Unabhängige Stromerzeuger (IPPs) treiben die Energiewende in Europa mit innovativen Hybrid-Projekten voran. Zelestra, BNZ und ALFI sichern sich Finanzierungen und Abnahmeverträge, um Solaranlagen mit Batteriespeichersystemen (BESS) in Spanien, Italien, Portugal und Rumänien zu kombinieren. Diese Entwicklung markiert einen wichtigen Schritt zur Stabilisierung der Stromnetze und zur Optimierung der erneuerbaren Energieerzeugung.
Wichtige Erkenntnisse
- Zelestra hybridisiert Spaniens erste Solaranlage mit BESS in Cáceres.
- BNZ plant den Ausbau von 850 MW BESS-Kapazität in Südeuropa.
- ALFI und Kraftfeld errichten ein 126 MW Solar- und 200 MWh BESS-Projekt in Rumänien.
- Hybrid-Systeme lösen Probleme der Preiskannibalisierung und Stromnetz-Curtailment.
- EDP ist ein wichtiger Partner bei der Abnahme von Hybrid-Strom.
Erste Hybrid-PPA in Spanien: Zelestra und EDP
Der unabhängige Stromerzeuger Zelestra hat einen wegweisenden Stromabnahmevertrag (PPA) mit dem Energieunternehmen EDP unterzeichnet. Dieser Vertrag ermöglicht die Integration eines Batteriespeichersystems (BESS) in die bereits in Betrieb befindliche 50-MW-Solaranlage Pizarroso in Cáceres, Spanien. Die Anlage ist seit 2023 online und wird nun um ein 160 MWh BESS erweitert.
EDP, bereits Abnehmer des Solarstroms, wird das BESS nutzen, um das Energiemanagement und die Flexibilität des Systems zu verbessern. Zelestra betont, dass dies der erste PPA in Spanien ist, der die Hybridisierung einer bestehenden Photovoltaikanlage mit BESS ermöglicht.
Faktencheck
- Anlage: Pizarroso Solarpark
- Standort: Cáceres, Spanien
- Leistung Solar: 50 MW
- Kapazität BESS: 160 MWh
- Inbetriebnahme Solar: 2023
Bereits 2025 hatten die beiden Unternehmen einen ähnlichen PPA für eine neue Anlage unterzeichnet, der ebenfalls als erster seiner Art galt. Damals wurden sowohl die Solar- als auch die BESS-Komponenten von Grund auf neu errichtet. Stefano Breda, Chief Product Officer von Zelestra, bezeichnete diesen früheren Vertrag als „PPA 2.0“ und hob die Bedeutung für die Branche hervor.
Warum Hybridisierung? Die Vorteile von BESS
Der Trend geht weg von reinen Solar-PPAs hin zu Hybridlösungen. Dies liegt an mehreren Herausforderungen, denen Solaranlagenbetreiber gegenüberstehen. Dazu gehören sinkende PPA-Preise, die durch hohe Abregelung (Curtailment) und Preiskannibalisierung verursacht werden. Wenn zu viel Solarstrom gleichzeitig ins Netz eingespeist wird, fallen die Preise oft ins Bodenlose.
BESS-Systeme ermöglichen es Betreibern von Solaranlagen, die erzeugte Energie in den späteren Abend- und Nachtstunden einzuspeisen. Dies ist eine Zeit, in der der Strombedarf oft hoch ist und die Preise entsprechend steigen. Darüber hinaus können Batteriespeicher Netzdienstleistungen erbringen, die reine Solaranlagen nicht leisten können. Dazu gehören Regelenergie und die Teilnahme an Kapazitätsmärkten, welche die Netzstabilität sichern.
„Die Integration von Batteriespeichersystemen ist entscheidend, um die Wertschöpfung unserer Solaranlagen zu maximieren und das Stromnetz zu stabilisieren“, so ein Branchenexperte.
BNZ setzt auf Energiespeicherung in Südeuropa
Der IPP BNZ, eine Tochtergesellschaft von Nuveen Infrastructure, hat ambitionierte Pläne zum Ausbau seiner BESS-Kapazitäten. Das Unternehmen plant, 850 MW an Batteriespeicherleistung in seinem Solar-PV-Portfolio in Spanien, Italien und Portugal hinzuzufügen. BNZ sieht das Energiemanagement und die Hybridisierung als Kern seines Geschäftsmodells.
In einer ersten Phase sollen 530 MW BESS-Kapazität in den Jahren 2026 und 2027 implementiert werden. Davon entfallen 260 MW auf Spanien, 210 MW auf Italien und 60 MW auf Portugal. Die genaue Speicherdauer der Systeme wurde nicht bekannt gegeben.
Hintergrund: BNZ und Nuveen Infrastructure
BNZ ist ein unabhängiger Stromerzeuger, der sich auf erneuerbare Energien konzentriert. Das Unternehmen gehört zu Nuveen Infrastructure, einem globalen Investor, der in Infrastrukturprojekte investiert. Nuveen Infrastructure hat ein starkes Interesse an der Entwicklung von Energiespeicherlösungen in Südeuropa.
Luis Selva, CEO von BNZ, betonte die strategische Neuausrichtung des Unternehmens. Diese Verschiebung soll es BNZ ermöglichen, „fortschrittliches Energiemanagement anzuwenden, um die Rolle eines traditionellen Entwicklers zu überwinden und unsere Position als umfassender strategischer Partner zu festigen, der in der Lage ist, Energie intelligent zu managen, um die Leistung und Flexibilität unserer gesamten Infrastruktur zu optimieren.“
Rumänien wird zum Hotspot für Großspeicher
Auch in Rumänien schreitet die Entwicklung von Hybrid-Projekten zügig voran. Der Investor Alfi Green Energy Fund und der Entwickler Kraftfeld Energy haben eine Transaktion abgeschlossen, um ein Joint Venture (65:35 %) zu gründen. Dieses Joint Venture entwickelt ein Projekt, das eine 126 MW Solaranlage mit einem 200 MWh BESS kombiniert.
Der Bau des Projekts ist bereits im Gange, und der kommerzielle Betrieb soll Anfang 2027 beginnen. Für dieses Vorhaben wurde eine Projektfinanzierung in Höhe von 90 Millionen Euro (ca. 105 Millionen US-Dollar) gesichert, wobei die Raiffeisen Bank International AG als Agent fungiert.
Projekt Alfi/Kraftfeld
- Land: Rumänien
- Leistung Solar: 126 MW
- Kapazität BESS: 200 MWh
- Finanzierung: 90 Mio. Euro
- Geplanter Start: Anfang 2027
Rumänien hat sich schnell zu einem der aktivsten Märkte für große BESS-Anlagen in Europa entwickelt. Diese Entwicklung ist entscheidend, um die Integration erneuerbarer Energien in das nationale Netz zu erleichtern und die Energiesicherheit des Landes zu stärken. Die Kombination aus Solar- und Batteriespeicherprojekten bietet eine robuste Lösung für die Herausforderungen der volatilen Energieerzeugung.
Die Zukunft der Energieversorgung
Die aktuellen Projekte von Zelestra, BNZ und ALFI zeigen deutlich, dass die Hybridisierung von Solaranlagen mit Batteriespeichern die Zukunft der Energieversorgung in Europa maßgeblich prägen wird. Durch die Fähigkeit, Strom zu speichern und bei Bedarf abzugeben, können diese Systeme die Effizienz erneuerbarer Energien erheblich steigern und gleichzeitig die Stabilität der Stromnetze gewährleisten.
Die strategischen Investitionen in BESS-Technologien sind eine direkte Antwort auf die Notwendigkeit, die Energieerzeugung zu flexibilisieren und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen weiter zu reduzieren. Es ist ein klarer Trend, dass immer mehr Energieunternehmen und Investoren in diese zukunftsweisenden Technologien investieren, um die Energiewende voranzutreiben und eine nachhaltigere Zukunft zu gestalten.





