Die deutsche Leistungsbilanz hat im Juli 2026 einen deutlichen Überschuss von 21,2 Milliarden Euro erzielt. Dies ist eine Steigerung um 2,3 Milliarden Euro im Vergleich zum Vormonat. Hauptgrund für diesen Anstieg war ein größerer Überschuss im Warenhandel.
Gleichzeitig verzeichneten die sogenannten „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen, die Dienstleistungen sowie Primär- und Sekundäreinkommen umfassen, einen Rückgang ihres Überschusses. Diese Entwicklung zeigt eine Verschiebung innerhalb der Komponenten der Zahlungsbilanz.
Wichtige Erkenntnisse
- Leistungsbilanzüberschuss stieg im Juli auf 21,2 Mrd. Euro.
- Warenhandelsüberschuss erhöhte sich um 3,9 Mrd. Euro.
- Überschuss der 'unsichtbaren' Leistungstransaktionen sank.
- Netto-Kapitalimporte von 3,8 Mrd. Euro im Juli.
- Ausländische Investoren kauften deutsche Anleihen für 42,3 Mrd. Euro.
Warenhandel treibt Überschuss an
Der positive Saldo im Warenhandel vergrößerte sich im Berichtsmonat um 3,9 Milliarden Euro auf insgesamt 21,1 Milliarden Euro. Dies ist auf einen stärkeren Rückgang der Aufwendungen im Vergleich zu den Einkünften zurückzuführen. Diese Entwicklung unterstreicht die anhaltende Stärke des deutschen Exportsektors.
Die Exporteure profitierten von einer günstigen Nachfrage, während die Importeure ihre Ausgaben reduzieren konnten. Diese Kombination führte zu einem kräftigen Plus, das den Gesamtüberschuss maßgeblich beeinflusste.
Faktencheck
- Warenhandelsüberschuss: 21,1 Mrd. Euro im Juli.
- Anstieg gegenüber Vormonat: 3,9 Mrd. Euro.
- Leistungsbilanz gesamt: 21,2 Mrd. Euro Überschuss.
Rückgang bei Dienstleistungen und Sekundäreinkommen
Im Gegensatz zum Warenhandel ging der Überschuss bei den „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen um 1,6 Milliarden Euro zurück. Der Saldo war mit 0,1 Milliarden Euro nahezu ausgeglichen. Dieser Rückgang resultierte aus verschiedenen Faktoren.
Der Passivsaldo bei den Dienstleistungen vergrößerte sich um 1,1 Milliarden Euro auf 8,3 Milliarden Euro. Hier sanken die Einnahmen insgesamt, während die Ausgaben zunahmen. Dies lag vor allem an geringeren Nettoeinnahmen aus Gebühren für die Nutzung von geistigem Eigentum.
Zusätzlich gab es einen Umschwung zu Nettoaufwendungen bei den Telekommunikations-, EDV- und Informationsdienstleistungen. Diese Veränderungen deuten auf eine Schwächung in bestimmten Dienstleistungsbereichen hin.
„Die Dynamik der Leistungsbilanz ist vielschichtig. Während der Warenhandel robust bleibt, zeigen sich im Dienstleistungssektor und bei den Sekundäreinkommen neue Herausforderungen.“
Reiseverkehr und Primäreinkommen stabilisieren
Etwas gesunkene Aufwendungen im Reiseverkehr gegenüber dem hohen Juniwert und gleichzeitig gestiegene Reiseverkehrseinnahmen dämpften den Passivsaldo. Dies ist eine positive Entwicklung für den Tourismussektor.
Das Defizit bei den Sekundäreinkommen vergrößerte sich um 1,7 Milliarden Euro auf 6,7 Milliarden Euro. Hier spielten vor allem geringere staatliche Einkünfte aus laufenden Steuern auf Einkommen und Vermögen eine Rolle.
Demgegenüber stiegen die Nettoeinnahmen bei den Primäreinkommen um 1,2 Milliarden Euro auf 15,0 Milliarden Euro. Obwohl auch hier die Einkünfte sanken, gingen die Aufwendungen stärker zurück. Dies war vor allem auf geringere Dividendenzahlungen an Gebietsfremde für deren Wertpapierengagements zurückzuführen.
Netto-Kapitalimporte dominieren
Im Juli verzeichnete Deutschland Netto-Kapitalimporte von 3,8 Milliarden Euro. Dies steht im Gegensatz zu Netto-Kapitalexporten von 33,0 Milliarden Euro im Juni. Diese Trendwende zeigt eine erhöhte Attraktivität Deutschlands für ausländische Investoren.
Bei den Direktinvestitionen gab es Netto-Kapitalimporte von 9,3 Milliarden Euro. Ausländische Unternehmen erhöhten ihre Direktinvestitionen in Deutschland um 17,7 Milliarden Euro. Sie vergaben zusätzliche konzerninterne Kredite (14,5 Mrd. Euro) und stockten ihr Beteiligungskapital um 3,2 Milliarden Euro auf.
Inländische Unternehmen vergaben an ihre Niederlassungen in Deutschland per saldo ebenfalls zusätzliche Direktinvestitionsmittel (8,5 Mrd. Euro). Sie erhöhten sowohl das Beteiligungskapital (7,6 Mrd. Euro) als auch das konzerninterne Kreditvolumen (0,9 Mrd. Euro).
Hintergrund: Zahlungsbilanz
Die Zahlungsbilanz erfasst alle wirtschaftlichen Transaktionen zwischen Inländern und Ausländern in einer Periode. Sie besteht aus der Leistungsbilanz (Waren, Dienstleistungen, Einkommen, laufende Übertragungen) und der Kapitalbilanz (Direktinvestitionen, Wertpapierverkehr, Finanzderivate, übriger Kapitalverkehr).
Ein Überschuss in der Leistungsbilanz bedeutet, dass ein Land mehr exportiert als importiert und höhere Einnahmen aus dem Ausland erhält als es dorthin überweist.
Ausländische Investitionen in Wertpapieren
Im grenzüberschreitenden Wertpapierverkehr Deutschlands ergaben sich im Juli Netto-Kapitalimporte von 28,8 Milliarden Euro. Ausländische Investoren kauften per saldo deutsche Wertpapiere für 42,4 Milliarden Euro.
Dabei erwarben sie vor allem Anleihen (42,3 Mrd. Euro), insbesondere der öffentlichen Hand (30,6 Mrd. Euro). In geringem Umfang kauften sie auch Aktien (0,3 Mrd. Euro). Sie trennten sich hingegen von Investmentzertifikaten sowie Geldmarktpapieren (jeweils 0,1 Mrd. Euro).
Heimische Anleger fragten im Ergebnis ausländische Wertpapiere für 13,6 Milliarden Euro nach. Sie erwarben Investmentzertifikate (14,8 Mrd. Euro), Geldmarktpapiere (2,0 Mrd. Euro) und Anleihen (1,5 Mrd. Euro); hingegen trennten sie sich von Aktien (4,7 Mrd. Euro).
Finanzderivate und übriger Kapitalverkehr
Die Transaktionen mit Finanzderivaten führten im Juli per saldo zu Mittelzuflüssen von 5,5 Milliarden Euro. Der übrige Kapitalverkehr umfasst Finanz- und Handelskredite, Bankguthaben und sonstige Anlagen.
In diesem Bereich ergaben sich im Juli Netto-Kapitalexporte von 38,6 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür waren vornehmlich Dispositionen der Unternehmen und Privatpersonen (23,5 Mrd. Euro) sowie der Monetären Finanzinstitute ohne Bundesbank (13,1 Mrd. Euro).
Auch die Netto-Auslandsforderungen der Bundesbank bei den übrigen Kapitalanlagen stiegen um 2,3 Milliarden Euro. Dies war auf verringerte Einlagen von Ansässigen außerhalb des Euroraums zurückzuführen, während der TARGET-Saldo sank (6,1 Mrd. Euro).
Der Staat verzeichnete per saldo Netto-Kapitalimporte von 0,4 Milliarden Euro. Die Währungsreserven der Bundesbank stiegen im Juli – zu Transaktionswerten gerechnet – um 1,3 Milliarden Euro. Diese umfassenden Finanzströme spiegeln die komplexe Vernetzung der deutschen Wirtschaft mit dem globalen Finanzsystem wider.





