Verbraucher in Deutschland sehen sich zunehmend mit betrügerischen Inkasso-Forderungen konfrontiert. Diese gefälschten Schreiben nutzen oft die Namen seriöser Unternehmen und drohen mit schwerwiegenden Konsequenzen, um Empfänger zur schnellen Zahlung zu bewegen. Es ist entscheidend, wachsam zu bleiben und die Echtheit solcher Forderungen genau zu prüfen, bevor man handelt.
Wichtige Erkenntnisse
- Betrüger nutzen Namen echter Inkasso-Firmen und Drohungen.
- Überprüfen Sie immer die Absenderdetails und Bankverbindungen.
- Zahlen Sie niemals auf ausländische Konten bei unbekannten Forderungen.
- Kontaktieren Sie bei Unsicherheit die Verbraucherzentrale.
- Einige bekannte betrügerische Firmen und Konten sind öffentlich gelistet.
Betrugswelle mit gefälschten Inkasso-Briefen
In den letzten Monaten haben sich Fälle von betrügerischen Inkasso-Forderungen gehäuft. Die Täter gehen dabei immer raffinierter vor. Sie verwenden nicht nur professionell aussehende Schreiben, sondern missbrauchen auch die Namen und Kontaktdaten tatsächlich existierender Inkasso-Unternehmen. Dies macht es für Verbraucher schwierig, echte von falschen Forderungen zu unterscheiden.
Ein typisches Merkmal dieser Betrugsversuche ist die Drohung mit einschüchternden Maßnahmen. Dazu gehören die Meldung an Kreditauskunfteien wie Schufa oder Creditreform, gerichtliche Schritte, Zwangsvollstreckungsbescheide oder sogar die Pfändung von Lohn und Bankkonten. Solche Drohungen sollen Druck erzeugen und die Opfer zur sofortigen Zahlung veranlassen.
Faktencheck
Immer wieder tauchen gefälschte Forderungen auf, die sich auf angebliche Schulden bei Firmen wie Euromillion Lotterie, ZEAL Network SE oder Amazon EU S.à.r.l. beziehen. Verbraucher sollten bei solchen Absendern besonders misstrauisch sein.
So erkennen Sie unseriöse Forderungen
Es gibt mehrere deutliche Anzeichen, die auf eine betrügerische Inkasso-Forderung hindeuten. Eines der wichtigsten ist die Aufforderung zur Überweisung auf ein ausländisches Konto. Achten Sie hierbei auf die ersten beiden Großbuchstaben der internationalen Bankkontonummer (IBAN), die das Länderkürzel darstellen. Forderungen auf Konten außerhalb Deutschlands, insbesondere bei unbekannten Absendern, sind fast immer ein Warnsignal.
Ein weiteres Indiz ist das Fehlen einer direkten Bankverbindung im Schreiben. Oft wird stattdessen eine Telefonnummer angegeben, unter der man die Kontodaten "aus Sicherheitsgründen" erfragen soll. Dies ist eine gängige Taktik von Betrügern, um den direkten Kontakt herzustellen und weitere Informationen zu erlangen oder Druck aufzubauen.
"Wenn Sie ein verdächtiges Schreiben erhalten, überweisen Sie auf keinen Fall Geld und treten Sie nicht in Kontakt mit dem Absender. Geben Sie niemals eine Genehmigung zum Einzug von Geldern von Ihrem Konto." – Verbraucherzentrale
Konkrete Beispiele für betrügerische Maschen
Die Betrüger sind kreativ und entwickeln ständig neue Methoden. Hier einige Beispiele, die in jüngster Zeit aufgetaucht sind:
- Jedermann Inkasso GmbH: Gefälschte Forderungen im Namen dieses Unternehmens, die sich auf angebliche Schulden bei der Euromillion Lotterie beziehen. Die Bankverbindung soll telefonisch unter 06372 6249 909 erfragt werden.
- UNIVERSAL INKASSO AG: Hier werden Forderungen für die ZEAL Network SE geltend gemacht. Auch hier wird die Bankverbindung nur im persönlichen Gespräch "aus Sicherheitsgründen" mitgeteilt.
- DIS Deutsche Inkasso Service GmbH: Betrüger fordern Zahlungen für angebliche Online-Bestellungen bei Amazon EU S.à.r.l. und drohen mit Kontosperrung. Die angegebenen IBANs gehören nicht der echten Firma, zum Beispiel IT68 R052 6279 300C C034 0551 981 (Italien) oder BG79 INTF 4001 2012 5975 88 (Bulgarien).
Hintergrundinformationen
Inkasso-Unternehmen sind dazu berechtigt, offene Forderungen im Auftrag Dritter einzutreiben. Seriöse Firmen halten sich jedoch an strenge gesetzliche Vorgaben. Sie fordern niemals telefonisch Bankdaten an und senden stets detaillierte Aufstellungen der Forderung, inklusive des ursprünglichen Gläubigers und der genauen Zusammensetzung des Betrags.
Was tun bei verdächtigen Inkasso-Forderungen?
Der erste und wichtigste Schritt ist, ruhig zu bleiben und nicht in Panik zu geraten. Lassen Sie sich nicht von den Drohungen einschüchtern. Bezahlen Sie auf keinen Fall sofort, ohne die Forderung gründlich geprüft zu haben.
Überprüfen Sie genau, ob Sie tatsächlich eine offene Rechnung bei dem genannten Unternehmen haben. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob eine Forderung echt ist, kontaktieren Sie das angeblich ursprüngliche Gläubigerunternehmen (z.B. Amazon, Euromillion Lotterie) direkt über deren offizielle Kanäle. Nutzen Sie hierfür nicht die im Inkasso-Schreiben angegebenen Kontaktdaten.
Schutzmaßnahmen im Überblick
- Kein Geld überweisen: Zahlen Sie niemals auf eine Forderung, deren Echtheit Sie anzweifeln.
- Keinen Kontakt aufnehmen: Antworten Sie nicht auf E-Mails, Briefe oder Anrufe der mutmaßlichen Betrüger. Jeder Kontakt kann als Bestätigung Ihrer Existenz und potenziellen "Angreifbarkeit" gewertet werden.
- Keine Einzugsermächtigung erteilen: Unterschreiben Sie niemals ein SEPA-Lastschriftmandat für unbekannte Firmen.
- IBAN prüfen: Eine ausländische IBAN ist ein starkes Warnsignal.
- Verbraucherzentrale kontaktieren: Bei Unsicherheit oder Fragen ist die Verbraucherzentrale die erste Anlaufstelle. Dort erhalten Sie kostenlose Beratung und Unterstützung.
- Schwarze Liste prüfen: Viele Verbraucherzentralen und andere Organisationen führen Listen mit bekannten betrügerischen Inkasso-Firmen und -Konten. Ein Abgleich kann hilfreich sein.
Einige der auf der Schwarzen Liste geführten, betrügerischen Inkasso-Unternehmen sind:
- Newtown Forderungsmanagement GmbH, Berlin
- Spezialist Inkasso GmbH, Dassow
- Expert Inkasso GmbH, Rostock
- Verwaltung Inkasso GmbH, Schönbeck
- Plan Inkasso GmbH, Rheinberg
- FD Inkasso Management, Düsseldorf (Empfänger: Fundacya Help, IBAN: PL62 1020...)
- CR Inkasso Management, Düsseldorf (Empfänger: Creovate SL, IBAN: ES58 6726...)
- Euro Inkasso Management, Düsseldorf (Empfänger: Eurosat Sp.z. o.o., IBAN: PL94 1090...)
- Meister Inkasso GmbH, Espelkamp
- Kanzlei Dr. Schutz & Recht, Rüsselsheim (Empfänger: Musa Demircan, IBAN: GB24 CLJU...)
- Lösung Inkasso GmbH, Aschheim
- M.A. Inkasso Management, Düsseldorf (Empfänger: M. A. S.L, IBAN: LT63 3300...)
- Dienst Inkasso GmbH, Hamburg
- Fokus Inkasso GmbH, Mühlhausen
- Neu Inkasso GmbH, Saarbrücken
- Inkasso Global GmbH, Völklingen
- Partner Inkasso GmbH, Zell im Fichtelgebirge
- Gusto Inkasso Management, Düsseldorf (Empfänger: Melablo S.L., IBAN: ES32 6726...)
Diese Liste ist nur ein Auszug und wird ständig aktualisiert. Es ist wichtig, bei jeder unbekannten Forderung misstrauisch zu sein, besonders wenn die genannten Bankverbindungen oder Kontaktdaten nicht plausibel erscheinen.
Zukünftige Entwicklungen und Prävention
Die Methoden der Betrüger werden voraussichtlich weiterhin komplexer. Es ist daher entscheidend, dass Verbraucher sich kontinuierlich über aktuelle Betrugsmaschen informieren. Behörden und Verbraucherschutzorganisationen geben regelmäßig Warnungen heraus, die man ernst nehmen sollte.
Langfristig helfen nur Aufklärung und eine gesunde Skepsis gegenüber unerwarteten Forderungen. Speichern Sie wichtige Kontaktdaten von seriösen Inkasso-Unternehmen und Gläubigern, um im Zweifelsfall schnell die Echtheit überprüfen zu können. Eine proaktive Haltung ist der beste Schutz vor finanziellen Schäden durch Betrug.
Denken Sie daran: Ein seriöses Inkasso-Unternehmen wird Ihnen immer eine klare und nachvollziehbare Aufstellung der Forderung zukommen lassen und Ihnen ausreichend Zeit zur Prüfung geben. Telefonische Drohungen oder die Aufforderung zur sofortigen Zahlung auf ein unbekanntes Auslandskonto sind immer ein Alarmzeichen.





