichen Genehmigungsprozess suchte.
Die Bedenken der Anwohner konzentrieren sich auf den Standort des Projekts. Gegner behaupten, dieser sei wegen des umgebenden Waldbrandrisikos problematisch. Die Online-Akte der CEC für das Projekt verzeichnete fast 2.000 Kommentare der Öffentlichkeit, die meisten davon waren ablehnend.
Hintergrund: Das Opt-in-Programm der CEC
Das Opt-in-Zertifizierungsprogramm der California Energy Commission (CEC) ermöglicht es Energieprojekten, eine staatliche Genehmigung zu erhalten. Dies kann den Genehmigungsprozess beschleunigen und über lokale Zustimmungen hinweghelfen. Es ist für Projekte gedacht, die eine überregionale Bedeutung haben. Allerdings führt dieser Ansatz oft zu Spannungen mit lokalen Gemeinden, die ihre Mitspracherechte eingeschränkt sehen.
Wirtschaftliche Faktoren und Marktveränderungen
Engie begründete seinen Antrag auf Aussetzung mit „bestimmten kommerziellen Aspekten des aktuellen Standorts“ und „Marktveränderungen“. Diese Faktoren hätten die wirtschaftliche Rentabilität des Projekts beeinflusst.
Anstatt von vorne zu beginnen, arbeitet Engie nun daran, einen alternativen Standort zu finden. Dabei möchte das Unternehmen seine bestehende Übertragungsposition nutzen. Die CEC hat gemäß Assembly Bill (AB) 205 „erhebliche Befugnisse“, die 270-Tage-Frist aus verschiedenen Gründen zu verlängern. Dazu gehören wesentliche Änderungen am Projekt, neue Informationen oder ein einfacher Antrag des Projektbetreibers.
Engies Engagement für Kalifornien
Trotz der Aussetzung des Compass-Projekts bekräftigt Engie sein Engagement für den Ausbau sauberer Energielösungen in Kalifornien. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte, dass Engie weiterhin mit lokalen Behörden und der CEC zusammenarbeiten werde, um zuverlässige, erschwingliche und sichere Stromlösungen voranzutreiben.
Engie hat derzeit mehr als 20 Batteriespeicherprojekte im Versorgungsmaßstab und über 6,25 Gigawatt an Solar- und Speicherprojekten in Kalifornien in aktiver Entwicklung. Zudem sind 250 Megawatt an eigenständigen Batteriespeichersystemen (BESS) in Betrieb oder im Bau.
- Mehr als 20 Batteriespeicherprojekte im Versorgungsmaßstab.
- Über 6,25 Gigawatt Solar- und Speicherprojekte in Entwicklung.
- 250 Megawatt eigenständige BESS in Betrieb oder Bau.
Diese Projekte unterstützen Kaliforniens langfristiges Ziel, bis 2045 über 45 Gigawatt Energiespeicher zu installieren. Engie betont, dass sie ihre Projekte mit einer langfristigen Perspektive und Verantwortung gegenüber ihren Partnern entwickeln, bauen und betreiben.
Es bleibt abzuwarten, wie die CEC auf Engies Antrag reagieren wird. Das Compass-Projekt ist eines der ersten, das diese letzte Phase des Opt-in-Zertifizierungsprozesses erreicht hat. Die Länge einer möglichen Verlängerung liegt im Ermessen der Energieregulierungsbehörde.





