Europa erlebt einen Aufschwung im Bereich der Batteriespeichertechnologie. Zwei bedeutende Projekte, eine Gigafabrik von Eni in Italien und eine Batteriefabrik von Hithium in Spanien, markieren wichtige Schritte zur Stärkung der europäischen Produktionskapazitäten. Diese Entwicklungen sind entscheidend für die Energiewende und die Reduzierung der Abhängigkeit von außereuropäischen Märkten.
Wichtige Erkenntnisse
- Eni Storage Systems baut eine LFP-Zellen-Gigafabrik in Brindisi, Italien, mit 16 GWh Kapazität bis 2030.
- Hithium erhält 81 Millionen Euro Zuschuss für eine Batteriefabrik in Navarra, Spanien, mit einer Gesamtinvestition von 405 Millionen Euro.
- Beide Projekte zielen darauf ab, die europäische Autonomie bei Energiespeichern zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen.
- Der Fokus liegt auf Lithium-Eisenphosphat (LFP)-Batterien für Energiespeichersysteme (BESS).
Eni startet Gigafabrik in Brindisi
Eni Storage Systems, der Energiespeicherzweig des italienischen Öl- und Gaskonzerns Eni, hat den Bau seiner Lithium-Eisenphosphat (LFP)-Batteriefabrik in Brindisi, Italien, begonnen. Diese Fabrik wird hauptsächlich LFP-Zellen für Batteriespeichersysteme (BESS) herstellen. Die Zellen sind für die Speicherung erneuerbarer Energien unerlässlich.
Die Grundsteinlegung fand auf einem ehemaligen Industriegelände statt, das zuvor für Polymerlagerung genutzt wurde. Italiens Minister für Unternehmen und Made in Italy, Adolfo Urso, nahm an der Zeremonie teil. Der Baubeginn folgt auf eine umfassende Planungsphase, die im September 2025 mit ersten technischen, wirtschaftlichen und genehmigungsrechtlichen Bewertungen begann.
Faktencheck Eni
- Standort: Brindisi, Italien
- Produkttyp: Lithium-Eisenphosphat (LFP) Zellen
- Anwendung: Batteriespeichersysteme (BESS)
- Geplante Kapazität: 16 GWh pro Jahr bis 2030 (geteilt mit Teverola)
Umfassende Wertschöpfungskette geplant
Das Projekt umfasst nicht nur die Herstellung von LFP-Zellen, sondern auch eine BESS-Montageanlage. Diese Anlage wird Module von Enis Joint-Venture-Partner Seri Industrial nutzen, die aus einer Produktionsstätte in Teverola stammen. Eine zweite Phase sieht vor, dass der Standort Brindisi auch die Produktion von LFP-Kathodenaktivmaterialien und Batterie-Recyclinganlagen beherbergt.
Giuseppe Ricci, COO für industrielle Transformation bei Eni, betonte die Bedeutung des Projekts:
"Diese Investition wird eine innovative lokale Wertschöpfungskette schaffen, die Arbeitsplätze generiert und die strategische Autonomie von Nicht-EU-Märkten stärkt, während Emissionen reduziert werden, ohne die Wettbewerbsfähigkeit zu beeinträchtigen. Unser Modell der industriellen Transformation, das größere ökologische Nachhaltigkeit, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Energiesicherheit miteinander verbindet, ist nun eine greifbare Realität."
Eni hat zudem kürzlich eine Vereinbarung zur Übernahme einer 25%-Beteiligung an einem Lithiumprojekt in Chile von EnergyX bekannt gegeben. Die Gesamtinvestition beläuft sich für Eni auf 225 Millionen US-Dollar. Dies unterstreicht das Engagement des Unternehmens in der gesamten Wertschöpfungskette der Batterietechnologie.
Hintergrund: Europas Batteriemarkt
Der europäische Batteriemarkt hat in den letzten Jahren Herausforderungen erlebt. Einige vielversprechende europäische Batterieprojekte (wie Northvolt, Freyr und Morrow) standen vor Schwierigkeiten. Gleichzeitig reduzieren Automobilhersteller ihre Ambitionen aufgrund des intensiven Wettbewerbs aus China. Dennoch schreiten einige Projekte voran, und chinesische sowie koreanische Firmen etablieren lokale Produktionsstätten. Für chinesische Unternehmen dient dies auch dazu, zukünftigen Beschränkungen für chinesische Technologie auf dem europäischen Markt für saubere Energie entgegenzuwirken. Ein EU-Finanzierungsverbot für chinesische Wechselrichter in Solar- und BESS-Anlagen war kürzlich ein großes Thema bei der Intersolar.
Hithium erhält Millionen-Zuschuss in Spanien
Das chinesische Unternehmen Hithium, ein Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien für BESS, hat einen Zuschuss von 81 Millionen Euro für seine Batterie- und BESS-Anlage in Navarra, Spanien, erhalten. Die spanische Regierung vergab diesen Zuschuss im Rahmen des RENOVAL 2-Programms, das Ende Juni vom Institut für Diversifizierung und Energieeinsparung (IDAE) bekannt gegeben wurde.
Hithiums Auszeichnung ist Teil eines 162 Millionen Euro schweren Pakets für die Herstellung sauberer Energie, das an 40 Projekte vergeben wurde, die Batterien, Solar- und andere saubere Energietechnologien entwickeln wollen. Obwohl es zehn weitere Batterieprojekte unter den Gewinnern gibt, ist Hithiums Projekt mit Abstand das größte und macht die Hälfte des gesamten Topfes aus.
Faktencheck Hithium
- Standort: Navarra, Spanien
- Zuschuss: 81 Millionen Euro von der spanischen Regierung
- Gesamtinvestition: 405 Millionen Euro
- Produkttyp: BESS-Zellen und Montage
Strategische Investition in Südeuropa
Das Projekt wird unter der Tochtergesellschaft Hithium Spain Innovation S.A.U. entwickelt. Die Gesamtinvestition für die Anlage wird 405 Millionen Euro betragen. Bereits im April dieses Jahres unterzeichneten Hithium und die Regionalregierung von Navarra eine Vereinbarung zum Bau und Betrieb der BESS-Zellen- und Montage-Gigafabrik. Die Unterzeichnung erfolgte in Anwesenheit des spanischen Premierministers.
Obwohl Hithium noch keine detaillierten Angaben zur genauen Größe, Kapazität oder zum Zeitplan der Fabrik gemacht hat, deutet die Investition von über 400 Millionen Euro auf ein umfangreiches Vorhaben hin. Diese Investitionen unterstreichen die wachsende Bedeutung Südeuropas als Standort für die Batterieproduktion und Energiespeichertechnologien.
Ausblick für die europäische Energiespeicherbranche
Die Projekte von Eni und Hithium sind wichtige Indikatoren für die Resilienz und das Wachstumspotenzial der europäischen Energiespeicherbranche. Sie tragen dazu bei, die Abhängigkeit von Importen zu verringern und lokale Wertschöpfungsketten zu etablieren. Dies ist entscheidend für die Erreichung der Klimaziele und die Sicherstellung der Energieversorgung in Europa.
Die politische Unterstützung, wie der Zuschuss der spanischen Regierung, spielt eine entscheidende Rolle bei der Förderung dieser Großprojekte. Solche Initiativen sind notwendig, um Europa im globalen Wettbewerb um Schlüsseltechnologien zu positionieren und eine nachhaltige Zukunft zu gestalten.
Die Entwicklung robuster Energiespeichersysteme ist ein Schlüsselelement für die Integration erneuerbarer Energien in das Stromnetz. Mit diesen neuen Gigafabriken macht Europa einen weiteren Schritt in Richtung einer energieunabhängigeren und umweltfreundlicheren Zukunft.





