Der globale Motorradmarkt erlebt eine tiefgreifende Transformation. Während traditionelle Märkte in Europa und den USA schrumpfen, boomen die Verkaufszahlen in Asien und Lateinamerika. Dies führt zu Verschiebungen in der globalen Produktionslandschaft und stellt etablierte Marken vor neue Herausforderungen, während neue Akteure wie chinesische Hersteller aufsteigen.
Wichtige Erkenntnisse
- Asien und Lateinamerika treiben das globale Motorradwachstum an.
- Japanische Hersteller wie Honda dominieren weiterhin den Weltmarkt.
- Indische Marken profitieren vom größten Heimatmarkt der Welt.
- Chinesische Hersteller streben eine Expansion in westliche Märkte an.
- Europäische Marken wie KTM stehen unter Druck, während BMW stabil bleibt.
Asien und Lateinamerika: Die Wachstumsmotoren
Der Motorradabsatz in Europa und den USA ist über die letzten Jahrzehnte stetig zurückgegangen. Im Gegensatz dazu verzeichnen die asiatischen Märkte ein enormes Wachstum. Hier werden Millionen von kleinen Motorrädern und Rollern verkauft, was den Herstellern durch die schiere Masse hohe Umsätze sichert. Diese Entwicklung ist entscheidend für die globale Zukunft der Branche.
Auch Lateinamerika gewinnt zunehmend an Bedeutung. Zwischen 2012 und dem letzten Jahr stieg der Verkauf von Krafträdern von 3,7 Millionen auf 5,86 Millionen. Brasilien ist hierbei der größte Markt, der im vergangenen Jahr einen neuen Rekord von 2,35 Millionen Motorrädern erreichte. Mexiko, das zum nordamerikanischen Markt gezählt wird, verzeichnete ebenfalls rund zwei Millionen Verkäufe. Mit einem Plus von 20,6 Prozent war Lateinamerika im letzten Jahr der weltweit am schnellsten wachsende Markt.
Interessanter Fakt
Im Jahr 2025 verkaufte Honda, der größte Motorradhersteller der Welt, einen Rekord von 20,7 Millionen motorisierten Zweirädern, wobei ein Großteil davon auf Roller in Asien entfiel.
Die Dominanz japanischer Schwergewichte
Die vier großen japanischen Marken – Honda, Yamaha, Suzuki und Kawasaki – bleiben feste Größen im globalen Motorradgeschäft. Ihre frühe Präsenz in Asien durch Kooperationen und lokale Werke hat sich ausgezahlt. Sie produzieren dort komplette Motorräder oder liefern die notwendige Technologie.
Honda ist unangefochten die Nummer eins. Yamaha, als weltweite Nummer zwei, erzielte im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 13,8 Milliarden Euro und einen Gewinn von fast 700 Millionen Euro. Suzuki verkaufte im Jahr 2024 über 2,1 Millionen Motorräder, generiert aber den Großteil seines Umsatzes mit Autos und Bootsmotoren. Kawasaki, Teil eines riesigen Konzerns, der auch in Schiffsbau und Luftfahrttechnik tätig ist, setzte im selben Jahr 478.125 Motorräder ab. Diese Marken sind finanziell stark aufgestellt und gelten als 'too big to fail'.
Indien: Der größte Motorradmarkt der Welt
Indien ist mit 20,7 Millionen verkauften Krafträdern im letzten Jahr der größte Motorradmarkt der Welt. Dieser Markt wuchs um 3,5 Prozent, und Experten prognostizieren weiteres Wachstum. Die großen indischen Hersteller wie Hero, TVS, Bajaj und Royal Enfield profitieren stark von dieser Entwicklung.
Marktführer Hero verkaufte 2025 über sechs Millionen Motorräder weltweit, davon 5,7 Millionen in Indien. Auch TVS und Bajaj produzieren Millionen von Krafträdern. Selbst Royal Enfield, die kleinste der genannten Marken, baute im letzten Jahr 1,1 Millionen Motorräder. Royal Enfield ist auch in Europa erfolgreich, da sie im Vergleich zu ihren heimischen Konkurrenten deutlich größere Hubräume anbieten.
Hintergrundinformationen
Die Verlagerung der Produktion nach Asien ist für viele europäische und amerikanische Marken eine strategische Notwendigkeit. Niedrigere Produktionskosten und der Zugang zu den wachsenden Märkten machen diese Regionen attraktiv.
Chinas Vormarsch auf die Weltmärkte
China ist mit 12,6 Millionen verkauften Krafträdern im Jahr 2025 der zweitgrößte Motorradmarkt weltweit. Die meisten dort verkauften Motorräder stammen aus heimischer Produktion. Chinesische Hersteller drängen nun verstärkt auf die westlichen Märkte und bringen dafür gute Voraussetzungen mit: niedrige Produktionskosten, gut ausgebildete Fachkräfte und eine schnelle Lernkurve.
Chinesische Marken zeichnen sich durch schnelle Modellwechsel und eine große Vielfalt aus. Sie experimentieren auch mit neuen Ideen, wie einem Achtzylinder-Boxermotor. Das Kopieren ist nicht mehr nötig; die Hersteller entwickeln eigene Motoren in allen Hubräumen, bieten umfangreiche Ausstattung und eine hohe Qualität. Marken wie CFMoto, Loncin, QJ Motor, Yadea und Kove versuchen, in Europa und Nordamerika Fuß zu fassen. Es bleibt abzuwarten, welche dieser Marken sich langfristig durchsetzen werden.
„Die Innovationskraft der chinesischen Motorradindustrie ist beeindruckend. Sie entwickeln eigene Technologien und expandieren aggressiv in neue Märkte.“
Europäische Marken unter Druck: KTM und BMW
Bei den europäischen und amerikanischen Marken gibt es unterschiedliche Entwicklungen. KTM, nach einer Insolvenz von Bajaj übernommen, steht vor großen Herausforderungen. Der Stellenabbau in Mattighofen seit 2024 war erheblich. Rajiv Bajaj, Managing Director von Bajaj, äußerte sich kritisch über den teuren Standort Europa. Eine Verlagerung der Produktion nach Indien, wo bereits kleinere KTM-Modelle gefertigt werden, ist denkbar.
Eine Konzentration auf KTMs Kernkompetenz Offroad (Motocross und Sportenduro), wo die Marke Marktführer ist, könnte sinnvoll sein. Auch die Modelle in der Einsteiger- und Mittelklasse dürften profitabel bleiben. Die Zukunft der KTM-Marken Husqvarna und Gasgas ist noch offen, sie werden aber vorerst weiter in Mattighofen produziert. Eine Reduzierung der Plattformen, wie von der Unternehmensberatung Boston Consulting empfohlen, könnte anstehen, da derzeit fast identische Modelle unter den drei Labels angeboten werden.
- KTMs Kernkompetenz: Offroad-Motorräder.
- Potenzielle Produktionsverlagerung nach Indien.
- Zukunft von Husqvarna und Gasgas ungewiss.
Stabilität bei BMW Motorrad
BMW Motorrad hingegen zeigt sich stabil. Die bayerische Premium-Marke verkaufte 2025 weltweit 202.563 Motorräder. Dies war das vierte Jahr in Folge, in dem die Marke die 200.000er-Marke überschritt. Dies ist bemerkenswert, da der Markt für Motorräder über 500 cm³ Hubraum derzeit als rückläufig gilt. Preisdruck, regulatorische Vorgaben und unsichere Zollregelungen setzen die Hersteller in diesem Segment unter Druck.
Der unangefochtene Bestseller ist die große Boxer-Enduro. Die R 1300 GS Adventure erreichte im letzten Jahr 33.570 Verkäufe, während die R 1300 GS auf 32.555 Stück kam. Zusammen machen diese Modelle rund ein Drittel der Gesamtproduktion aus. Der wichtigste Markt für BMW bleibt Europa mit fast 119.000 verkauften Motorrädern. Den schwächelnden US-Motorradmarkt konnte BMW gut kompensieren. Die Marke erhofft sich zusätzlichen Schub durch die neue kleine Enduro F 450 GS, die beim Partner TVS in Indien gefertigt wird.
BMW Motorrad Zahlen
- Gesamtverkauf 2025: 202.563 Motorräder.
- Anteil R 1300 GS Modelle: ca. ein Drittel.
- Wichtigster Markt: Europa mit fast 119.000 Verkäufen.





