Die Rolle von Batteriespeichersystemen (BESS) in den US-amerikanischen Strommärkten wächst stetig. Doch zwischen den Erwartungen der Entwickler und der operativen Realität klafft eine Lücke. Besonders die Standortwahl und die Genauigkeit von Umsatzprognosen stellen große Herausforderungen dar, wie Branchenexperten betonen. Die Optimierung dieser Systeme ist entscheidend für ihren wirtschaftlichen Erfolg.
Wichtige Erkenntnisse
- Standortwahl für Batteriespeicher erfordert langfristige Planung, nicht nur kurzfristige Volatilität.
- Umsatzprognosen müssen realistisch sein und die Marktregeln genau widerspiegeln.
- Optimierungsstrategien sollten dynamisch sein und menschliche Expertise mit Algorithmen verbinden.
- Leistungsvergleich (Benchmarking) ist entscheidend, um die Effektivität der Optimierung zu messen.
Standortwahl: Mehr als nur aktuelle Volatilität
Die Auswahl des Standorts für Batteriespeichersysteme ist komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Viele Entwickler neigen dazu, die Standorte mit der höchsten aktuellen Marktvolatilität anzuvisieren. Dies erscheint logisch, um maximale Einnahmen zu erzielen. Casey Keller, Gründungspartner von Caerus Commodities, warnt jedoch vor dieser Strategie.
Keller erklärt, dass die Volatilität eines Standortes sich schnell ändern kann. Was heute attraktiv ist, kann morgen schon irrelevant sein. Der Bau einer neuen Solaranlage, Windkraftanlage oder eines konkurrierenden Batteriespeichers in der Nähe kann die Preisbildung und damit die Volatilität drastisch beeinflussen. Ein idealer Standort während des fünfjährigen Entwicklungszyklus kann bei Inbetriebnahme des Systems deutlich weniger attraktiv sein.
"Selbst wenn man heute den volatilsten Standort finden könnte, weiß niemand, ob dieser morgen noch volatil sein wird. Sobald ein neues Asset gebaut wird, ändert sich die gesamte Preisbildung."
Casey Keller, Caerus Commodities
Statt das oberste Fünftel der Standorte anzustreben, die möglicherweise schnell an Attraktivität verlieren, empfiehlt Keller, das obere Viertel zu wählen. Das Ziel sollte sein, Standorte mit anhaltender Volatilität zu identifizieren, anstatt nur den höchsten aktuellen Renditen nachzujagen.
Faktencheck Standortwahl
- Fehlerhafte Annahme: Fokus auf maximale aktuelle Volatilität.
- Risiko: Volatilität kann sich durch neue Anlagen schnell ändern.
- Empfehlung: Suche nach Standorten mit persistenter, aber nicht unbedingt maximaler Volatilität.
Umsatzprognosen: Realität statt Wunschdenken
Ein weiteres kritisches Problem sind die Umsatzprognosen. Entwickler beauftragen oft bekannte Anbieter mit Projektionen, um Finanzierungen zu sichern. Keller kritisiert jedoch, dass viele dieser Prognosen grundlegende Mängel aufweisen.
Prognosen können um das Fünffache danebenliegen. Dies führt zu erheblichen Problemen, wenn Finanzierungsstrukturen auf unrealistischen Erwartungen basieren. Die Ursachen liegen oft in fehlerhaften Annahmen über Marktregeln, Fundamentaldaten und die Zusammensetzung des Erzeugungs-Stacks.
Es ist entscheidend, dass Entwickler mehr Zeit in die Due Diligence von Prognosen investieren. Sie sollten sicherstellen, dass sie diese nur von Anbietern beziehen, die eine nachweisliche Erfolgsbilanz in Bezug auf Genauigkeit haben. Keller betont, dass der Einkauf einer Prognose von der Entität, die später die Optimierung durchführt, Diskrepanzen zwischen behaupteter Möglichkeit und tatsächlicher Marktrealität beseitigt.
Hintergrund: Batteriespeicher als neue Ware
Als Caerus Commodities vor über sechs Jahren gegründet wurde, erkannte das Unternehmen, dass Batteriespeicher eine Marktverschiebung darstellten. Strom würde endlich, wie jede andere Ware, speicherbar werden. Doch im Gegensatz zu anderen Rohstoffen, die von Handelsunternehmen mit tiefgreifender Marktexpertise optimiert werden, wurde die Optimierung von Batteriespeichern oft unabhängigen Stromerzeugern (IPPs) überlassen, denen es an spezialisierten Handelsabteilungen mangelte.
Optimierung: Menschliche Intelligenz und Algorithmen
Caerus Commodities bietet eine Dienstleistung an: die Optimierung von Batterien für Anlagenbesitzer, die diese Fähigkeiten nicht intern besitzen. Das Unternehmen vermeidet bewusst den Besitz von Batterien, um Interessenkonflikte zu verhindern. Ihr Ansatz kombiniert automatisierte Algorithmen mit menschlicher Expertise – sogenannte „Hybridmethoden“.
Keller erklärt, dass die Gebote auch dann generiert und eingereicht würden, wenn alle Mitarbeiter von Caerus ausfallen würden. Dies zeigt die Stärke der Algorithmen. Gleichzeitig gibt es einen erheblichen Mehrwert durch erfahrene Händler. Menschen können sich ändernde Muster schneller erkennen als maschinelles Lernen, das eine sehr große Menge relevanter Datenpunkte benötigt, um seine Denkweise anzupassen.
Statische Gebotsstrategien sind ein weit verbreitetes Problem im Markt. Viele Batteriebetreiber nutzen unveränderte Strategien über längere Zeiträume, anstatt sich an Marktbedingungen anzupassen. Dies ergab ein Bericht von Gridmatic über den CAISO-Markt.
Dynamische Strategien für maximale Rendite
Die Herausforderung für Anlagenbesitzer besteht darin, dass die Optimierung oft als Black Box funktioniert. Dies macht es schwierig, die Qualität der Leistung zu bewerten. Keller schlägt ein rigoroses Benchmarking vor. Caerus bietet Tools an, mit denen Kunden ihre Leistung mit anderen Anlagen im Markt vergleichen können.
"Wir wollen nicht, dass unsere Kunden nur gebunden sind, weil sie einen Vertrag unterschrieben haben. Wir wollen, dass sie wiederkehrende Kunden sind, weil wir gute Arbeit leisten."
Casey Keller, Caerus Commodities
Es geht letztendlich darum, das meiste Geld zu verdienen und gleichzeitig das Risiko zu minimieren. In den letzten Jahren haben sich operative Erfahrungen gesammelt, die hartnäckige Probleme aufzeigen, wie das Verständnis der Ladezustandsgrenzen (SOC).
Marktsättigung erfordert präzisere Optimierung
In den Anfangstagen des BESS-Marktes waren die Einnahmen so hoch, dass selbst eine schlechte Optimierung Gewinne abwarf. Diese Zeiten sind vorbei. Mit zunehmender Marktsättigung und sinkenden Einnahmen müssen Eigentümer jeden Cent aus ihren Anlagen herausholen.
Eine stochastische Methode, die mehrere Szenarien berücksichtigt, wird immer wichtiger, da der Markt volatiler und weniger vorhersehbar wird. Die Aussage, dass nur ein bestimmtes Szenario eintreten wird, ist nicht mehr ausreichend.
Diese Themen und weitere werden auf dem Battery Asset Management Summit USA 2026 diskutiert. Die Konferenz findet vom 15. bis 16. September in Garden Grove, Kalifornien, statt. Experten wie Colin Tareila, Aaron Lampe, David Droz, Jerry Liu und Kristina Peterson werden sich Keller anschließen. Die Agenda konzentriert sich auf die Rolle von KI, Cybersicherheit und Second-Life-Anwendungen, aufgeteilt in die Bereiche Technisches und Kommerzielles Asset Management. Die Veranstaltung findet parallel zum Solar & Storage Finance Summit USA statt.
Wichtige Termine
- Veranstaltung: Battery Asset Management Summit USA 2026
- Datum: 15.-16. September
- Ort: Garden Grove, Kalifornien
- Themen: KI, Cybersicherheit, Second-Life-Anwendungen





