Ab Juni 2026 dürfen Hausbesitzer und Nachbarn in Deutschland ihren selbst erzeugten Solarstrom direkt miteinander teilen. Eine neue gesetzliche Regelung macht es möglich, Photovoltaikanlagen rentabler zu betreiben und gleichzeitig Nachbarn ohne eigene Anlage Zugang zu günstigem, lokalem Strom zu verschaffen. Dies markiert einen wichtigen Schritt in der dezentralen Energiewende und stärkt die Unabhängigkeit von externen Stromanbietern.
Wichtige Punkte
- Ab Juni 2026 ist Energy Sharing in Deutschland erlaubt.
- Solarstrom kann direkt an Nachbarn verkauft oder geteilt werden.
- Die Rentabilität von PV-Anlagen steigt für Anlagenbesitzer.
- Nachbarn ohne eigene Anlage erhalten Zugang zu günstigem Grünstrom.
- Smart Meter sind eine Voraussetzung für die Teilnahme.
Neues Gesetz stärkt lokale Stromversorgung
Der Bundestag hat im November 2025 die Weichen für das sogenannte Energy Sharing gestellt. Diese neue Regelung erlaubt es ab Juni 2026, dass sich Nachbarschaften, Hausgemeinschaften oder Freundeskreise zu offiziellen Stromgemeinschaften zusammenschließen. Sie können dann ihren Solarstrom direkt gemeinsam nutzen. Das bedeutet, dass der überschüssige Strom einer PV-Anlage nicht mehr nur ins öffentliche Netz eingespeist, sondern direkt an Verbraucher in der Nähe abgegeben werden kann.
Bisher war es kompliziert, Solarstrom direkt an Nachbarn weiterzugeben. Die neuen Regeln vereinfachen diesen Prozess erheblich. Sie schaffen eine rechtliche Grundlage, die es ermöglicht, Strom innerhalb einer Gemeinschaft zu verteilen, ohne den Umweg über teure Stromanbieter.
„Die Möglichkeit, Solarstrom direkt in der Nachbarschaft zu teilen, ist ein Meilenstein für die Energiewende. Sie fördert nicht nur die Nutzung erneuerbarer Energien, sondern stärkt auch den Gemeinschaftssinn und die lokale Wertschöpfung.“
Faktencheck Energy Sharing
- Starttermin: Juni 2026
- Voraussetzung: Abschluss eines Energieliefervertrags und eines gemeinsamen Vertrags zwischen Anlagenbetreiber und Nutzern.
- Technik: Smart Meter (intelligente Messsysteme) sind in allen beteiligten Haushalten erforderlich.
- Reststromversorgung: Bei geringer PV-Produktion erfolgt die Versorgung durch einen selbst gewählten Reststromlieferanten.
Höhere Rentabilität für Photovoltaikanlagen
Für Besitzer von Photovoltaikanlagen bringt das Energy Sharing spürbare Vorteile. Statt den überschüssigen Strom für eine geringe Einspeisevergütung ins Netz zu geben, können sie diesen nun zu einem höheren, selbst vereinbarten Preis an ihre Nachbarn verkaufen. Dies erhöht die Einnahmen aus der PV-Anlage und verkürzt die Amortisationszeit der Investition.
Die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage verbessert sich deutlich. Obwohl Abgaben wie Netzentgelte anfallen, da der Strom über das öffentliche Netz geleitet wird, sind die zusätzlichen Einnahmen attraktiv. Es ist wichtig zu beachten, dass eine solche Stromverteilung innerhalb eines Gebäudes, ohne Nutzung des öffentlichen Netzes, bereits unter die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung fällt, die seit dem Solarpaket I im Jahr 2024 gesetzlich verankert ist. Energy Sharing erweitert dies nun auf Nachbarschaften und Quartiere.
Vorteile für Anlagenbesitzer und Verbraucher
- Anlagenbesitzer: Steigern die Rentabilität ihrer Anlage und erreichen eine schnellere Amortisation.
- Nachbarn: Erhalten Zugang zu günstigem, sauberem Strom direkt aus ihrer Umgebung.
- Alle Beteiligten: Reduzieren ihre Abhängigkeit von den Schwankungen des Energiemarktes und von großen Energieversorgern.
- Umwelt: Fördern aktiv die Energiewende und die Nutzung erneuerbarer Energien vor Ort.
Was jetzt zu tun ist: Erste Schritte zum Energy Sharing
Um ab Juni 2026 vom Energy Sharing profitieren zu können, sollten Interessierte bereits jetzt aktiv werden. Die Verbraucherzentralen geben dazu wichtige Ratschläge. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist die Installation eines Smart Meters, eines intelligenten Messsystems. Dieses ist unerlässlich für die genaue Abrechnung des geteilten Stroms.
Es empfiehlt sich, frühzeitig mit Nachbarn oder Freunden über eine mögliche Kooperation zu sprechen und eine Stromgemeinschaft zu bilden. Auch die Größe der geplanten PV-Anlage spielt eine Rolle: Wer Reserven für das Sharing einplanen möchte, sollte eine ausreichend große Anlage in Betracht ziehen. Informieren Sie sich zudem bei Ihrem Netz- und Messstellenbetreiber über die genauen technischen und administrativen Anforderungen.
Hintergrund: Smart Meter
Smart Meter sind digitale Stromzähler, die den Stromverbrauch und die Stromerzeugung in Echtzeit messen und übermitteln können. Sie sind eine zentrale Komponente für eine moderne, flexible Energieversorgung und ermöglichen die genaue Abrechnung von dynamischen Stromtarifen und eben auch von Energy Sharing.
Checkliste für Interessierte
- Informieren Sie sich: Nehmen Sie Kontakt zu Ihrem Netz- und Messstellenbetreiber auf.
- Smart Meter installieren: Prüfen Sie die Notwendigkeit und beauftragen Sie gegebenenfalls die Installation.
- PV-Anlage planen: Berücksichtigen Sie mögliche Sharing-Potenziale bei der Dimensionierung Ihrer Solaranlage.
- Gemeinschaft bilden: Sprechen Sie mit potenziellen Partnern in Ihrer Nähe.
- Software prüfen: Informieren Sie sich über Dienstleister, die Apps zur Verwaltung und Abrechnung von Stromgemeinschaften anbieten.
Das Energy Sharing bietet eine spannende Perspektive für eine dezentralere und nachhaltigere Energieversorgung in Deutschland. Es ermöglicht es Einzelpersonen und Gemeinschaften, aktiver an der Energiewende teilzuhaben und gleichzeitig finanzielle Vorteile zu erzielen.





