Ein gesundes Raumklima ist entscheidend für unser Wohlbefinden und die Bausubstanz unserer Wohnungen. Doch viele Menschen wissen nicht, wie sie durch richtiges Lüften und Heizen Schimmelbildung verhindern und frische Luft gewährleisten können. Die Verbraucherzentralen geben klare Empfehlungen, um Feuchtigkeitsprobleme und „dicke Luft“ effektiv zu bekämpfen.
Wichtige Erkenntnisse
- Regelmäßiges Stoß- oder Querlüften ist essenziell für frische Luft.
- Feuchtigkeit nach Duschen, Kochen oder Schlafen muss sofort abgeführt werden.
- Heizen und Lüften beugen Schimmel vor, besonders in gut gedämmten Gebäuden.
- Ein Thermo-Hygrometer hilft, die Luftfeuchtigkeit zu überwachen.
- Lüftungsanlagen können eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn man nicht ausreichend manuell lüften kann.
Warum Heizen und Lüften so wichtig sind
Die Luft in unseren Wohnräumen ist ständig Belastungen ausgesetzt. Beim Atmen wandeln Menschen und Tiere Sauerstoff in Kohlendioxid (CO₂) um. Dazu kommen Ausdünstungen, Gerüche von Möbeln und Baumaterialien. Eine hohe Konzentration dieser Stoffe kann zu Müdigkeit und Konzentrationsproblemen führen. Abgestandene Luft ist nicht nur unangenehm, sondern auch ungesund.
Ein weiteres großes Problem ist die Feuchtigkeit. Beim Duschen, Kochen oder Schlafen geben wir große Mengen Wasser an die Raumluft ab. Wird diese Feuchtigkeit nicht regelmäßig nach draußen befördert, kann sich Schimmel bilden. Dies betrifft sowohl ältere Gebäude mit undichten Fenstern als auch modern sanierte Häuser mit Wärmeschutzfenstern. Besonders hoch ist die Gefahr in unzureichend beheizten Räumen.
Faktencheck: Feuchtigkeit und Schimmel
Ein Mensch gibt pro Nacht bis zu einem halben Liter Wasser an die Raumluft ab. Das entspricht ungefähr der Menge, die bei einem Duschgang entsteht. Diese Feuchtigkeit muss durch Lüften abgeführt werden, um Schimmel vorzubeugen.
Das ideale Wohnklima: Temperatur und Feuchtigkeit
Ein behagliches Wohnklima zeichnet sich durch ein optimales Verhältnis von Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit aus. Die Verbraucherzentralen empfehlen eine Temperatur von 18 bis 22 Grad Celsius. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte dabei zwischen 40 und 60 Prozent liegen.
Um diese Werte zu überwachen, ist ein Thermo-Hygrometer hilfreich. Solche Geräte sind bereits für wenige Euro im Baumarkt erhältlich. Auch Smart-Home-Systeme können die Luftfeuchtigkeit über Sensoren im Blick behalten. Sinkt die Feuchtigkeit unter 30 Prozent, entsteht zwar kein Schimmel, aber die trockene Luft kann die Schleimhäute reizen. Liegt sie im Winter regelmäßig über 50 Prozent, steigt die Schimmelgefahr deutlich.
Hintergrund: Relative und absolute Luftfeuchte
Luft kann je nach Temperatur unterschiedlich viel Wasser aufnehmen. Je wärmer die Luft, desto mehr Wasser kann sie speichern. Bei 0 Grad Celsius nimmt ein Kubikmeter Luft maximal knapp fünf Gramm Wasser auf (100 Prozent relative Luftfeuchte). Bei 20 Grad Celsius sind es über 17 Gramm pro Kubikmeter. Beim Lüften wird kalte, feuchte Außenluft erwärmt. Dadurch sinkt die relative Luftfeuchtigkeit im Raum, und die Luft kann neue Feuchtigkeit aufnehmen, die dann beim nächsten Lüften abgeführt wird.
Schimmelpilze können bereits ab einer relativen Luftfeuchtigkeit von etwa 70 bis 80 Prozent direkt vor einer Wand wachsen. Dafür muss die Wand sich weder feucht anfühlen noch Kondenswasser sichtbar sein. Kondenswasser tritt erst bei 100 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit auf.
Besondere Vorsicht ist geboten: Liegt die relative Luftfeuchte in der Raummitte bei 50 Prozent, kann sie an kalten Oberflächen wie ungedämmten Außenwänden oder Wärmebrücken deutlich höher sein. Um Schimmel vorzubeugen, muss verhindert werden, dass sich feuchte Luft an kalten Oberflächen so stark abkühlt, dass die relative Luftfeuchtigkeit dort über 70 Prozent steigt. Daher ist es wichtig, kalte Oberflächen warm zu halten und die Raumluft nicht zu feucht werden zu lassen.
Die wichtigsten Lüftungsregeln im Überblick
Wie oft und wie lange gelüftet werden muss, hängt von vielen Faktoren ab: der Anzahl der Personen im Haushalt, der Isolation des Gebäudes, der Jahreszeit und der Lage der Wohnung. Allgemeine Empfehlungen sind daher schwierig, aber Grundregeln gibt es immer.
1. Regelmäßiges Stoß- oder Querlüften
Sorgen Sie für frische Luft, indem Sie mehrmals täglich kurz und kräftig lüften. Öffnen Sie dazu ein oder mehrere Fenster weit (Stoßlüften) oder schaffen Sie einen Durchzug durch die gesamte Wohnung (Querlüften). Im Winter reichen drei bis fünf Minuten, im Frühjahr oder Herbst können es zehn bis 20 Minuten sein. Aus hygienischen Gründen sollte die Luft mindestens drei bis vier Mal pro Tag komplett ausgetauscht werden. Auch wenn Sie tagsüber nicht zu Hause sind, ist morgens und abends lüften unerlässlich.
2. Feuchtigkeit sofort vertreiben
Nach dem Duschen, Baden und Kochen sollten Sie feuchte Luft sofort durch weit geöffnete Fenster abziehen lassen. Auch das Schlafzimmer muss direkt nach dem Aufstehen gut durchgelüftet und anschließend tagsüber auf mindestens 16 bis 18 Grad Celsius beheizt werden. Je höher die Luftfeuchtigkeit und je niedriger die Raumtemperatur, desto größer ist das Schimmelrisiko.
„Behalten Sie die Luftfeuchtigkeit im Blick – entweder mit einem Thermo-Hygrometer oder per App in Verbindung mit einer Smart-Home-Lösung. So können Sie schnell prüfen, wie trocken oder feucht die Raumluft wird.“
Beschlagene Fensterscheiben von innen sind ein deutliches Zeichen dafür, dass gelüftet werden muss. Bei einer schlechten Gebäudedämmung können an kalten Tagen bereits 40 Prozent Luftfeuchtigkeit an Wärmebrücken zu viel sein. In gut gedämmten Gebäuden sind 60 Prozent für eine gewisse Zeit unproblematisch.
3. Die richtige Lüftungsweise kombinieren
Manchmal reicht mehrmaliges Stoßlüften nicht aus, um die in Handtüchern, Bettdecken oder Wandoberflächen gespeicherte Feuchtigkeit vollständig zu entfernen. Hier kann eine Lüftungsanlage, zum Beispiel eine Abluftanlage im Bad, einen gleichmäßigen Luftaustausch gewährleisten.
Alternativ können Sie Fenster für eine gewisse Zeit kippen (Spalt-/Kipplüftung), bis die Luftfeuchtigkeit dauerhaft unter 50 Prozent gesunken ist. Stellen Sie dabei die Heizung auf eine kleine Stufe, damit die Luft erwärmt wird und mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Auch nachts kann ein gekipptes Fenster im Schlafzimmer für gute Luft sorgen, besonders wenn mehrere Personen im Raum schlafen. Dies reduziert zudem die CO₂-Belastung und beugt Kopfschmerzen beim Aufwachen vor.
Besonderheiten bei Souterrain-Wohnungen und Hanglagen
Außenwände von Wohnräumen im Souterrain oder am Hang werden im Sommer durch das Erdreich gekühlt, insbesondere wenn sie nicht gedämmt sind. Das ist bei Hitze angenehm, kann aber beim Lüften Probleme verursachen. Die warme Außenluft, die oft mehr Wasserdampf enthält als die Innenluft, kühlt an den kalten Wandoberflächen ab. Dadurch steigt die lokale Feuchtigkeit, was Schimmel begünstigen kann.
In solchen Fällen ist es ratsam, nicht tagsüber bei hohen Außentemperaturen zu lüften, sondern nur in den kühleren Morgen- oder Abendstunden. Entscheidend ist, dass die absolute Luftfeuchte (Wasserdampfgehalt in g/m³) der Außenluft niedriger ist als die der Innenluft, damit Feuchtigkeit abgeführt werden kann.
Zusätzliche Maßnahmen zum Schutz vor Schimmel in Souterrain
- Wandoberflächen erwärmen: Intensive Lüftung bei hohen Außentemperaturen kann kurzfristig die Feuchtigkeit erhöhen, aber die Wände erwärmen sich und verbessern das Raumklima.
- Außenwände dämmen: Eine Dämmung der Kelleraußenwände spart nicht nur Heizenergie im Winter, sondern sorgt auch im Sommer für wärmere Wandoberflächen und reduziert das Schimmelrisiko.
- Kondensationstrockner: Bei niedrigem Stromverbrauch können diese Geräte zur Luftentfeuchtung eingesetzt werden.
- Solarenergie nutzen: Heizkörper, die mit überschüssiger Solarwärme betrieben werden, können Kellerräume im Sommer trocken halten.
Jeder bewohnte Raum sollte beheizbar sein, auch im Souterrain oder Keller. Bei starker Feuchtigkeit oder größeren Schimmelproblemen sollte immer auch die äußere Abdichtung der ans Erdreich grenzenden Außenwände von Fachleuten überprüft werden.
Wann eine Lüftungsanlage sinnvoll ist
Eine Lüftungsanlage sorgt für einen kontrollierten und gleichmäßigen Luftaustausch. Warme, trockene Luft kann so an allen Wänden vorbeiziehen und Feuchtigkeit abführen. Dies ist eine sinnvolle Investition, wenn:
- Die Zeit oder Gelegenheit zum manuellen Lüften fehlt.
- Fenster aus Lärm- oder Einbruchschutzgründen selten geöffnet werden können.
- Schadstoffe und Pollen von außen aus der Frischluft gefiltert werden sollen.
- Die Gebäudehülle nach Sanierungsmaßnahmen luftdichter geworden ist.
Lüftungsanlagen reduzieren nicht nur Schadstoffe und Feuchtigkeit, sondern können durch Wärmerückgewinnung auch beim Energiesparen helfen und schützen effektiv vor Schimmelbefall.
Heiztipps für ein optimales Raumklima
1. Alle Räume auf mindestens 16 bis 18 Grad heizen
Heizen Sie in der Heizperiode alle Wohn- und Schlafräume tagsüber auf mindestens 16 bis 18 Grad Celsius, auch wenn sie selten genutzt werden. Bei schlechtem Bauzustand kann eine höhere Temperatur nötig sein, um Schimmel zu vermeiden. Versuchen Sie nicht, die gesamte Wohnung nur mit einzelnen Heizkörpern zu beheizen. Temperaturunterschiede von mehr als 5 Grad zwischen Räumen können schnell zu Schimmelproblemen führen, wenn warme, feuchte Luft in kühlere Räume gelangt. Schließen Sie daher Türen zwischen unterschiedlich beheizten Räumen.
2. Räume nicht auskühlen lassen
Vergessen Sie in der kalten Jahreszeit nicht, nach dem Lüften die Fenster wieder zu schließen und den Raum anschließend wieder zu beheizen. Dauerlüften führt zu hohem Wärmeverlust und kühlt die Wände aus, wodurch das Wiederaufheizen lange dauert und viel Energie verbraucht.
3. Heizungsluft effektiv nutzen
Stellen Sie keine Möbel direkt vor Heizkörper oder kalte Außenwände. Die Heizungsluft muss sich ungehindert ausbreiten und kalte Wandoberflächen erwärmen können. Dies ist besonders wichtig in schlecht gedämmten Gebäuden, wie unsanierten Altbauten.
Bei weiteren Fragen zum Heizen, Lüften, Feuchtigkeit oder Schimmel bieten die Verbraucherzentralen bundesweit Beratungen an, auch direkt bei Ihnen zu Hause.





