Das südafrikanische Unternehmen Plentify wird über 160.000 private Batteriespeichersysteme in ein virtuelles Kraftwerk (VPP) integrieren. Diese Systeme stammen vom chinesischen Hersteller Deye, der Plentify zum exklusiven VPP-Partner ernannt hat. Die Gesamtleistung der angeschlossenen Batterien beträgt 2,7 GWh und soll die Energiesicherheit in Südafrika erheblich verbessern.
Wichtige Erkenntnisse
- Plentify integriert 160.000 Deye-Heimspeicher in ein virtuelles Kraftwerk.
- Das VPP erreicht eine Kapazität von 2,7 GWh.
- Diese Kapazität übertrifft das Eskom-Programm um fast das Doppelte.
- Südafrika erlebt einen starken Anstieg bei Solaranlagen und Speichern.
- Das System hilft, Stromausfälle zu minimieren und Einnahmen zu generieren.
Virtuelles Kraftwerk übertrifft staatliche Initiative
Das neue virtuelle Kraftwerk soll eine beachtliche Kapazität von 2,7 GWh erreichen. Jon Kornik, CEO und Mitbegründer von Plentify, betont, dass diese Leistung fast doppelt so hoch ist wie die 1.440 MWh der groß angelegten Batteriespeichersysteme (BESS), in die der staatliche südafrikanische Energieversorger Eskom investiert hat.
„Es zeigt, wie dezentrale Energieressourcen traditionelle Infrastrukturinvestitionen ergänzen können, indem sie schnell Wert aus bereits vorhandenen Anlagen schöpfen“, erklärt Kornik. Diese Aussage unterstreicht das Potenzial von Heimspeichern, einen wesentlichen Beitrag zur nationalen Energieversorgung zu leisten.
Faktencheck
- 160.000+ private Batteriesysteme von Deye werden integriert.
- 2,7 GWh beträgt die Gesamtkapazität des VPP.
- 1,44 GWh war die Kapazität der von Eskom investierten Großspeicher.
- 86 % Zuwachs bei Solaranlagen auf Dächern bis 2025.
- 90 % der neuen Solaranlagen in Südafrika werden mit Batterien verkauft.
Hintergrund: Südafrikas Energiewende
Südafrika befindet sich inmitten einer tiefgreifenden Energiewende. Das Land war lange stark von Kohle abhängig, doch erneuerbare Energien gewinnen rapide an Bedeutung. Präsident Cyril Ramaphosa hob kürzlich hervor, dass der Anteil erneuerbarer Energien an der nationalen Stromerzeugung von 2 % im Jahr 2016 auf 9 % im Jahr 2024 gestiegen ist. Dies geht aus Zahlen der staatlichen Statistikbehörde Statistics South Africa hervor.
Das Land verfügt über fast 16 GW installierte Kapazität an erneuerbaren Energien. Weitere 32 GW befinden sich in den Warteschlangen für den Netzanschluss. Besonders der Ausbau von Solaranlagen auf Dächern zeigt beeindruckende Zahlen: In den drei Jahren bis 2025 stieg die Zahl der Haushalte mit Solaranlagen um 86 % auf 675.000.
Hintergrund: Lastabwurf und Energiesicherheit
Ein wesentlicher Treiber für den Kauf von Heimspeichersystemen in Südafrika ist die Instabilität des Eskom-Netzes. Häufige Lastabwürfe, bekannt als „Load-Shedding“, führen zu Stromausfällen. Diese Situation hat viele Haushalte dazu bewogen, in eigene Energiesysteme zu investieren, um sich vor Unterbrechungen zu schützen.
Obwohl die Häufigkeit der Lastabwürfe in letzter Zeit zurückgegangen ist, bleiben die Batterien oft ungenutzt. Das virtuelle Kraftwerk von Plentify zielt darauf ab, diese ruhenden Kapazitäten nutzbar zu machen.
Von der Resilienz zur Wertschöpfung
Jon Kornik von Plentify merkt an, dass über 90 % der an Privatkunden verkauften Solaranlagen in Südafrika Batterien beinhalten. Diese Batterien liegen jedoch oft für große Teile des Tages brach, da die Lastabwürfe, die Südafrikas „einzigartige“ Energiewende vorantrieben, zurückgegangen sind.
„Jahrelang investierten südafrikanische Haushalte in Deye-Solarspeicher, um ihre Häuser vor störenden Stromausfällen zu schützen“, sagt Colin Chang, Deye Cloud Director. „Die heutige Partnerschaft mit Plentify verwandelt diese Resilienz-Investition in ein Asset, das fortlaufende Erträge liefern kann. Deye stand schon immer für die Energieunabhängigkeit der Haushalte.“
Diese Umwandlung von einem reinen Schutzsystem in eine aktive Einnahmequelle ist ein entscheidender Schritt. Haushalte können nun nicht nur ihre eigene Energieunabhängigkeit sichern, sondern auch aktiv zur Stabilität des nationalen Stromnetzes beitragen.
Integration weiterer Haustechnik
Plentifys Energieverwaltungslösung umfasst auch die Steuerung von elektrischen Warmwasserbereitern, sogenannten Geysiren, die in südafrikanischen Haushalten weit verbreitet sind. Durch die Kooperation wird Deye zudem Plentifys intelligenten Geyser-Controller namens HotBot vermarkten.
Dies bietet Kunden zusätzliche Möglichkeiten, Kosten zu senken. Gleichzeitig tragen sie zur Flexibilität des Netzes bei. Die intelligente Steuerung von Warmwasserbereitern kann den Stromverbrauch in Zeiten geringer Netzauslastung verschieben und so Spitzenlasten reduzieren.
Ausblick für die dezentrale Energiewende
Die Partnerschaft zwischen Plentify und Deye ist ein klares Zeichen für die wachsende Bedeutung dezentraler Energiesysteme. Sie zeigt, wie private Investitionen in Solarenergie und Batteriespeicher nicht nur individuelle Vorteile bringen, sondern auch das gesamte Stromnetz stärken können.
Südafrika könnte mit diesem Modell einen Weg aufzeigen, wie Länder mit instabiler Netzinfrastruktur die Energiewende durch die Nutzung bereits installierter dezentraler Ressourcen beschleunigen können. Es ist ein Beispiel dafür, wie Technologie und Partnerschaften die Herausforderungen der Energieversorgung meistern können.





