Der Schweizer Rechenzentrumsbetreiber NTS Colocation AG und der US-amerikanische Batteriehersteller Inlyte Energy gehen eine Partnerschaft ein. Ziel ist es, bis 2028 eine Speicherkapazität von 2 Megawatt (MW) durch Eisen-Natrium-Batterien zu installieren. Die Zusammenarbeit beginnt mit einer Pilotanlage in einem Rechenzentrum in Bern. Dieses Projekt markiert einen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltigerer und sichererer Energielösungen für kritische Infrastrukturen.
Wichtige Punkte
- NTS Colocation und Inlyte Energy planen 2 MW Eisen-Natrium-Batteriekapazität bis 2028.
- Pilotanlage mit 600 kWh in Bern soll Ende 2024 in Betrieb gehen.
- Eisen-Natrium-Batterien bieten Vorteile bei Sicherheit und Langlebigkeit gegenüber Lithium-Ionen.
- Ziel ist die Reduzierung der Abhängigkeit von Dieselgeneratoren und die Steigerung der Nachhaltigkeit.
Pilotprojekt in Bern startet dieses Jahr
Die erste Phase der Partnerschaft umfasst die Installation einer 600 Kilowattstunden (kWh) Eisen-Natrium-Batterieanlage. Diese soll noch vor Jahresende in Bern in Betrieb genommen werden. Die Anlage wird als technische und betriebliche Validierung der Technologie dienen. Sie soll die Leistung des Systems und seine Integration in die bestehenden elektrischen und Steuerungssysteme des Rechenzentrums überprüfen.
Ein erfolgreicher Abschluss der Validierung bis Ende 2026 könnte den Weg für eine breitere Einführung dieser Technologie im gesamten Portfolio von NTS ebnen. Dies würde Eisen-Natrium-Speicher zu einem skalierbaren Bestandteil der langfristigen Energiestrategie des Unternehmens machen.
Fakten zur Partnerschaft
- Partner: Inlyte Energy (US) und NTS Colocation AG (Schweiz)
- Ziel: 2 MW Eisen-Natrium-Batteriekapazität bis 2028
- Start: Pilotanlage mit 600 kWh in Bern bis Ende 2024
Vorteile der Eisen-Natrium-Technologie
Inlyte Energy betont die Vorteile seiner Eisen-Natrium-Batterien im Vergleich zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Batteriespeichersystemen (BESS). Lithium-Ionen-Batterien bringen Herausforderungen mit sich, besonders in Bezug auf die Brandsicherheit und die Genehmigungsverfahren für Inneninstallationen. Zudem erfordern sie oft spezielle Trenn- und Eindämmungsmaßnahmen, die ihren Einsatz in Kellerräumen einschränken können. Auch die Degradation über die Lebensdauer ist ein wichtiger Punkt für langlebige Infrastrukturanlagen.
Die Eisen-Natrium-Technologie bietet laut Inlyte eine 3-in-1-Lösung: effiziente tägliche Lastnivellierung, kostengünstige und flexible Notstromversorgung für über 24 Stunden sowie eine leistungsstarke USV-Fähigkeit. Ein zentraler Vorteil ist die Eliminierung des Brandrisikos, was für Rechenzentren von entscheidender Bedeutung ist. Zudem ermöglicht die Technologie eine kostengünstige Langzeitspeicherung (LDES), die Unternehmen hilft, den Strombedarf zu verschieben, Spitzenlasten zu reduzieren und die betriebliche Stabilität zu verbessern.
„Unsere Eisen-Natrium-Technologie eliminiert das Brandrisiko und bietet eine kostengünstige Langzeitspeicherung, die die betriebliche Stabilität unserer Partner erheblich verbessert.“
Herausforderungen und Nachhaltigkeitsziele
Dieselgeneratoren sind der Industriestandard für die Notstromversorgung in Rechenzentren. Sie haben jedoch erhebliche Nachteile, darunter Lärmbelästigung, lokale Luftschadstoffe, der Bedarf an Kraftstofflagerung und ein hoher Wartungsaufwand. Diese Probleme können den Betrieb erschweren und die Nachhaltigkeitsziele behindern.
Die Schweiz ist bekannt für hohe Netzentgelte, begrenzte Landverfügbarkeit und strenge Genehmigungsauflagen. Diese Faktoren machen innovative und effiziente Energiespeicherlösungen besonders attraktiv. Die aktualisierte EU-Energieeffizienzrichtlinie schreibt vor, dass Rechenzentren ihren Verbrauch an fossilen Brennstoffen, einschließlich Diesel für Notstromgeneratoren, melden müssen. Obwohl Diesel nicht verboten ist, suchen Betreiber aktiv nach saubereren und effizienteren Alternativen, um die Gesamtleistung des Stromnetzes zu verbessern.
Hintergrund: Rechenzentren und Energie
Moderne Rechenzentren wie die von NTS Colocation in Zürich und Bern setzen bereits auf erneuerbare Energiequellen und nutzen Abwärmerückgewinnungssysteme. Dennoch bleibt die Notstromversorgung eine Herausforderung. Die Partnerschaft mit Inlyte Energy ist ein weiterer Schritt, um die Energieeffizienz und Nachhaltigkeit dieser wichtigen Infrastrukturen zu optimieren.
Technologische Fortschritte und internationale Anerkennung
Inlyte Energy hat kürzlich einen Werksabnahmetest seiner ersten feldtauglichen Batterie in der Nähe von Derby, Großbritannien, durchgeführt. Vertreter des US-Energieversorgers Southern Company waren anwesend. Die getesteten Module haben jeweils eine Speicherkapazität von über 300 kWh. Inlyte behauptet, dies seien die größten Natrium-Metallchlorid (SMC)-Batteriezellen, die jemals gebaut wurden.
Antonio Baclig, CEO von Inlyte, erklärte, das Unternehmen habe die SMC-Batterie für kostengünstige Netzspeicherung neu erfunden. Dies sei durch einen Durchbruch in der Entwicklung des Kathodenmaterials gelungen. SMC-Batterien sind seit über vierzig Jahren bekannt und zeichnen sich durch Sicherheit und Langlebigkeit aus. Sie können zudem in Umgebungen mit hohen und niedrigen Temperaturen betrieben werden.
Forschung und Entwicklung
- US-Energieministerium fördert Inlyte mit 4,1 Millionen US-Dollar für ein Langzeit-Batterieprojekt.
- Projekt konzentriert sich auf die Verbesserung der Energieresilienz in Risikozonen.
- Fokus liegt auf Eisen- und Natrium-basierten LDES-Systemen.
Das US-Energieministerium (DOE) förderte Inlyte im Juni 2025 mit 4,1 Millionen US-Dollar für ein Projekt. Dieses Projekt, mit dem Titel „Iron and Sodium Long Duration Battery for Multi-day Resilience and Renewable Shifting in High Wildfire Risk Zone“, zielt darauf ab, die Energieresilienz an einem Standort in Kalifornien zu verbessern. Dies unterstreicht die internationale Anerkennung und das Potenzial der Technologie.
Schweizer Engagement für innovative Speicherlösungen
Die Schweiz ist ein aktiver Standort für die Entwicklung und Implementierung neuer Energiespeichertechnologien. Bereits im Dezember 2025 unterzeichnete der Energiespeicherentwickler Energy Vault zwei Verträge in der Schweiz. Diese Projekte mit Schindler Aufzüge und Energie Wettingen starteten das B-Vault FlexGrid-Programm für gewerbliche und industrielle Kunden. Auch Phenogy, ein Schweizer Unternehmen, nahm im September 2025 sein Phenogy 1.0 Natrium-Ionen-BESS in Norddeutschland in Betrieb. Dieses 1-MWh-System versorgt in Insellage Ladestationen für Elektrofahrzeuge und ist an eine bestehende 50-kW-Solar-PV-Anlage gekoppelt.
Diese Beispiele zeigen, dass die Schweiz und ihre Unternehmen eine führende Rolle bei der Einführung und Erforschung von Batteriespeichertechnologien einnehmen, die über die traditionelle Lithium-Ionen-Technologie hinausgehen. Die Partnerschaft zwischen NTS Colocation und Inlyte Energy ist ein weiteres Indiz für diesen Trend und das Bestreben, nachhaltigere und sicherere Energielösungen für die Zukunft zu entwickeln.





