Eine europaweite Untersuchung aus dem Jahr 2021 hat gezeigt, dass jedes vierte Fitnessgerät besorgniserregende Schadstoffe enthalten kann. Dies betrifft Produkte wie Matten, Hanteln und Bälle, die in vielen Haushalten für Sport und Entspannung genutzt werden. Verbraucherzentralen weisen auf wichtige Kriterien hin, die beim Kauf beachtet werden sollten, um die eigene Gesundheit zu schützen.
Wichtige Erkenntnisse
- Jedes vierte Fitnessgerät kann Schadstoffe enthalten.
- Auffälliger Geruch deutet oft auf Schadstoffe hin.
- Produkte aus Weich-PVC sollten gemieden werden.
- Siegel wie Stiftung Warentest oder ÖKO-TEST bieten Orientierung.
Gefährliche Substanzen in Sportartikeln
Die alarmierenden Ergebnisse der LIFE AskReach-Studie von 2021 zeigen ein ernstes Problem auf. Von 82 untersuchten Sportartikeln, darunter Bälle, Hanteln, Matten und Springseile, enthielt ein Viertel gesundheitsschädliche Stoffe. Diese Substanzen können über Hautkontakt in den Körper gelangen und langfristig Probleme verursachen. Die Produktinformationen der Hersteller sind oft unzureichend, was die Auswahl sicherer Produkte erschwert.
Verbraucher stehen vor der Herausforderung, im breiten Angebot schadstoffarme Alternativen zu finden. Eine transparente Kennzeichnung der Materialien und Produktionsbedingungen ist selten. Auch Angaben zu Schadstoffuntersuchungen fehlen oft vollständig. Dies macht es notwendig, beim Kauf besonders wachsam zu sein und sich nicht allein auf Werbeversprechen zu verlassen.
Faktencheck
- 25% der getesteten Fitnessgeräte enthielten 2021 besorgniserregende Schadstoffe.
- Krebserregende PAK und schädliche Phthalat-Weichmacher wurden oft nachgewiesen.
- Das GS-Zeichen signalisiert die Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte.
Wie man Schadstoffe erkennt
Ein einfacher, aber wichtiger Hinweis auf mögliche Schadstoffe ist der Geruch eines Produkts. Bälle, Blöcke, Bänder, Hanteln und Matten sollten nicht auffällig riechen. Ein schmierölartiger, teerähnlicher oder nach Mottenkugeln riechender Geruch an Griffen kann auf krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) hindeuten.
Die Stiftung Warentest hat in ihren Tests immer wieder bedenkliche Ergebnisse veröffentlicht. Im Jahr 2022 wurden beispielsweise in sechs von acht getesteten Crosstrainern krebserregende PAK oder schädliche Phthalat-Weichmacher in Kunststoffteilen wie Handgriffen und Pulsmessern gefunden. Ähnlich schlecht fielen die Tests von Heimtrainern und Ergometern im Jahr 2023 aus. Positive Nachrichten gab es bei den 2024 getesteten Rudergeräten, bei denen die Stiftung Warentest keine Schadstoffe nachwies.
„Ein auffälliger Geruch ist oft der erste Indikator für potenziell schädliche Substanzen in Fitnessgeräten. Verbraucher sollten hier besonders sensibel sein und solche Produkte meiden.“
Siegel und Zertifikate als Orientierungshilfe
Siegel und Tests von unabhängigen Organisationen wie der Stiftung Warentest oder ÖKO-TEST können eine wertvolle Hilfe sein. Sie bieten eine Orientierung bei der Suche nach schadstoffarmen Produkten. Allerdings sind solche Siegel im Bereich der Fitnessgeräte eher selten oder decken nicht alle Aspekte ab. Auch das OEKO-TEX®-Siegel schließt bestimmte Materialien wie PVC oder antimikrobielle Ausrüstung nicht aus, und die Rohstoffe müssen nicht aus ökologischem Anbau stammen.
Angaben wie „frei von XY“ sind oft wenig aussagekräftig, da sie manchmal nur Stoffe nennen, die für das jeweilige Material ohnehin nicht relevant sind. Verbraucher sollten Fitnesszubehör zudem nur bei identifizierbaren Händlern mit Sitz in der EU bestellen, um im Falle von Problemen rechtliche Schritte einleiten zu können.
Hintergrund: Melden Sie Verdachtsfälle
Wer den Verdacht hat, dass ein Fitnessgerät Schadstoffe enthält, kann dies der Lebensmittelüberwachung melden. Diese Behörde kann chemische Untersuchungen von Bedarfsgegenständen mit Hautkontakt veranlassen. Es besteht auch die Möglichkeit, Händler oder Hersteller per App oder Musterbrief nach besonders besorgniserregenden Schadstoffen zu befragen.
Die Problematik von PVC in Fitnessartikeln
Viele Yoga- oder Fitnessmatten sowie Fitness-Bälle bestehen aus PVC (Polyvinylchlorid). Um dieses Material elastisch zu machen, werden Weichmacher zugesetzt. Diese Weichmacher bleiben nicht dauerhaft im Kunststoff, sondern werden im Laufe der Zeit freigesetzt. Einige Phthalat-Weichmacher können das menschliche Hormonsystem stören. Auch bestimmte sogenannte Ersatzweichmacher können vom Körper aufgenommen werden und sind als Abbauprodukte im Urin nachweisbar. Tierversuche zeigen, dass sie in höheren Konzentrationen die Nieren schädigen können.
PVC ist in der Vergangenheit in vielen Tests durch weitere gesundheitsschädliche Zusatzstoffe negativ aufgefallen. Verbraucher sollten daher möglichst Produkte aus Weich-PVC vermeiden, um das Risiko einer Exposition gegenüber diesen Chemikalien zu minimieren.
Antimikrobielle Ausrüstung: Fluch oder Segen?
Manche Hersteller statten ihre Produkte mit Silber oder anderen Substanzen aus, die gegen Mikroorganismen und Geruch wirken sollen. Diese Zusätze müssen jedoch oft nur dann angegeben werden, wenn explizit mit den antibakteriellen oder geruchshemmenden Eigenschaften geworben wird. Diese Substanzen belasten unnötig die Umwelt und können teilweise auch die Gesundheit beeinträchtigen. Daher sollte auf solche Ausrüstungen verzichtet werden.
Die regelmäßige Reinigung der Materialien wird durch chemische Ausrüstung ohnehin nicht ersetzt. Eine gute Hygiene ist der beste Schutz vor Keimen und Gerüchen.
Materialalternativen und worauf zu achten ist
Bei der Wahl von Fitnessmatten bieten sich verschiedene Materialien an:
- TPE (Thermoplastische Elastomere): Matten aus diesen aufgeschäumten Kunststoffen schnitten im Öko-Test 2019 gut ab. Sie benötigen keine Weichmacher und gelten als schadstoffarm.
- Kautschuk: Dieses Naturmaterial wird oft als Alternative beworben. Wer nicht nur auf Schadstofffreiheit, sondern auch auf gerechte Bezahlung Wert legt, sollte auf das „Fair Rubber“-Siegel achten. Kautschukmatten sind nicht immer frei von Schadstoffen; hier können Nitrosamine, PAK oder allergieauslösende Latexproteine relevant sein.
- Kork: Korkmatten bestehen oft nicht zu 100 Prozent aus dem nachwachsenden Rohstoff Kork. Die Rückseite ist häufig eine aufgeschäumte TPE- oder Kautschukschicht.
Die beste Materialwahl hängt von den individuellen Anforderungen an Rutsch- und Zugfestigkeit ab. Für eine fundierte Entscheidung sind Testergebnisse von ÖKO-TEST, Stiftung Warentest oder dem österreichischen Verein für Konsumenteninformation („Konsument“) eine gute Basis. Auch das dänische Verbrauchermagazin „Forbrugerrådet Tænk“ veröffentlichte Schadstofftests von Yogamatten aus Kunststoff oder Latex.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein bewusster Einkauf und das Achten auf Prüfsiegel und Geruchsneutralität entscheidend sind, um sich vor potenziellen Schadstoffen in Fitnessgeräten zu schützen. Die eigene Gesundheit sollte immer oberste Priorität haben.





