Chile verzeichnete im vergangenen Jahr einen erheblichen Anstieg der Abregelung von Solar- und Windenergie. Über 6 Terawattstunden (TWh) wurden nicht genutzt, ein Anstieg von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies geht aus Daten des chilenischen Verbandes für erneuerbare Energien und Energiespeicherung (ACERA) hervor. Trotz dieser Herausforderung trugen neue Batteriespeichersysteme (BESS) dazu bei, die Situation zu mildern.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Abregelung von erneuerbaren Energien in Chile stieg 2025 auf über 6 TWh.
- Batteriespeichersysteme verhinderten einen noch drastischeren Anstieg der Abregelung.
- Über 70 % der Übertragungsleitungsprojekte in Chile sind von Verzögerungen betroffen.
- Chile plant, sein 2030er Ziel für Energiespeicher bereits 2026 zu erreichen.
- Nahezu alle neuen Energieprojekte (95 %) sind Erneuerbare oder Speicher.
Herausforderungen im chilenischen Energiesystem
Die Abregelung, also die erzwungene Drosselung der Stromerzeugung, spiegelt die aktuellen Schwierigkeiten des chilenischen Stromnetzes wider. Besonders betroffen sind die nördlichen Regionen, wo der Großteil der Solaranlagen installiert ist. Die Abregelung tritt vor allem tagsüber auf, wenn die Solarstromproduktion am höchsten ist.
ACERA erklärt, dass diese Probleme auf mangelnde Stromnachfrage während der Spitzenzeiten erneuerbarer Energieversorgung, Übertragungsengpässe und eine unzureichende Flexibilität im elektrischen System zurückzuführen sind. Diese Faktoren verhindern, dass der volle Nutzen der verfügbaren sauberen Energie ausgeschöpft wird.
Faktencheck Abregelung
- 2025: Über 6 TWh abgeregelt.
- Anstieg: 8 % gegenüber 2024.
- Verhinderung: Ohne BESS hätte die Abregelung 8 TWh erreichen können (43 % Anstieg).
Die Rolle der Batteriespeichersysteme
Die Einführung von Batteriespeichersystemen (BESS) hat entscheidend dazu beigetragen, einen noch stärkeren Anstieg der Abregelung zu verhindern. ACERA schätzt, dass die Gesamtmenge der Abregelung ohne die Speichersysteme 8 TWh hätte erreichen können. Dies hätte einem Anstieg von 43 Prozent gegenüber 2024 entsprochen.
Stattdessen lag der Anstieg bei 8 Prozent, was zeigt, dass das Wachstum der Abregelung weniger dramatisch war als 2024, als sich die Abregelung gegenüber 2023 mehr als verdoppelte. Die Speichersysteme spielen eine immer wichtigere Rolle bei der Stabilisierung des Netzes.
„Die Abregelungen spiegeln die Einschränkungen wider, die mit einem Mangel an Stromnachfrage während der Spitzenzeiten der erneuerbaren Energieversorgung sowie mit Übertragungsbeschränkungen und einem Mangel an Flexibilität im elektrischen System verbunden sind, die eine vollständige Nutzung des Nutzens der verfügbaren sauberen Energie verhindern“, so ACERA in einer Erklärung.
Hintergrund: Erneuerbare Energien in Chile
Chile verfügt über reiche Ressourcen an erneuerbaren Energien, insbesondere Solar- und Windenergie. Das Land hat ehrgeizige Ziele für den Ausbau sauberer Energie gesetzt. Die Integration dieser großen Mengen ins Netz stellt jedoch eine technische Herausforderung dar.
Auswirkungen auf den Anteil erneuerbarer Energien
Hätte die Abregelung von Solar- und Windenergie im Jahr 2025 nicht stattgefunden, wäre der Anteil erneuerbarer Energien am Stromnetz deutlich höher gewesen. ACERA geht davon aus, dass der Anteil dann 49,4 Prozent statt der tatsächlich erreichten 42,4 Prozent betragen hätte. Dies unterstreicht das ungenutzte Potenzial der vorhandenen Kapazitäten.
Die Übertragungsinfrastruktur bleibt laut ACERA eines der Hauptprobleme für die Energiewende. Bis November 2025 waren über 70 Prozent der laufenden Arbeiten an Übertragungsleitungen von Verzögerungen betroffen. Diese Verzögerungen behindern den effizienten Transport von sauberem Strom von den Erzeugungsstandorten zu den Verbrauchern.
Zukunftsaussichten und neue Projekte
Für das Jahr 2026 erwartet der Verband, dass nahezu alle Energieprojekte in Entwicklung (95 Prozent) entweder auf erneuerbare Energien oder Energiespeicherung ausgerichtet sind. Dies zeigt einen klaren Trend hin zu einer nachhaltigeren Energieversorgung.
Die Prioritäten von ACERA für dieses Jahr liegen auf mehreren Schlüsselbereichen:
- Rechtzeitige Umsetzung der Übertragungsinfrastruktur.
- Verstärkter Ausbau von Energiespeichersystemen.
- Wiederherstellung des Wachstums der Stromnachfrage.
- Anpassung des Marktdesigns an einen hochgradig erneuerbaren, widerstandsfähigen und wettbewerbsfähigen Energiemix.
Explosives Wachstum bei Energiespeichern
Das Wachstum der Energiespeichertechnologie in Chile beschleunigt sich. Bis Dezember 2025 verfügte das Land über 1,5 GW an betriebsbereiten BESS in 28 Projekten. Weitere 737 MW befanden sich in der Testphase und fast 6,8 GW waren im Bau.
Mehr als die Hälfte der betriebsbereiten BESS-Projekte befindet sich in der nördlichen Region Antofagasta. Dort sind 15 Projekte mit einer kombinierten Kapazität von 1.112 MW/5.058 MWh und einer durchschnittlichen Dauer von 4,5 Stunden angesiedelt.
Die Regionen Atacama und Metropolitana verfügen jeweils über vier Projekte. Mengenmäßig hat Atacama mit 204 MW/680 MWh und einer Dauer von 3,3 Stunden mehr Kapazität installiert als die Metropolregion mit 181 MW/491 MWh und durchschnittlich 2,7 Stunden.
BESS-Kapazitäten Ende 2025
- Betriebsbereit: 1,5 GW (28 Projekte)
- In der Testphase: 737 MW
- Im Bau: Fast 6,8 GW
- Prognose 2027: Rund 9 GW betriebsbereite BESS.
Chiles ehrgeizige Speicherziele
ACERA prognostiziert, dass bei anhaltendem Tempo der BESS-Entwicklung bis 2027 rund 9 GW betriebsbereite Speicherkapazität mit einer durchschnittlichen Dauer von 4 Stunden erreicht werden. Dies wäre ein signifikanter Fortschritt.
Ana Lía Rojas, Geschäftsführerin von ACERA, gab auf dem Energy Storage Summit Latin America im Oktober bekannt, dass Chile sein Ziel von 2 GW Energiespeicherkapazität für 2030 bereits im Jahr 2026 erreichen wird. Das Ziel von 8 GW für 2050 könnte sogar schon im nächsten Jahr übertroffen werden. Dies zeigt das enorme Engagement des Landes für die Energiespeicherung und die Energiewende.
Die schnelle Entwicklung und Installation von Energiespeichersystemen ist entscheidend, um die Schwankungen der erneuerbaren Energien auszugleichen und das Stromnetz stabil zu halten. Chiles Fortschritte in diesem Bereich könnten ein Modell für andere Länder sein, die ähnliche Herausforderungen bei der Integration großer Mengen erneuerbarer Energien in ihre Netze bewältigen müssen.





