Die spanische Firma BBM Motorcycles präsentiert mit der Hiro eine neue Generation von Elektromotorrädern. Das Besondere daran: Statt auf maximale Reichweite setzen die Entwickler auf extrem kurze Ladezeiten. Vier verschiedene Modelle sollen auf einer gemeinsamen Plattform erscheinen und den Markt beleben.
Wichtige Fakten
- Vier Modelle auf einer Plattform: Streetfighter, Roadster, Café Racer, Scrambler.
- 15 Minuten Ladezeit für 80 Prozent der Batteriekapazität.
- Reichweite bis zu 225 km im City-Modus.
- Leistung von 70 kW, A2-Führerschein-kompatibel.
- Verkleidung aus Pflanzenbasis und recycelbar.
Ein frischer Ansatz im Elektromotorradmarkt
Elektromotorräder haben sich in Europa bisher nur langsam durchgesetzt. In Asien, insbesondere in China und Indien, sieht die Situation anders aus. Die französischen Brüder Guillaume und Benoit Barras, die hinter BBM Motorcycles stecken, wollen diesen Trend ändern. Sie haben bereits seit 2012 unter dem Label Angry Lane Customs Motorrad-Umbauten und Bekleidung entworfen.
Die Brüder Barras erkannten eine Lücke im Markt. Sie fanden keine Elektromotorräder, die ihren Vorstellungen entsprachen: oft zu schwer, zu geringe Reichweite, zu viel Plastik und vor allem zu lange Ladezeiten. Dies führte zur Entwicklung der Hiro, einem Motorrad, das klassisches Design mit modernster Elektrotechnik verbindet.
Interessanter Fakt
Die Barras-Brüder zogen für die Entwicklung der Hiro in die Nähe von Bilbao im spanischen Baskenland. Dort befindet sich das Automotive Intelligence Center, ein Zentrum für Unternehmen im Automobilbereich.
Vier Modelle auf einer gemeinsamen Basis
BBM Motorcycles plant, vier verschiedene Modelle auf einer einzigen Plattform anzubieten. Dazu gehören die Hiro Streetfighter, die Hiro Roadster, die Hiro Café Racer und die Hiro Scrambler. Alle Varianten teilen sich einen Stahl-Gitterrohrrahmen, der an klassische Ducati-Modelle erinnert.
Für die Entwicklung des Antriebs arbeitet BBM mit dem belgischen Elektromotorrad-Spezialisten Saroléa zusammen. Der flüssigkeitsgekühlte Elektromotor leistet 70 kW und bietet ein Drehmoment von 150 Nm. Die Dauerleistung liegt bei maximal 35 kW. Dies ermöglicht es, die Hiro mit einem A2-Führerschein zu fahren. Die Höchstgeschwindigkeit soll bei 190 km/h liegen, die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in nur 3,5 Sekunden erfolgen.
Beeindruckende Ladezeiten
Ein zentrales Merkmal der Hiro ist ihr Batteriesystem. Der markante Batterieblock mit Rippen hat eine Kapazität von 12,96 kWh. Die Betriebsspannung beträgt 360 Volt. Der Hersteller verspricht hier eine Revolution: An einem Schnellladeanschluss soll der Akku in nur 15 Minuten auf 80 Prozent geladen sein.
Dies würde bedeuten, dass im Schnitt mit rund 40 kW geladen werden müsste, wenn es sich um den Bereich von 10 auf 80 Prozent handelt. Das integrierte AC-Ladegerät liefert bis zu 6,6 kW. An einer normalen 230-Volt-Steckdose dauert das Laden auf 80 Prozent etwa zwei Stunden und 40 Minuten.
„Wir wollten ein Elektromotorrad schaffen, das nicht nur gut aussieht, sondern auch im Alltag überzeugt, besonders durch schnelles Laden“, erklärt Guillaume Barras. „Lange Wartezeiten an der Ladesäule gehören damit der Vergangenheit an.“
Reichweite und Fahreigenschaften
Die Reichweiten der Hiro variieren je nach Fahrmodus. Im City-Modus, der 34 kW Leistung freigibt, sind bis zu 225 km möglich. Im Mix-City-Modus mit 51 kW sind es noch 180 km. Für längere Touren im Explorer-Modus (29 kW) werden 170 km angegeben. Bei voller Leistung im Sport-Modus erreicht die Hiro immer noch 125 km.
Mit einem Gewicht von 200 kg ist die Streetfighter-Version vergleichsweise leicht für ein Elektromotorrad. Die Batterie ist tief positioniert, was einen niedrigen Schwerpunkt und damit eine gute Handlichkeit verspricht. Ein Lenkkopfwinkel von 66 Grad unterstreicht diese Ausrichtung.
Hintergrund zum A2-Führerschein
Der A2-Führerschein erlaubt das Fahren von Motorrädern mit einer Motorleistung von maximal 35 kW. Die BBM Hiro ist so konzipiert, dass sie diese Anforderung erfüllt, obwohl ihr Elektromotor eine Spitzenleistung von 70 kW hat. Die Dauerleistung ist entscheidend für die Führerscheinklasse.
Detailverliebtheit und Nachhaltigkeit
Der Elektromotor ist am Schwingendrehpunkt montiert, und der Endantrieb erfolgt über eine Kette. Dies sorgt dafür, dass der Kettendurchhang unabhängig vom Einfederweg konstant bleibt. Die Federelemente stammen von einem nicht näher genannten Zulieferer, das hintere Feder-Dämpfer-Bein ist direkt an der Aluminium-Schwinge befestigt. Die Sitzhöhe wird mit 790 mm angegeben, kann aber je nach Modell variieren.
Alle vier Hiro-Versionen verfügen über klassische Drahtspeichenräder. Die Dimensionen der Räder und die Reifen sind an den jeweiligen Einsatzzweck angepasst. Auf den computergenerierten Bildern sind Michelin-Reifen zu sehen. Die Bremszangen stammen von Brembo, und das ABS soll abschaltbar sein. Dazu kommen Schlupfregelung und einstellbare Rekuperation.
- Bremsen: Brembo-Zangen, abschaltbares ABS
- Assistenzsysteme: Schlupfregelung, einstellbare Rekuperation
- Nachhaltigkeit: Verkleidung aus Pflanzenbasis, recycelbar
Ein wichtiger Aspekt für die Barras-Brüder ist der CO₂-Fußabdruck. Daher sollen die Verkleidungsteile und Abdeckungen der Hiro auf Pflanzenbasis hergestellt und recycelbar sein. Dies unterstreicht den Fokus auf umweltfreundliche Produktion.
Preise und Verfügbarkeit
Die vier Hiro-Modelle sollen ab Juli 2026 lieferbar sein. Der „erwartete Preis“ – wie BBM es formuliert – liegt bei 16.900 Euro. Die Bestellung und Konfiguration erfolgt ausschließlich online. Eine Registrierung erfordert eine Anzahlung von 100 Euro, die später mit dem Kaufpreis verrechnet wird, um einen Platz in der Warteschlange zu sichern.
Mit diesem Preis und den innovativen Ladezeiten könnte die BBM Hiro eine interessante Option für Motorradfahrer darstellen, die auf Elektromobilität umsteigen möchten, ohne auf Stil und Fahrspaß zu verzichten.





