Mercedes-Benz hat sein Flaggschiff, die S-Klasse, einer umfassenden Modellpflege unterzogen. Im Fokus stehen dabei nicht nur dezente optische Anpassungen, sondern vor allem ein stark erweiterter Technologieumfang im Innenraum. Das aktualisierte Luxusmodell integriert fortschrittliche KI-Systeme und bietet Neuerungen im Bereich Fahrerassistenz, obwohl das teilautonome Fahren auf Level 3 vorerst ausgesetzt wird.
Wichtige Neuerungen
- Integration von ChatGPT-4o, Microsoft Bing und Google Gemini in MBUX.
- Verzicht auf Level-3-Autonomie, Fokus auf Level-2++-Systeme.
- Überarbeitetes Interieur mit vielen Displays und optimierter Bedienung.
- Neue Motorenoptionen, darunter ein Achtzylinder und zwei Plug-in-Hybride.
- Einführung von Komfortfunktionen wie beheizbaren Gurten.
Intelligenter Innenraum: KI zieht in die S-Klasse ein
Der Innenraum der überarbeiteten S-Klasse präsentiert sich mit einer Fülle an hochauflösenden Displays. Mercedes-Benz verspricht eine noch intuitivere Bedienung des Infotainmentsystems MBUX, das nun auf dem Betriebssystem MB.OS basiert. Eine der größten Neuerungen ist die Integration von gleich drei populären KI-Systemen: ChatGPT-4o, Microsoft Bing und Google Gemini. Diese Systeme sollen den Fahrern in verschiedenen Situationen Unterstützung bieten und die Interaktion mit dem Fahrzeug verbessern.
Ein besonderes Feature ist der MBUX Virtual Assistant. Dieser Avatar auf der Benutzeroberfläche nutzt dynamische Farben und Animationen, um eine "verstärkte emotionale Bindung" zum Fahrer aufzubauen. Während dieses Konzept in westlichen Märkten möglicherweise auf Skepsis stößt, ist es vor allem auf dem asiatischen Markt relevant, wo ein Großteil der S-Klassen verkauft wird und solche emotionalen Schnittstellen geschätzt werden. Für europäische Kunden wird diese Funktion voraussichtlich abschaltbar sein.
„Die Integration von drei führenden KI-Systemen in MBUX markiert einen wichtigen Schritt in der Entwicklung unserer Fahrzeuginteraktion. Wir wollen damit den Komfort und die Personalisierung für unsere Kunden weiter steigern.“
Komfort und Praktikabilität im Detail
Neben den digitalen Innovationen hat Mercedes auch physische Komfortmerkmale weiterentwickelt. Nach Kritik an der Bedienung des Lenkrads wurden einige der Wischflächen reduziert, um die Alltagstauglichkeit zu erhöhen. Eine weitere Neuerung sind die beheizbaren Gurte, die eine Temperatur von bis zu 44 Grad erreichen können. Damit sind nun fast alle Kontaktflächen im Innenraum klimatisierbar, was den Luxusanspruch der S-Klasse unterstreicht.
Interessanter Fakt
Die beheizbaren Gurte können eine Temperatur von bis zu 44 Grad Celsius erreichen und tragen zum umfassenden Klimakomfort im Fahrzeug bei.
Das Angebot an nachträglich installierbaren Apps wird ebenfalls erweitert. Mercedes plant, über 40 Apps anzubieten, darunter zukünftig eine Felgenschutz-Warnung, die teure Kratzer beim Parken verhindern soll. Diverse Helfer sollen zudem das Ein- und Ausparken erleichtern, was in urbanen Gebieten gerne angenommen wird.
Fahrerassistenz: Fokus auf Level 2++
Ein bemerkenswerter Punkt der Modellpflege ist der Verzicht auf das teilautonome Fahren auf Level 3 in der überarbeiteten S-Klasse. Mercedes begründet diesen Schritt unter anderem mit wirtschaftlichen Überlegungen, da nur wenige Kunden bereit waren, die zusätzlichen Kosten für die begrenzten Fähigkeiten des Level-3-Systems zu tragen. Dieses System erlaubte das Fahren mit maximal 95 km/h unter vielen Einschränkungen und erforderte die ständige Bereitschaft des Fahrers zur Übernahme.
Hintergrund Level 3 Autonomie
Level 3 des autonomen Fahrens bedeutet, dass das Fahrzeug unter bestimmten Bedingungen die Fahraufgabe vollständig übernehmen kann, der Fahrer jedoch jederzeit bereit sein muss, die Kontrolle innerhalb weniger Sekunden zurückzugewinnen. Mercedes hatte dieses System zuvor angeboten, zieht es nun aber vorläufig zurück.
Stattdessen konzentriert sich Mercedes auf die Weiterentwicklung eines "Level 2++"-Systems. Dieses System, das bereits im CLA erprobt wurde, ermöglicht es dem Fahrzeug, sich praktisch allein durch den Verkehr zu bewegen, auch in der Stadt. Der Fahrer bleibt jedoch jederzeit in der Verantwortung und muss eingreifen können. Die Freigabe dieses Systems erfolgt zunächst für Straßen in China, eine Zulassung für den US-Markt wird erwartet. Europäische Kunden müssen auf die Anpassung der gesetzlichen Vorgaben warten.
Mercedes betont, das Thema Level 3 und Level 4 des autonomen Fahrens nicht aufzugeben, diese Technologien werden jedoch in dieser Generation der S-Klasse voraussichtlich nicht mehr angeboten.
Leistungsstarke Antriebe und Preisgestaltung
Das Motorenprogramm der modellgepflegten S-Klasse ist vielfältig und umfasst einen neuen Achtzylinder, vier Sechszylinder und zwei Plug-in-Hybride. Bis auf den schwächeren der beiden PHEV-Modelle verfügen alle Varianten über Allradantrieb. Ein Zwölfzylinder ist, wie es aussieht, nur noch in der gepanzerten Ausführung erhältlich.
Die Leistungspalette erstreckt sich von Sechszylinder-Benzinern wie dem S 450 4matic mit 280 kW bis hin zum leistungsstarken S 580e 4matic Plug-in-Hybrid mit 430 kW. Die Dieselvarianten, wie der S 350d 4matic mit 230 kW, bieten weiterhin effiziente Optionen. Die Verbrauchswerte (WLTP) der Benziner liegen zwischen 8,2 und 11,3 Litern pro 100 Kilometer, die Diesel zwischen 6,2 und 6,9 Litern. Für die Plug-in-Hybride wurden noch keine spezifischen Verbrauchswerte veröffentlicht.
Antriebsvielfalt
- Sechszylinder-Benziner: S 450 4matic (280 kW), S 500 4matic (330 kW)
- Achtzylinder-Benziner: S 580 4matic (395 kW)
- Sechszylinder-Diesel: S 350d 4matic (230 kW), S 450d 4matic (270 kW)
- Plug-in-Hybride: S 450e (240 kW), S 580e 4matic (430 kW)
Das Einstiegsmodell, der S 350 d, startet bei 121.356 Euro und 20 Cent. Mercedes-Benz hat bereits ein erstes Leasingangebot für dieses Modell vorgestellt: Mit einer Sonderzahlung von etwa 25.000 Euro und einer Laufleistung von maximal 45.000 km über drei Jahre kostet der S 350 d ohne zusätzliche Extras 1020 Euro pro Monat. Dies unterstreicht den exklusiven Charakter der S-Klasse, die traditionell kein Fahrzeug für den Massenmarkt ist.
Mercedes hofft, dass die Kunden Verbrennungsmotoren in diesem Segment noch einige Jahre akzeptieren werden, da auch in der Luxusklasse der Trend zur Elektromobilität immer stärker wird. Die S-Klasse bleibt jedoch ein Symbol für Luxus und technologische Innovation, auch wenn sie sich in einem sich wandelnden Markt behaupten muss.





