Das US-amerikanische Unternehmen Lyten übernimmt die Kosten für den Erhalt und die Sicherung der Vermögenswerte der ehemaligen Northvolt-Baustelle bei Heide in Schleswig-Holstein. Dies ist ein entscheidender Schritt nach der Insolvenz des schwedischen Batterieherstellers Northvolt AB. Die Übernahme umfasst auch die Personalkosten des deutschen Northvolt-Ablegers, der rechtlich nicht insolvent ist.
Wichtige Punkte
- Lyten übernimmt die Kosten für die Northvolt-Baustelle bei Heide.
- Eine Exklusivitätsvereinbarung zwischen Lyten und Schleswig-Holstein wurde unterzeichnet.
- Das Ziel ist ein finaler Kaufvertrag im dritten Quartal.
- Lyten plant, den Standort zu einem Hub für saubere Batterieproduktion und KI-Infrastruktur zu entwickeln.
- Es sollen zunächst rund 1000 Arbeitsplätze entstehen.
Einigung nach monatelangen Verhandlungen
Nach monatelangen Verhandlungen über die Zukunft der deutschen Northvolt-Tochter und ihres Geländes bei Heide ist eine wichtige Hürde genommen. Lyten hat eine Absichtserklärung mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der „Northvolt Drei Project GmbH“ und deren Gesellschafterin „LG Batterie GmbH“ unterzeichnet.
Diese Vereinbarung sichert den Fortbestand des Standorts und die Beschäftigung der Mitarbeiter der deutschen Northvolt-Tochter. Im Gegenzug für die Übernahme der laufenden Kosten wurde eine Exklusivitätsvereinbarung zwischen dem Land Schleswig-Holstein und Lyten geschlossen.
Faktencheck
- Das Gelände bei Heide ist über 100 Hektar groß.
- Es wurde nach der Northvolt-Insolvenz auf mindestens elf Millionen Euro taxiert.
- Lyten soll für das Areal rund 60 Millionen Euro zahlen.
Zukünftige Pläne und Investitionen
Lyten-Chef und Mitgründer Dan Cook äußerte sich positiv über die langfristige Perspektive. Er kündigte an, dass Lyten plant, den Standort Drei zu einem deutschen Hub für saubere Batterieproduktion und industrielle Fertigung zu entwickeln. Auch KI-Infrastruktur soll dort angesiedelt werden.
„Für Lyten ist dies eine langfristig angelegte Investition mit einer Perspektive über mehrere Jahrzehnte“, sagte Dan Cook.
Der Standort in Schleswig-Holstein bietet laut Cook eine hohe Verfügbarkeit erneuerbarer Energien und qualifizierte regionale Talente. Dies sind wichtige Faktoren für die geplanten Innovationen.
Arbeitsplätze und Produktionsausrichtung
Ursprünglich wollte Northvolt eine Batteriefabrik mit 3000 Arbeitsplätzen errichten. Lyten plant zunächst deutlich kleiner. Rund 1000 Arbeitsplätze sollen auf dem Gelände entstehen. Das Geschäft soll nicht ausschließlich von Batterien für Elektrofahrzeuge abhängen.
Stattdessen plant Lyten die Produktion von Batterien für ein breites Anwendungsspektrum. Dazu gehören die Verteidigungsindustrie, stationäre Energiespeicherung, Mobilität und Elektrofahrzeuge.
Hintergrund der Übernahme
Ende Februar hatte Lyten bereits die Übernahme des insolventen schwedischen Teils von Northvolt abgeschlossen. Dazu gehörten die Stammfabrik in Skellefteå und das Entwicklungszentrum in Västerås. Schon damals hatte Lyten Interesse an dem Northvolt-Gelände bei Heide signalisiert.
Die Baustelle zwischen Norderwöhrden und Lohe Rickelshof bei Heide hatte vor der Insolvenz von Northvolt AB bereits umfangreiche Erdarbeiten und die Installation von Strom- und Versorgungsinfrastruktur erfahren. Diese Vorarbeiten bilden eine solide Grundlage für die Pläne von Lyten.
Finanzielle Aspekte
Die staatliche Förderbank KfW hatte Northvolt eine Wandelanleihe über 600 Millionen Euro für den Bau der Fabrik gewährt. Bund und Land bürgten jeweils zur Hälfte. Nach der Pleite konnten Bund und Land nur noch 153 Millionen Euro sichern. Der finanzielle Schaden für Schleswig-Holstein liegt damit bei rund 200 Millionen Euro.
Politische Reaktionen und Kritik
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zeigte sich erfreut über die Entwicklungen. Er erklärte, dass monatelange Verhandlungen über die deutsche Northvolt-Tochter in die Zielgerade gingen.
Aus der Opposition kam jedoch erneut Kritik am Umgang der Landesregierung mit dem Northvolt-Projekt. Der Rechnungshof hatte bereits bemängelt, dass die Förderung gegen die Haushaltsordnung verstieß. Das Verfassungsgericht entschied nach Klagen von FDP und SPD, dass der Landtag nicht ausreichend über Risiken informiert wurde.
Forderungen nach mehr Transparenz
„Die Entscheidungsgrundlage ist auch in diesem Fall nicht belastbar, sodass die Landesregierung dem Verkauf eigentlich nicht zustimmen kann“, sagte Ex-Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP). Der SPD-Wirtschaftspolitiker Kianusch Stender forderte eine belastbare Entscheidungsgrundlage. Sybilla Nitsch vom SSW betonte, nach Northvolt wäre Offenheit das Gebot der Stunde gewesen.
Trotz der Kritik bildet die Absichtserklärung eine wichtige Basis für die Übernahme. Sie schafft eine neue Zukunft für das Projekt und den Standort bei Heide. Der Kaufpreis soll im Fall eines Abschlusses jeweils zur Hälfte an Bund und Land gehen.





