Der Hafen CentrePort in Wellington, Neuseeland, steht vor einer bedeutenden Transformation: Ein 750kW/1.5MWh Batteriespeichersystem soll die Elektrifizierung des Betriebs vorantreiben. Dieses Projekt, unterstützt durch ein zinsloses Darlehen der Regierungsorganisation Ara Ake, soll Engpässe in der Stromversorgung lösen und kostspielige Netzausbauten vermeiden. Es zeigt, wie moderne Speichertechnologien auch in Märkten mit hohem Anteil erneuerbarer Energien neue Wege eröffnen.
Wichtige Erkenntnisse
- CentrePort Wellington implementiert einen Batteriespeicher zur Bewältigung des steigenden Strombedarfs.
- Das System vermeidet teure Netzausbaukosten von bis zu 30 Millionen NZD.
- Der Wert des Speichers liegt primär im Lastspitzenmanagement und weniger im Großhandelsarbitrage.
- Neuseelands fragmentierter Strommarkt mit 29 Netzbetreibern stellt eine Herausforderung dar.
- Spezifische Zählerkonfigurationen sind entscheidend für die Wirtschaftlichkeit solcher Projekte.
Herausforderungen durch steigenden Energiebedarf im Hafen
CentrePort Wellington plant in den kommenden Jahren eine massive Erweiterung seiner Kapazitäten. Dies erfordert einen zusätzlichen Strombedarf von bis zu 25 Megawatt. Ein Großteil dieser zusätzlichen Leistung wird für die Landstromversorgung von Schiffen benötigt. Kreuzfahrt- und Containerschiffe sollen im Hafen elektrisch versorgt werden, anstatt fossile Brennstoffe zu verbrennen. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Dekarbonisierung des Schiffsverkehrs.
Die Infrastruktur vor Ort ist jedoch bereits an ihrer Kapazitätsgrenze. „Das lokale Netz ist bereits ausgelastet, und der Netzanschlusspunkt liegt weit entfernt“, erklärt Tim Edmonds, Leiter der Beratung bei Simply Energy NZ. „Die Anbindung eines neuen Kabels zur Versorgung des Standorts würde mindestens 20 bis 30 Millionen NZD kosten.“
Faktencheck
- Zusätzlicher Kapazitätsbedarf: 25 MW in den nächsten Jahren.
- Kosten für Netzausbau: 20-30 Millionen NZD (ca. 12-18 Millionen US-Dollar).
- Batteriespeicher-Kapazität: 750 kW / 1,5 MWh.
Die hohe Auslastung des Netzes, kombiniert mit den geografischen Gegebenheiten – der Netzanschlusspunkt liegt unter der Hauptverkehrsstraße State Highway 1 – macht einen traditionellen Netzausbau extrem schwierig und teuer. Hier setzt die Batteriespeicherlösung an.
Batteriespeicher als Schlüssel zur Kapazitätserweiterung
Die Lastprofile des Hafens zeigen, dass der Bedarf hauptsächlich in Spitzenzeiten auftritt. „Der Standort ist bereits ausgelastet, aber es handelt sich wirklich um eine Spitzenlast“, so Edmonds. „Hier können Batterien ins Spiel kommen. Wir können ziemlich einfach fast ein weiteres Megawatt an Kapazität hinzufügen, indem wir dieses Batteriespeichersystem installieren, um einige dieser Elektrifizierungsprojekte zu unterstützen.“
Hintergrund: Ara Ake
Ara Ake ist eine neuseeländische Regierungsinitiative, die sich der Beschleunigung der Energiewende widmet. Sie unterstützt innovative Projekte im Bereich erneuerbarer Energien und Energiespeicher, um Neuseelands Klimaziele zu erreichen und die Energieversorgung zu sichern.
Das Projekt, das von Ara Ake mit einem zinslosen Darlehen gefördert wird, dient auch als Lernplattform. Obwohl die Rentabilität des aktuellen Projekts noch nicht vollständig positiv ist, bietet es dem Hafen wertvolle Erfahrungen für zukünftige, größere Elektrifizierungsvorhaben. Das Ziel ist es, Kapazitäten zu schaffen und weitere Projekte voranzutreiben.
Wirtschaftlichkeit im neuseeländischen Markt
Die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichersystemen in Neuseeland unterscheidet sich von anderen Märkten. Neuseeland verfügt über einen hohen Anteil erneuerbarer Energien, der etwa 90% der gesamten Stromerzeugung ausmacht. Im letzten Sommer erreichte dieser Wert sogar 96%. Das Land besitzt zudem eine umfangreiche Wasserkraftinfrastruktur mit Speicherkapazitäten von bis zu 4.000 GWh.
Diese Faktoren führen zu einer geringen Volatilität der Großhandelspreise. „Im Gegensatz zu Australien, wo es über lange Zeiträume negative Preise und hohe Intraday-Volatilität gibt, haben wir in Neuseeland keine negativen Preise und kaum Intraday-Volatilität“, erklärt Edmonds. „Für eine Batterie gibt es im Großhandelsmarkt nicht viel Geld zu verdienen.“
Der größte Wertbeitrag des Batteriespeichersystems liegt daher im Management von Bedarfsspitzen. Jade Jackson, Leiterin der Energiewende bei Simply Energy NZ, erläutert die Tarifstruktur von Wellington Electricity: „Es gibt eine sehr starke Bedarfsspitze am Morgen und am Abend, jeweils zwei Stunden. Diese macht in der Regel etwa 60% des Netzentgelts für die meisten Kunden aus.“
„Die lokale Netzstruktur ist bereits an der Kapazitätsgrenze, und die Kosten für einen Netzausbau wären enorm. Batteriespeicher bieten hier eine schnelle und effiziente Lösung.“
Zusätzliche Einnahmen generiert das System aus dem neuseeländischen Reservemarkt, vergleichbar mit dem FCAS-Markt in Australien. Allerdings ist auch hier ein Rückgang der Marktwerte zu beobachten, ähnlich wie in Australien.
Herausforderungen durch Marktfragmentierung und Regulierung
Ein strukturelles Problem in Neuseeland ist die Marktfragmentierung. „Wir haben in Neuseeland 29 verschiedene Verteilnetzbetreiber (DNSPs)“, sagt Jackson. „Das bedeutet, es gibt 29 verschiedene Preisgestaltungsmethoden und Preisstrukturen.“ Diese Vielfalt erfordert eine detaillierte Vorabprüfung und Analyse für jedes einzelne Batteriespeicherprojekt.
Die regulatorischen Rahmenbedingungen erhöhen die Komplexität zusätzlich. „Alle fünf Jahre wird für die nächsten fünf Jahre ein Preisrahmen für alle unsere Netze, für die DNSPs, festgelegt“, so Jackson. „Bei Anlagen mit einer Lebensdauer von 10 bis 20 Jahren ist es wichtig zu verstehen, dass die heutigen Preise nicht die Preise der nächsten 10 bis 20 Jahre sein werden. Daher müssen wir unsere Modellierungen nutzen, um zu sehen, ob man die Kosten über- oder unterschätzt.“
Die Bedeutung der Zählerkonfiguration
Die korrekte Zählerkonfiguration ist entscheidend für den Erfolg solcher Projekte. Traditionelle Zählersysteme schaffen Herausforderungen durch ihre Anschlusspunkte (ICPs). Diese trennen dezentrale Energiequellen wie Solaranlagen und Batterien voneinander. Dies begrenzt Möglichkeiten für Energiearbitrage und Lastspitzenmanagement erheblich, wenn die Anlagen durch diese Zählergrenzen getrennt sind.
Jackson schlägt mehrere Lösungen vor: „Physische Zähleränderungen beinhalten die Installation von Hochspannungszählern und die Entfernung dieser mehreren Anschlusspunkte. Dies ermöglicht es, Solaranlagen und Batterien gemeinsam zur Lastspitzensteuerung zu nutzen und Folgeströme auf dem Gelände zu teilen.“ Allerdings können die anfänglichen Kosten hierfür je nach Geschäftsmodell erheblich sein.
Eingebettete Netze bieten eine weitere praktikable Lösung. Sie ermöglichen es Mietern, ihren Stromzähler und Lieferanten in Neuseeland selbst zu wählen. Im CentrePort können mehrere Mieter, darunter ein Stadion und ein Fährunternehmen, ihre eigenen kommerziellen Energievereinbarungen aushandeln, während sie die Netzkosten über die eingebettete Netzinfrastruktur teilen.
Neuseelands Energiebilanz
- Anteil erneuerbarer Energien: ca. 90% (bis zu 96% im Sommer).
- Wasserkraft-Speicher: bis zu 4.000 GWh.
- Anzahl der Netzbetreiber: 29 verschiedene.
Das Projekt in Wellington ist ein wichtiges Beispiel dafür, wie Batteriespeichertechnologien dazu beitragen können, die Energiewende voranzutreiben und die Infrastruktur moderner Häfen zukunftssicher zu machen, selbst in komplexen Marktstrukturen.





