Die US-amerikanische Batterierecycling-Branche sieht sich erheblichen Schwierigkeiten gegenüber. Zwei führende Unternehmen, Redwood Materials und Ascend Elements, haben in jüngster Zeit mit Rückschlägen zu kämpfen. Redwood Materials hat Berichten zufolge rund 135 Mitarbeiter entlassen, während Ascend Elements Insolvenz nach Chapter 11 beantragt hat. Diese Entwicklungen unterstreichen die komplexen und kapitalintensiven Herausforderungen, denen sich der Sektor stellen muss.
Wichtige Erkenntnisse
- Redwood Materials entlässt 10% der Belegschaft (ca. 135 Mitarbeiter) trotz frischer Finanzierung.
- Ascend Elements beantragt Insolvenz nach Chapter 11 aufgrund finanzieller Schwierigkeiten.
- Sinkende Preise für neue Batteriematerialien aus China beeinträchtigen die Rentabilität des Recyclings.
- Beide Unternehmen betonen die Bedeutung ihrer Technologien und die langfristige Vision einer Kreislaufwirtschaft.
- Die Branche ist kapitalintensiv und benötigt Skaleneffekte, um profitabel zu sein.
Redwood Materials strafft die Organisation
Redwood Materials, ein bekanntes Unternehmen im Bereich Batterierecycling und -materialien, hat etwa 135 Mitarbeiter entlassen. Dies entspricht rund 10% der gesamten Belegschaft. Die Maßnahme erfolgte nur fünf Monate nach einer ähnlichen Reduzierung um 5% und einer Finanzierungsrunde von 425 Millionen US-Dollar.
Der Gründer und CEO von Redwood, JB Straubel, versicherte den verbleibenden Mitarbeitern, dass das Unternehmen stärker sei als je zuvor. Er betonte, dass das Materialgeschäft auf dem Weg zur Profitabilität sei und eine vielversprechende Zukunft vor sich habe.
„Redwood heute ist stärker als je zuvor. Das Materialgeschäft ist auf dem besten Weg zur Profitabilität und hat eine spannende Roadmap vor sich.“
JB Straubel, CEO von Redwood Materials
Fokus auf Energiespeichergeschäft
Straubel hob in seiner Mitteilung die Bedeutung des neuen Energiespeichergeschäfts des Unternehmens hervor. Redwood hatte im Juni 2025 seine Energiespeicher-Sparte, Redwood Energy, gegründet. Diese baut auf dem primären Recyclinggeschäft auf, das jährlich 20 GWh Batterien verarbeitet.
Das Unternehmen konzentriert sich darauf, gebrauchte Batterien aus Elektrofahrzeugen (EV) mit verbleibender Kapazität für stationäre Speicheranwendungen wiederzuverwenden. Zielgruppen sind Hyperscaler, KI-Rechenzentren und Entwickler erneuerbarer Energien, die schnell große Leistungskapazitäten benötigen.
Wichtige Fakten zu Redwood Materials
- Mitarbeiterentlassungen: ca. 135 (10% der Belegschaft).
- Finanzierungsrunde: 425 Millionen US-Dollar in Series E.
- Jährliche Recyclingkapazität: 20 GWh Batterien.
- Partnerschaften: Crusoe AI für KI-Rechenzentren, Rivian für EV-Batteriespeicher.
- Erstes Projekt: 10 MWh Speichersystem bei Rivian unter Verwendung von über 100 gebrauchten EV-Batteriepacks.
Im Januar beteiligte sich Google als Investor an der Series-E-Finanzierungsrunde, was Redwood als Vertrauensbeweis in seine Batteriespeichersysteme (BESS) wertete. Das Unternehmen kündigte kürzlich eine erweiterte Partnerschaft mit dem Rechenzentrums-Entwickler Crusoe AI an, um KI-Computing mit erneuerbaren Energien zu skalieren. Anfang des Monats wurde auch eine Vereinbarung mit dem US-Automobilhersteller Rivian bekannt gegeben. Redwood wird gebrauchte EV-Batteriepacks für ein Speichersystem in Rivians Produktionsstätte in Normal, Illinois, liefern.
Ascend Elements beantragt Insolvenz
Der Lithiumbatterie-Recycler Ascend Elements hat Anfang des Monats Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Linh Austin, Präsident und CEO des Unternehmens, beschrieb die Batterierecycling-Branche als „kapitalintensiv und komplex“.
Austin erklärte in einem Artikel die aktuelle Situation des Unternehmens. Er trat im März 2025 in das Unternehmen ein und war sich der früheren finanziellen und operativen Missstände bewusst. Dennoch glaubte er fest an die Batterierecycling-Technologie und die Mission des Unternehmens.
Hintergrund zu Chapter 11
Chapter 11 des US-Insolvenzrechts ermöglicht es Unternehmen, sich unter Gläubigerschutz zu restrukturieren, während der Geschäftsbetrieb fortgesetzt wird. Ziel ist es, das Unternehmen zu sanieren und Schulden abzubauen, um langfristig wieder profitabel zu werden.
Trotz der Zusammenstellung eines erfahrenen globalen Teams, der Sicherung von über 2 Milliarden US-Dollar an kommerziellen Vereinbarungen und eines Zuschusses von 320 Millionen US-Dollar in Polen erwiesen sich die finanziellen Probleme als unüberwindbar. Austin sieht den Chapter-11-Prozess als ein bewährtes Instrument, um Verbindlichkeiten zu restrukturieren und die Bilanz zu stärken, während der normale Betrieb unter der bestehenden Geschäftsführung fortgesetzt wird.
Wettbewerbsvorteil durch Hydro-to-Cathode-Technologie
Austin betonte, dass die Kernmission von Ascend unverändert bleibt: eine Kreislaufwirtschaft für kritische Batteriematerialien mithilfe seiner patentierten Hydro-to-Cathode-Technologie aufzubauen. Das Unternehmen wird seine Anlagen weiter betreiben, Kundenverpflichtungen einhalten – einschließlich des mehrjährigen Abnahmevertrags mit dem Rohstoffhändler Trafigura – und Projekte in Nordamerika und Europa vorantreiben.
Ascend Elements hebt seinen Wettbewerbsvorteil hervor: Die Produktion von Batteriematerialien erfolgt in einem einzigen Schritt, im Gegensatz zu den traditionellen mehrstufigen Prozessen. Dies ermöglicht Kostenparität mit asiatischen Produzenten und reduziert gleichzeitig die Emissionen um bis zu 90%.
Ascend Elements im Überblick
- Insolvenz: Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter 11.
- Technologie: Patentierte Hydro-to-Cathode-Technologie.
- Kommerzielle Vereinbarungen: Über 2 Milliarden US-Dollar gesichert.
- Projekte: Anlagen in Georgia, Kentucky und Polen (320 Mio. US-Dollar Zuschuss).
- Leistung: Erste US-Anlage zur Produktion von 99%+ reinem Lithiumcarbonat aus recycelten Batterien (2025).
Der CEO erklärte, dass die Anlage in Georgia im Jahr 2025 bewiesen habe, dass der Prozess im kommerziellen Maßstab funktioniert. Damit sei Ascend die erste US-Anlage, die 99%+ reines Lithiumcarbonat aus recycelten Batterien produziert. Austin betonte die Bedeutung der Restrukturierung, um die Ausrichtung zu klären und eine widerstandsfähige Lieferkette für Batteriematerialien aufzubauen, die langfristigen Wert für Mitarbeiter, Kunden und Investoren schafft.
Im Jahr 2024 kündigte das Unternehmen einen Vertrag zur Lieferung von NMC-Kathoden-Vorprodukten (pCAM) aus recycelten Materialien an. Dieser Vertrag mit einem ungenannten „großen US-Batteriehersteller“ sollte ursprünglich einen Wert von etwa 1 Milliarde US-Dollar haben und auf bis zu 5 Milliarden US-Dollar erweitert werden können.
Herausforderungen für die gesamte Branche
Die Schwierigkeiten von Redwood Materials und Ascend Elements spiegeln die breiteren Herausforderungen wider, denen sich die Batterierecycling-Industrie in den USA gegenübersieht. Ein wesentlicher Faktor sind die sinkenden Preise für neue Batterien und deren Komponenten aus China. Dies reduziert den Wert recycelter Materialien und erschwert es den Unternehmen, profitabel zu arbeiten.
Ein weiteres Beispiel ist Li-Cycle, ein weiteres nordamerikanisches Batterierecycling-Unternehmen, das letztes Jahr Insolvenz anmelden musste und anschließend vom Bergbaugiganten Glencore übernommen wurde. Dies zeigt, dass die Skalierung des Batterierecyclings in den USA ein schwieriges Unterfangen ist, das hohe Investitionen und eine stabile Marktlage erfordert.
Anpassung an Marktveränderungen
Straubel von Redwood Materials äußerte sich zuversichtlich, dass sein Unternehmen kritische Projekte mit einem kleineren, fokussierteren Team umsetzen kann. Er betonte, dass Redwood sich an Marktveränderungen angepasst habe, die Wettbewerber in den Ruin getrieben hätten. Er sei „begeisterter denn je“, das „integrierteste und kostengünstigste Geschäft für kritische Materialien und Energiespeicher der Welt“ aufzubauen, das sich selbst trägt und einzigartige Fähigkeiten besitzt.
Die Personalleiterin von Redwood teilte den betroffenen Mitarbeitern mit, dass die Entlassungen vorgenommen wurden, „um unseren Fokus, unsere Arbeit und die Größe unserer Teams zu schärfen“, um sie an die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens anzupassen. Die entlassenen Mitarbeiter erhalten Abfindungen, Krankenversicherungsleistungen und Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung.
Die aktuellen Ereignisse zeigen, dass die Entwicklung einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft für Batterien zwar dringend notwendig ist, der Weg dorthin jedoch von erheblichen wirtschaftlichen Hürden geprägt ist. Die Unternehmen müssen innovative Wege finden, um ihre Prozesse zu optimieren und trotz Preisschwankungen profitabel zu bleiben.





