Die Energiewende in Europa steht vor großen Herausforderungen. Besonders im Bereich der Energiespeichersysteme (BESS) gibt es noch viel zu tun. Experten fordern flexiblere Netzzugänge und eine klarere Rolle für Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), um das volle Potenzial der Batterietechnologie auszuschöpfen.
Wichtige Erkenntnisse
- Flexibler Netzzugang für Batteriespeicher ist entscheidend für die Energiewende.
- Übertragungsnetzbetreiber müssen die Potenziale von BESS besser nutzen und fördern.
- Die Finanzierung von Speicherprojekten balanciert zwischen Marktpreisen und langfristigen Verträgen.
- China dominiert die BESS-Produktion, doch Sicherheitsbedenken bei Software bleiben.
- Langzeitspeicher finden in Europa noch wenig Anwendung.
Flexibler Netzzugang als Schlüsselproblem
Søren Juel Hansen, Energiespeicherdirektor bei Nordic Solar, betont die Notwendigkeit, flexible und dennoch zuverlässige Netzzugänge für Speicherlösungen zu sichern. Er sieht darin die größte Herausforderung im europäischen Markt. Es fehle noch ein einheitliches europäisches Best-Practice-Modell.
Nordic Solar, ursprünglich ein Entwickler von Solarprojekten, hat sich wie viele andere Unternehmen im Bereich erneuerbarer Energien dem Einsatz von Batteriespeichersystemen zugewandt. Ihr erstes 10-MWh-Projekt in Dänemark ging Mitte 2025 in Betrieb.
Faktencheck
- Nordic Solar begann im September 2024 mit dem Bau seines ersten 10-MWh-Speicherprojekts in Dänemark.
- Das Projekt wurde Mitte 2025 kommerziell in Betrieb genommen.
Die Rolle der Übertragungsnetzbetreiber
Hansen kritisiert, dass viele Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) noch zu passiv agieren. Er sagt, sie müssten analysieren, fordern und Anreize schaffen, was BESS für sie und ihre Stakeholder leisten können.
„Die meisten ÜNB sind untätig – und müssen analysieren, fordern und Anreize schaffen, was BESS für sie und ihre Stakeholder leisten können.“
Søren Juel Hansen, Energiespeicherdirektor bei Nordic Solar
Die Integration von Energiespeichern könnte die Notwendigkeit kostspieliger Netzverstärkungen reduzieren. Dies ist ein zentrales Thema, das bei zukünftigen Branchenveranstaltungen, wie dem Energy Storage Summit 2026 in London, intensiv diskutiert werden dürfte.
Finanzierung und Erlösmodelle
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Finanzierung von Speicherprojekten. Hier geht es um die Mischung aus Tolling- und Merchant-Erlösen. Merchant-Modelle, also der Verkauf von Energie zu aktuellen Marktpreisen, sind in vielen Märkten aktuell am attraktivsten.
In Dänemark bieten Tolling-Vereinbarungen eine profitable Alternative. Diese Verträge sichern dem Speicherbetreiber feste Einnahmen für die Bereitstellung von Kapazität oder Dienstleistungen.
Hintergrund: Tolling vs. Merchant
Tolling-Verträge: Der Anlagenbetreiber erhält eine feste Gebühr für die Nutzung der Anlage, unabhängig von den Strompreisen. Dies bietet Planbarkeit.
Merchant-Modelle: Der Betreiber verkauft die gespeicherte Energie am freien Markt und profitiert von Preisunterschieden. Dies birgt höhere Risiken, aber auch höhere Gewinnchancen.
Einige Banken zeigen sich offen für hybride und Co-Location-Projekte, die Risiken zwischen PV-Erlösen und Energiemarktspreads absichern. Andere Banken sind noch zögerlich, wenn es um die Finanzierung neuer BESS-Projekte geht.
Die besten Optimierer für Batteriespeicher sind jene, die alle möglichen Einnahmequellen im Blick haben. Dazu gehören Spreads, Regelenergie, Kapazität, Tolling und CfD (Contracts for Difference).
Technologische Fortschritte und Herausforderungen
Die Technologie der Batteriespeichersysteme entwickelt sich schnell weiter. Hansen sieht höhere Kapazitäten und integrierte Brandschutzlösungen als wichtige neue Merkmale, die von den Anbietern eingeführt werden.
Ein kritischer Punkt ist die Kontrollsoftware. Die Mehrheit der BESS wird in China hergestellt. Es gibt jedoch Bedenken hinsichtlich der Cybersicherheit, wenn die Kontrollsoftware ebenfalls aus China stammt oder von dort aus gesteuert wird.
Grid-Forming BESS und Langzeitspeicher
Grid-Forming BESS, also Batteriespeicher, die das Stromnetz aktiv stabilisieren und aufbauen können, gelten als nächste Entwicklungsstufe. In Europa sind sie noch nicht weit verbreitet, finden aber in Regionen wie China, dem Nahen Osten und Australien bereits häufiger Anwendung.
Für Langzeitspeicher (LDES) sieht Hansen zwar einen Bedarf, aber in Europa noch "nicht viel Zugkraft". Diese Speicherlösungen sind entscheidend, um die Netzstabilität bei längeren Perioden ohne Wind- oder Sonneneinstrahlung zu gewährleisten.
Aktuelle BESS-Trends
- Höhere Kapazitäten: Neue Systeme bieten mehr Speichervolumen.
- Integrierte Brandschutzlösungen: Verbesserte Sicherheit ist ein Fokus.
- Grid-Forming-Fähigkeiten: BESS können das Netz aktiv stützen, besonders außerhalb Europas.
- Cybersicherheit: Eine Herausforderung bei der Herkunft der Kontrollsoftware.
Die Entwicklung von BESS ist ein dynamischer Prozess. Um die europäische Energiewende erfolgreich zu gestalten, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Industrie und Übertragungsnetzbetreibern unerlässlich. Nur so lassen sich die technischen und regulatorischen Hürden überwinden und das volle Potenzial der Speichertechnologien ausschöpfen.





