Brasilien hat einen entscheidenden Schritt in Richtung einer modernen und widerstandsfähigen Energieversorgung unternommen. Die nationale Elektrizitätsagentur ANEEL hat ihre erste Regulierung für Energiespeichersysteme (ESS) verabschiedet. Diese wegweisende Entscheidung ebnet den Weg für die ersten nationalen Auktionen für Energiespeicher, die noch in diesem Jahr stattfinden sollen. Das Land positioniert sich damit als Vorreiter in Lateinamerika und stärkt seine Energieinfrastruktur.
Wichtige Erkenntnisse
- ANEEL hat die erste Regulierung für Energiespeichersysteme in Brasilien genehmigt.
- Die Regulierung ermöglicht die ersten nationalen Auktionen für Batteriespeichersysteme (BESS).
- Zwei Auktionen sind für Dezember geplant, um neue ESS-Anlagen mit 15-Jahres-Verträgen zu sichern.
- Steuerliche Anreize und reduzierte Netznutzungsgebühren fördern Investitionen in Speicher.
- Das Ziel ist eine höhere Netzstabilität und bessere Nutzung erneuerbarer Energien.
Ein Meilenstein für Brasiliens Energiemarkt
Die Genehmigung der ESS-Regulierung durch ANEEL am Dienstag, dem 2. Juni, markiert das Ende einer öffentlichen Konsultationsphase. Diese lief von Dezember 2024 bis Ende Januar 2025. Damit erhält der Energiesektor einen klaren rechtlichen Rahmen für die Integration von Speichersystemen.
Die Regulierung umfasst verschiedene Aspekte. Dazu gehören der Netzzugang, die Bündelung von Einnahmen aus mehreren Dienstleistungen sowie die Anwendung sowohl in netzgebundenen als auch in Inselsystemen. Auch Front-of-the-Meter- (FTM) und Behind-the-Meter-Anwendungen (BTM) sind abgedeckt.
Faktencheck
- Erste Regulierung: Brasilien hat nun eine umfassende Regulierung für Energiespeichersysteme.
- Auktionsstart: Die ersten nationalen Energiespeicherauktionen sind für dieses Jahr geplant.
- Vertragslaufzeit: Gewinnerprojekte erhalten 15-jährige Lieferverträge.
Langer Weg zur Regulierung
Die Genehmigung der ANEEL-Regulierung war seit Langem erwartet worden. Erste Überlegungen dazu gab es bereits im Jahr 2019. Der Prozess hatte sich jedoch verzögert. Nach Abschluss der öffentlichen Konsultation im Januar wurden die Debatten im April wieder aufgenommen.
Ein Antrag auf Überprüfung durch Vorstandsmitglied Fernando Mosna hatte die Diskussionen neu belebt. Es gab Bedenken, dass ein weiterer Antrag auf Überprüfung durch Direktor Willamy Frota die Entscheidung erneut verzögern könnte. Die nationale Handelsvereinigung für Energiespeicher, ABSAE, äußerte damals ihre Sorge.
„Energiespeicherung ist definitiv auf der Agenda des brasilianischen Stromsektors angekommen.“
Wichtige Details der Regulierung
ANEEL teilte mit, dass Frota dem Großteil der von Mosna dargelegten Regulierung zustimmte. Dies betraf Modelle für den Betrieb von ESS-Anlagen, Vergütung, Einnahmenbündelung und Vertragsbedingungen für den Netzzugang. Frota schlug jedoch eine Änderung bei den Netznutzungsgebühren vor, die von der Mehrheit des ANEEL-Vorstands genehmigt wurde.
ESS-Anlagen, die vollständig vom nationalen Elektrizitätssystembetreiber ONS kontrolliert werden, profitieren von reduzierten Netznutzungsgebühren. Anlagen, die nicht zentral vom ONS gesteuert werden, unterliegen weiterhin den bestehenden Regeln für die Netznutzung. Der ONS wird auch den Einsatz steuern und definieren, wann Batteriespeichersysteme (BESS) geladen und entladen werden sollen, um den größten Nutzen für das Netz zu erzielen.
Hintergrund: ONS und Netzintegration
Der ONS (Operador Nacional do Sistema Elétrico) ist der Betreiber des brasilianischen nationalen Verbundsystems. Er spielt eine zentrale Rolle bei der Koordination und Kontrolle der Stromerzeugung und -übertragung. Die Integration von Energiespeichern unter seiner direkten Kontrolle soll die Effizienz und Stabilität des Netzes erheblich verbessern.
Nationale Auktionen für Batteriespeicher
Nur einen Tag nach der ANEEL-Entscheidung kündigte das Ministerium für Bergbau und Energie (MME) die ersten nationalen Energiespeicherauktionen an. Der Bieterprozess für die erste Kapazitätsreserveausschreibung des Landes wird in zwei separate Auktionen aufgeteilt. Beide sollen im Dezember beginnen.
Minister Alexandre Silveira betonte die Bedeutung dieser Entwicklung:
„Brasilien macht einen weiteren entscheidenden Schritt zur Modernisierung seines Stromsystems. Die Batterieauktion wird die Speicherung von Energie und deren Lieferung ermöglichen, wenn das System sie am dringendsten benötigt. Das erhöht die Stabilität, nutzt erneuerbare Quellen besser und stimuliert die nationale Produktion strategischer Ausrüstung für die Energiewende.“
Zwei Auktionen im Dezember
Beide Auktionen stehen ausschließlich neuen ESS-Anlagen offen. Sie bieten 15-jährige Verträge für die Lieferung ab dem 1. August 2028 an. Die Vergütung der Anlagen erfolgt auf Basis der Verfügbarkeit der vertraglich vereinbarten Leistung. Die Gewinnerprojekte müssen den Lade- und Entladebefehlen des ONS folgen, einschließlich der täglichen Planung und des Echtzeitbetriebs.
- Erste Auktion (2. Dezember): Offen für BESS-Projekte, die die Finanzierungsbedingungen der nationalen Entwicklungsbank BNDES erfüllen.
- Zweite Auktion (4. Dezember): Offen für alle Projekte.
Technische Anforderungen
- Mindestverfügbarkeit: 30 MW über 4 Stunden.
- Mindestgesamtwirkungsgrad: 85%.
- Maximale Ladezeit: 6 Stunden.
- Netzbildungsfähigkeiten: Projekte müssen ONS- und EPE-Anforderungen erfüllen.
Steuerliche Anreize und Vorteile
Die neue Regulierung beinhaltet auch steuerliche Vorteile für Energiespeichersysteme. Diese fallen unter Brasiliens Sonderanreizregime für die Infrastrukturentwicklung (REIDI). Dies soll Investitionen in den Sektor weiter fördern und die Entwicklung beschleunigen.
Zudem genehmigte ANEEL diese Woche Regeln zur Berechnung und Zahlung finanzieller Entschädigungen für die Netzabschaltung von erneuerbarer Energieproduktion. Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Integration fluktuierender erneuerbarer Energien zu erleichtern und die Netzstabilität zu gewährleisten.
Ausblick und Marktentwicklung
Die ABSAE fasst die jüngsten Entwicklungen zusammen:
„Nach Jahren der Debatten und regulatorischer Arbeit verfügt Brasilien nun über die drei fundamentalen Säulen für die Marktentwicklung: einen Rechtsrahmen, eine Regulierung und eine zentralisierte Vertragsvergabe.“
Die Kombination aus klarer Regulierung, finanziellen Anreizen und dem Start von Kapazitätsauktionen schafft eine solide Grundlage für das Wachstum des Energiespeichermarktes in Brasilien. Dies wird nicht nur die Energiesicherheit des Landes erhöhen, sondern auch die Nutzung seiner reichhaltigen erneuerbaren Ressourcen optimieren.
Die Verpflichtung zur nationalen Produktion strategischer Ausrüstung ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt. Dies könnte langfristig zu einer Stärkung der heimischen Industrie und zur Schaffung von Arbeitsplätzen im Bereich der Energiewende führen. Brasilien sendet damit ein klares Signal an internationale Investoren und Technologieanbieter, dass es ein attraktiver Markt für Energiespeicherlösungen ist.
Globale Bedeutung
Als größte Volkswirtschaft Lateinamerikas hat Brasilien das Potenzial, eine Führungsrolle bei der Energiewende in der Region zu übernehmen. Die Einführung einer robusten Regulierung und die Durchführung von Auktionen für Energiespeicher könnten als Modell für andere Länder dienen, die ähnliche Herausforderungen bei der Integration erneuerbarer Energien und der Modernisierung ihrer Netze bewältigen müssen.





