Fluence, ein führender Anbieter von Energiespeichertechnologien, hat seine Prognose für das Geschäftsjahr 2026 angepasst. Dies geschieht trotz eines Rekordauftragseingangs und eines Auftragsbestands von 6,4 Milliarden US-Dollar. Produktionsverzögerungen in zwei neuen Fertigungsstätten belasten die aktuellen Umsatzzahlen.
Wichtige Erkenntnisse
- Fluence verzeichnete im dritten Quartal 2026 einen Rekordauftragseingang von 1,44 Milliarden US-Dollar.
- Der Auftragsbestand wuchs auf 6,4 Milliarden US-Dollar an.
- Produktionsverzögerungen führten zu einem Umsatzrückgang von 90 Millionen US-Dollar im dritten Quartal.
- Die EBITDA-Prognose für das Geschäftsjahr 2026 wurde von 40-60 Millionen US-Dollar auf einen Verlust angepasst.
- Fluence setzt auf heimische Produktion in den USA, um von Steuergutschriften zu profitieren.
Umsatzwachstum und unerwartete Rückschläge
Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 (Stichtag 30. Juni 2026) meldete Fluence einen Umsatz von 649,8 Millionen US-Dollar. Dies stellt eine Steigerung von fast 40 Prozent gegenüber dem Vorquartal (464,9 Millionen US-Dollar) dar und übertrifft den Umsatz des Vorjahresquartals (602,5 Millionen US-Dollar) um 7,8 Prozent.
Trotz dieser positiven Entwicklung blieb der Umsatz um etwa 90 Millionen US-Dollar hinter den Erwartungen zurück. Grund hierfür waren Produktionsverzögerungen in zwei neuen Vertragsfertigungsanlagen. Eine davon ist eine Fabrik für Batteriespeichersysteme (BESS) in Houston, Texas. Der Bau dieser Anlage verzögerte sich um drei Monate. Die Produktion hat dort nun begonnen.
Wichtige Zahlen im Überblick
- Q3 2026 Umsatz: 649,8 Millionen US-Dollar
- Umsatzrückgang gegenüber Erwartung: 90 Millionen US-Dollar
- Auftragseingang Q3 2026: 1,44 Milliarden US-Dollar
- Gesamter Auftragsbestand: 6,4 Milliarden US-Dollar
- Nettoverlust Q3 2026: 44,3 Millionen US-Dollar
Zusätzlich traten in einer Überseefabrik anfängliche Qualitätsprobleme auf. Die betroffenen Produkte wurden nach Abschluss der Korrekturarbeiten erneut versandt.
Finanzielle Einbußen und Profitabilitätswandel
Im Gegensatz zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025, in dem Fluence ein positives bereinigtes EBITDA von 27 Millionen US-Dollar verzeichnete, lag dieses im dritten Quartal 2026 bei minus 29,3 Millionen US-Dollar. Für die ersten neun Monate bis zum 30. Juni belief sich der Verlust auf 90,8 Millionen US-Dollar.
Der Nettoverlust für das Quartal betrug 44,3 Millionen US-Dollar. Im Vorjahr, Q3 2025, hatte Fluence noch einen Nettogewinn von 7 Millionen US-Dollar erzielt. Der bereinigte Bruttogewinn sank ebenfalls deutlich. Er lag bei 39 Millionen US-Dollar mit einer Marge von 5,9 Prozent. Im Q3 2025 waren es noch 93 Millionen US-Dollar und eine Marge von 15,4 Prozent.
„Obwohl die Produktion in diesem Jahr hinter unseren Erwartungen zurücklag, haben wir Schritte unternommen, um die angestrebten Produktionsniveaus Anfang des Geschäftsjahres 2027 zu erreichen.“
Fluence erklärte, der Bruttogewinn sei durch geringere Umsätze als erwartet beeinträchtigt worden. Zudem wirkten sich die Einführung neuer Produkte und Produktionsverzögerungen mit rund 15 Millionen US-Dollar aus. Weitere 15 Millionen US-Dollar entfielen auf Vorlaufkosten für eine geplante langfristige internationale Batteriezellen-Liefervereinbarung.
Rekordaufträge und der Aufstieg des Rechenzentrumsmarktes
Trotz der Herausforderungen verzeichnete Fluence im abgelaufenen Quartal einen beeindruckenden Auftragseingang von über 1,44 Milliarden US-Dollar. Der Auftragsbestand stieg im Vergleich zum Vorquartal um 14 Prozent auf 6,4 Milliarden US-Dollar.
Ein wesentlicher Treiber dieses Wachstums sind die ersten Aufträge aus dem Rechenzentrumssektor. Dieser Markt gilt als aufstrebendes Segment für Energiespeicherlösungen. Fluence konnte hier Geschäfte im Wert von 850 Millionen US-Dollar verbuchen. Dazu gehört ein Großauftrag über eine halbe Milliarde US-Dollar mit einem Hyperscaler sowie ein signifikanter Behind-the-Meter (BTM) Auftrag.
Hintergrund: Der Rechenzentrumsmarkt
Rechenzentren benötigen eine zuverlässige und unterbrechungsfreie Stromversorgung. Energiespeicherlösungen spielen eine entscheidende Rolle, um Schwankungen im Netz auszugleichen und die Verfügbarkeit sicherzustellen. Viele Energiespeicherunternehmen sehen in diesem Sektor ein enormes Wachstumspotenzial.
Die Fluence-Aktie hatte im Mai nach der Bekanntgabe der Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 einen Aufschwung erlebt. Damals bekräftigte das Unternehmen seine Prognose und kündigte erste große Rechenzentrumsaufträge an. Der Aktienkurs überschritt erstmals seit Januar die Marke von 20 US-Dollar. Zum gestrigen Handelsschluss lag der Kurs bei 14,23 US-Dollar. Dies ist deutlich über dem Tiefststand von unter 4 US-Dollar im April 2025, aber noch weit entfernt vom Höchststand von fast 40 US-Dollar kurz nach dem Börsengang Ende 2021.
Angepasste Prognose und strategische Ausrichtung
Fluence hat seine zuvor veröffentlichte Prognose für das Geschäftsjahr 2026 angepasst. Die Umsatzprognose lag ursprünglich bei 3,2 bis 3,6 Milliarden US-Dollar (Mittelwert 3,4 Milliarden US-Dollar). Das bereinigte EBITDA sollte zwischen 40 und 60 Millionen US-Dollar (Mittelwert 50 Millionen US-Dollar) liegen. Die wiederkehrenden jährlichen Umsätze (ARR) sollten bis zum Ende des Geschäftsjahres etwa 180 Millionen US-Dollar erreichen.
Die neuen Zahlen zeigen eine deutliche Anpassung. Das Unternehmen beendete das Quartal mit einer Gesamtliquidität von 863 Millionen US-Dollar. Fluence ist überzeugt, dass diese Liquidität die Wachstumspläne unterstützen wird. Die Liquiditätsprognose von rund 900 Millionen US-Dollar für das Jahresende wurde beibehalten.
Wichtige Strategiepunkte
- Fokus auf heimische Produktion und Lieferketten in den USA.
- Nutzung von Steuergutschriften aus dem Inflation Reduction Act (IRA).
- Beurteilung der Vorschriften für verbotene ausländische Einheiten (PFE) als "komplex, aber handhabbar".
Das Unternehmen setzt verstärkt auf heimische Produktion und Lieferketten in den USA. Dies soll sich auszahlen, da die Regeln für Steuergutschriften nach dem OBBBA (Omnibus Appropriations Act) die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Konkurrenten reduzieren.
Julian Nebreda, CEO und Präsident von Fluence, betonte, dass Fluence seine globale Produktionskapazität erhöht habe, um der steigenden Kundennachfrage gerecht zu werden.
„Mit sowohl Rekordauftragseingang als auch -bestand und zunehmender Dynamik in all unseren Kundensegmenten, einschließlich Rechenzentren, bleiben wir zuversichtlich hinsichtlich der langfristigen Chancen und unserer Positionierung, diese zu nutzen.“
Diese Aussage unterstreicht das Vertrauen des Unternehmens in seine langfristige Strategie, trotz der aktuellen Produktionsengpässe. Fluence ist für heute Morgen um 8:30 Uhr EST zu einer Telefonkonferenz angesetzt, um die Ergebnisse zu besprechen. Der vierteljährliche 10-Q-Bericht bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC steht noch aus.





