Der Ausbau von Batteriespeichersystemen (BESS) spielt eine zentrale Rolle für die Energiewende in Deutschland. Während der Markt ein hohes Potenzial bietet, sehen sich Entwickler und Betreiber mit spezifischen Herausforderungen konfrontiert. Finanzierungsmodelle und regulatorische Rahmenbedingungen bestimmen maßgeblich den Fortschritt.
Wichtige Erkenntnisse
- Deutschland ist ein attraktiver Markt für Batteriespeicher, besonders durch langfristige Stromabnahmeverträge.
- Hohe BKZ-Gebühren und restriktive Netzanschlussbedingungen stellen Hürden dar.
- Die Unsicherheit über die Befreiung von Netzentgelten ab 2029 bremst Investitionen.
- Trotz Herausforderungen bleibt die Branche optimistisch, dass politische Lösungen gefunden werden.
Ein Blick auf den europäischen Batteriespeichermarkt
Der europäische Markt für Batteriespeichersysteme wächst stetig. Unternehmen wie Econergy treiben den Ausbau voran. Sie betreiben bereits ein 50 MW/102 MWh Projekt in Großbritannien. Für dieses Jahr planen sie die Inbetriebnahme von etwa 500 MWh Speicherkapazität in Deutschland, Polen und Rumänien.
Joshua Murphy, Leiter für Energiespeicher bei Econergy, betont die Reife der BESS-Technologie. Er sieht die größten Herausforderungen nicht mehr in der Technik selbst, sondern in der Kommerzialisierung und Finanzierung der Projekte. Es geht darum, das richtige Gleichgewicht zwischen Marktpreisen und vertraglich gesicherten Einnahmen zu finden.
Faktencheck: Econergy und der BESS-Markt
- Erstes Projekt: Swangate, UK (50MW/102MWh)
- Geplante Inbetriebnahme 2024: ca. 500MWh in DE, PL, RO
- Deutschland-Einstieg: Zwei Projekte 2023 erworben, erstes geht 2025 ans Netz
Deutschland und Großbritannien als Vorreiter
Großbritannien und Deutschland gelten als besonders attraktive Märkte für die Finanzierung von Batteriespeicherprojekten. Murphy hebt die hohe Liquidität und die Bereitschaft der Banken hervor, Projekte unter verschiedenen Bedingungen zu finanzieren. Dies umfasst reine Marktmodelle, Modelle mit Preisuntergrenzen oder sogenannte 'Toll'-Verträge.
Ein Beispiel ist die Finanzierung des Dalmarnock-Projekts in Schottland. Hier wählte Econergy eine Preisuntergrenze mit EDF und finanzierte das Projekt mit Santander. Diese Flexibilität bei der Wahl von Banken und Abnahmeverträgen ist auch in Deutschland gegeben.
„In Deutschland können wir einen sehr hohen 'Floor' oder einen wirklich guten 'Toll'-Vertrag für sieben bis zehn Jahre zu einem hohen Wert abschließen“, erklärt Joshua Murphy. „Ob wir 50% oder 100% 'Toll' wollen, wir haben diese Flexibilität.“
Solche hochvertraglich abgesicherten Anlagen sind für Banken sehr attraktiv. Sie bieten eine höhere Planungssicherheit und reduzieren das Risiko für die Kreditgeber. Dies macht Deutschland zu einem bevorzugten Standort für Investitionen.
Herausforderungen im deutschen Markt
Trotz der Attraktivität sieht sich der deutsche Markt für Batteriespeicher mit mehreren regulatorischen Hürden konfrontiert. Diese könnten den Ausbau verlangsamen und Investitionen gefährden.
1. Die BKZ-Gebühr
Die BKZ-Gebühr (Bundes-Konzessionsabgabe) stellt eine erhebliche anfängliche Kapitallast dar. Die Kosten können Tausende bis Hunderttausende Euro pro Megawatt betragen, noch bevor die Bauarbeiten beginnen. Dies ist deutlich höher als bei vergleichbaren Projekten in Großbritannien. Obwohl Betreiber diese Kosten in ihre Modelle einpreisen können, stellt sie eine Einstiegshürde dar.
2. Netzanschlussbedingungen
Die Bedingungen für den Netzanschluss werden zunehmend problematisch. Netzbetreiber fordern oft sogenannte 'netzneutrale' Anschlüsse durch flexible Anschlussvereinbarungen (FCAs). Diese Vereinbarungen können die Betriebsfunktionen von Speichersystemen erheblich einschränken.
Das Problem wird durch die hohe Anzahl von über 500 Verteilnetzbetreibern (DNOs) in Deutschland verstärkt. Jeder Betreiber wendet leicht unterschiedliche Ansätze an. Die Auswirkungen hängen von den spezifischen Einschränkungen ab. Eine Rampenrate von nur einer Stunde – also die Zeit, die ein BESS benötigt, um von null auf volle Leistung zu gehen – würde die Wirtschaftlichkeit eines Projekts vollständig zunichtemachen.
Was ist eine Rampenrate?
Die Rampenrate beschreibt, wie schnell ein Batteriespeichersystem seine Leistung erhöhen oder senken kann. Eine hohe Rampenrate ist entscheidend für die Stabilität des Stromnetzes, da sie schnelle Reaktionen auf Schwankungen ermöglicht.
3. Unsicherheit bei Netzentgelten
Die größte Sorge betrifft die mögliche Aufhebung der Befreiung von Netzentgelten für das Laden und Entladen von BESS. Diese Befreiung läuft im August 2029 aus. Die Unsicherheit über die Zukunft dieser Regelung hat bereits dazu geführt, dass Milliarden Euro an Investitionskapital zurückgehalten werden.
Murphy bleibt hier optimistisch. Er glaubt nicht, dass die deutsche Regierung so drastische Änderungen vornehmen wird, die Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur gefährden könnten. Die Branche hofft auf eine politische Lösung, die Planungssicherheit schafft.
Beschaffung und Preisentwicklung
Die Beschaffung von Batteriespeichersystemen hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Unternehmen stehen vor der Wahl: entweder ein Komplettpaket (EPC-Wrap) von einem Anbieter beziehen oder die Komponenten und Bauleistungen einzeln vergeben.
Die Einzelvergabe ist kostengünstiger, aber auch komplexer. Econergy hat bereits über zehn Batterielieferverträge mit verschiedenen Anbietern abgeschlossen. Dies hat dem Unternehmen ein tiefes Verständnis für Vertragsstrukturen und Risiken vermittelt.
Lieferketten-Know-how
Econergy hat mehr als 10 Batterielieferverträge mit verschiedenen Anbietern abgeschlossen. Dieses Wissen hilft, Risiken zu managen und Projekte effizient zu realisieren.
Lithiumpreise und Mehrwertsteuer
Kurzfristige Preisschwankungen bei Lithiumcarbonat wirken sich nicht sofort auf die Preise für BESS aus, besonders für Großabnehmer mit guten Lieferantenbeziehungen. Ein nachhaltig hoher Lithiumpreis über etwa sechs Monate wäre notwendig, um die BESS-Preise spürbar zu beeinflussen.
Eine unmittelbarere Sorge ist die Aufhebung der Mehrwertsteuerrückerstattung in China. China ist der weltweit größte Markt für Batterien. Es bleibt abzuwarten, ob die Hersteller diese Kosten absorbieren oder an die Kunden weitergeben. Die Dynamik des chinesischen Inlandsmarktes wird hier eine entscheidende Rolle spielen.
Ausblick für den deutschen Batteriespeichermarkt
Der deutsche Batteriespeichermarkt steht an einem wichtigen Scheideweg. Das Potenzial für Wachstum und die Integration erneuerbarer Energien ist enorm. Die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen müssen jedoch angepasst werden, um die notwendigen Investitionen anzuziehen und umzusetzen.
Eine klare und langfristige Strategie der Regierung ist entscheidend. Dies betrifft insbesondere die Gestaltung der Netzentgelte und die Standardisierung von Netzanschlussbedingungen. Nur so kann Deutschland seine Ziele im Bereich der Energiespeicherung erreichen und die Energiewende erfolgreich gestalten.
Die Branche, repräsentiert durch Unternehmen wie Econergy, bleibt trotz der Herausforderungen optimistisch. Die Nachfrage nach Energiespeichern ist ungebrochen und die technologische Entwicklung schreitet voran. Der Schlüssel liegt in der Zusammenarbeit zwischen Politik, Netzbetreibern und Projektentwicklern, um die bestehenden Hürden gemeinsam zu überwinden.





