In Südaustralien entsteht eines der größten privat betriebenen Mikronetze außerhalb des Bergbausektors. Der australische Energieversorger AGL Energy realisiert für Koompartu Farms in der Region Riverland ein Solar- und Batteriespeichersystem. Dieses Projekt versorgt die größte Mandelplantage Südaustraliens mit grüner Energie und verbessert die Netzkapazität vor Ort erheblich.
Wichtige Fakten
- AGL Energy baut ein 9,2 MWp Solar- und 10,2 MWh Batteriespeichersystem.
- Das Mikronetz versorgt Koompartu Farms, eine der größten Mandelplantagen Australiens.
- Die Anlage deckt einen Energiebedarf von 6,7 MW und reduziert den Dieselverbrauch um 88%.
- Das Projekt umfasst 15.600 Solarmodule und 19 km Hochspannungsleitungen.
- Es ist das größte Agrar-Mikronetz, das AGL bisher realisiert hat.
Ein Projekt der Superlative
Das neue Mikronetz erstreckt sich über 15 Hektar auf dem Gelände von Koompartu Farms, nahe Monash. Es deckt den enormen Energiebedarf der Farm von 6,7 Megawatt (MW) ab. Die Anlage umfasst über 15.600 Solarmodule, die auf einachsig nachgeführten Systemen montiert sind und eine Spitzenleistung von 9,2 Megawattpeak (MWp) erreichen.
Herzstück des Systems ist ein Batteriespeicher mit einer Kapazität von 10,2 Megawattstunden (MWh). Dieser besteht aus vier einzelnen 2,55 MWh-Einheiten. Zusätzlich sind 16 Diesel-Notstromgeneratoren integriert, die die Versorgung bei Bedarf sicherstellen. Ein 19 Kilometer langes unterirdisches Hochspannungsnetz verbindet die Komponenten auf dem weitläufigen Gelände.
Zahlen und Fakten
- 9,2 MWp Solarenergie
- 10,2 MWh Batteriespeicherkapazität
- 15.600+ Solarmodule
- 19 km unterirdische Hochspannungsleitungen
- 88% Reduktion des Dieselverbrauchs erwartet
Energieversorgung für die Landwirtschaft der Zukunft
Koompartu Farms ist bekannt als die größte Mandelplantage in Südaustralien und zählt zu den größten des Landes. Das Mikronetz wird an das 11-kV-Verteilernetz von SA Power Networks angeschlossen. Die Solarstromerzeugung ergänzt die Netzversorgung, besonders wenn die Netzkapazität bei Spitzenlasten der Farm nicht ausreicht.
AGL hat das Projekt als 20-jährige Strombezugsvereinbarung (PPA) strukturiert. Dies bedeutet, AGL baut, besitzt, betreibt und wartet die Anlagen. Koompartu Farms bezieht den Strom, während das Management sich auf den landwirtschaftlichen Betrieb konzentrieren kann, ohne sich um die Energieinfrastruktur kümmern zu müssen.
„Dies ist ein einzigartiges Projekt. Es wurde entwickelt, um die lokale Netzkapazität zu verbessern und die erforderliche Zuverlässigkeit für den Betrieb kritischer Bewässerungssysteme zu gewährleisten.“
Nachhaltigkeit und Reduzierung der Emissionen
Der Bau des Mikronetzes ist ein wichtiger Schritt zur Emissionsreduzierung. Der Einsatz von Dieselgeneratoren wird voraussichtlich um 88 Prozent sinken. Dies zeigt, wie maßgeschneiderte Mikronetzlösungen Unternehmen dabei helfen können, Emissionen zu senken und die Widerstandsfähigkeit ihrer Energieversorgung zu verbessern.
Das Koompartu-Projekt ist das größte in einer Reihe von Agrar-Mikronetzentwicklungen, die AGL in Südaustralien und New South Wales (NSW) realisiert hat. Im Mai 2024 stellte AGL bereits ein 4,8 MW Solar- und 4,2 MWh Batteriespeichersystem für Cadell Orchards in der NSW Riverina fertig. Dort sank die Dieselabhängigkeit um 85 Prozent, und die Kohlenstoffemissionen wurden jährlich um bis zu 4.700 Tonnen reduziert. Ein weiteres Projekt umfasste ein 6,5 MW Solar- und 5,1 MWh Batteriespeichersystem auf der nahegelegenen Canally Almond Orchard.
Hintergrund: Mikronetze in Australien
Mikronetze spielen eine immer größere Rolle in Australien, besonders für kommerzielle und industrielle Kunden, die keinen einfachen Zugang zu netzgebundenen erneuerbaren Energien haben. Die Australian Renewable Energy Agency (ARENA) fördert den Einsatz von Mikronetzen mit gezielten Mitteln. Dies ist eine Reaktion auf die Herausforderungen in abgelegenen und semi-abgelegenen Gebieten, wo der Netzzugang oft begrenzt ist. Die dezentrale Erzeugung und Speicherung ist hier der praktischste Weg zur Dekarbonisierung.
Infrastruktur und Zukunftsperspektiven
Die Komplexität des Koompartu-Projekts wird durch das 19 Kilometer lange unterirdische Hochspannungsnetz auf dem 9.340 Hektar großen Gelände deutlich. Diese Infrastruktur ist notwendig, um einen Standort dieser Größe aus einer dezentralen Erzeugungsquelle zu versorgen. Die Arbeiten an den elektrischen Umspannwerken wurden von TGOOD Australia durchgeführt, die 11 miteinander verbundene Umspannwerk-Kioske mit einzigartigen Konfigurationen lieferten, um den Lastfluss auf dem Gelände zu steuern.
Das Mikronetz in Koompartu ist Teil einer breiteren Initiative zur Entwicklung dezentraler Energieinfrastrukturen für Kunden, die nicht einfach auf netzgebundene erneuerbare Energien zugreifen können. Das Modell wird auch außerhalb der Landwirtschaft eingesetzt. ARENA-finanzierte Projekte unterstützen beispielsweise feuerfeste Mikronetze in ländlichen Gebieten. Ein Beispiel ist ein Projekt von EDP, das 3 Millionen AUD für ein solches Mikronetz erhielt. Es zeigte, wie Solar, Batteriespeicher und Notstromerzeugung kombiniert werden können, um die Stromversorgung in Notfällen aufrechtzuerhalten, wenn Netzverbindungen ausfallen.
AGL engagiert sich nicht nur im Bereich der Mikronetze, sondern auch bei größeren Energieanlagen. Das Unternehmen erwarb 2025 das virtuelle Kraftwerk von Tesla in Südaustralien. Damit wurde ein Portfolio von Heimspeichern, die als dezentrale Ressource im National Electricity Market (NEM) koordiniert werden, in die Erzeugungs- und Einzelhandelsaktivitäten von AGL integriert.





