Der Automobilclub von Deutschland (AvD) hat sich mit klaren Forderungen an die Politik gewandt. Im Mittelpunkt stehen die Senkung der Energiepreise für Autofahrer und die verstärkte Förderung von synthetischen Kraftstoffen, sogenannten eFuels. Der Club argumentiert, dass eine klimaneutrale Mobilität in Deutschland nicht allein durch Elektrofahrzeuge zu erreichen sei und der bestehende Fahrzeugbestand berücksichtigt werden müsse.
Wichtige Punkte
- AvD fordert Senkung der Kraftstoff- und Ladekosten.
- Kritik an hohen Spritpreisen von über 2 Euro pro Liter.
- Forderung nach Abschöpfung "ungerechtfertigter Gewinne" bei Energiekonzernen.
- Einsatz für die Entwicklung und Produktion von eFuels.
- Warnung vor den hohen Kosten und der begrenzten Verfügbarkeit von eFuels.
Hohe Energiepreise belasten Verbraucher
Die aktuellen Kraftstoffpreise stellen für viele Autofahrer eine erhebliche Belastung dar. Preise von über 2,30 Euro pro Liter sind keine Seltenheit und treffen insbesondere Haushalte mit geringem Einkommen, die auf ihr Auto angewiesen sind. Der AvD betont, dass diese Preissteigerungen oft nicht mit den tatsächlichen Gestehungskosten in Europa in Verbindung stehen.
Der Club fordert daher eine Abschöpfung ungerechtfertigter Gewinne. Solche Gewinne, die einzig aus internationalen Krisen resultieren, sollten dem Gemeinwohl zugutekommen. Diese Forderung zielt darauf ab, die finanzielle Last für Pendler und andere auf das Auto angewiesene Personen zu mindern.
Faktencheck: Spritpreise
- Kraftstoffpreise erreichen regelmäßig über 2 Euro pro Liter.
- Dies trifft insbesondere Pendler und Geringverdiener.
- Der AvD fordert staatliche Maßnahmen zur Preisregulierung.
Kritik an CO2-Steuer und Ladekosten für E-Autos
Neben den hohen Spritpreisen kritisiert der AvD auch die Ausweitung der CO2-Steuer. Aus Sicht des Clubs sollte der Staat auf eine weitere Erhöhung verzichten. Dies stünde jedoch im Widerspruch zu europäischen Vereinbarungen, da die CO2-Bepreisung zukünftig auf europäischer Ebene geregelt wird. Eine nationale Abweichung wäre daher mit erheblichen politischen und rechtlichen Hürden verbunden.
Auch die Ladekosten für Elektroautos stehen im Fokus. Der AvD argumentiert, dass hohe Strompreise die Wirksamkeit von Förderprogrammen für Elektrofahrzeuge untergraben. Eine Senkung der Ladekosten sei dringend notwendig, um den Umstieg auf Elektromobilität attraktiver zu machen.
„Der AvD hält die Abschöpfung ungerechtfertigter Gewinne für gerechtfertigt. Preissteigerungen, die einzig aus den internationalen Krisen herrühren, ohne dass sie mit den Gestehungskosten in Europa in Zusammenhang stehen, müssen dem Gemeinwohl zugeführt werden.“
Experten weisen jedoch darauf hin, dass die Fahrenergiekosten – selbst bei 50 Cent pro Kilowattstunde und einem Verbrauch von 20 kWh/100 km – immer noch günstiger sind als die Kosten für einen vergleichbaren Verbrenner mit Spritpreisen über 2 Euro pro Liter. Die Annahme, hohe Ladekosten würden die Kaufanreize für Elektroautos aufheben, ist aus dieser Perspektive fragwürdig.
Herausforderungen beim Infrastrukturausbau
Ein weiteres ungelöstes Problem ist die Finanzierung eines beschleunigten Infrastrukturausbaus für Elektrofahrzeuge. Wenn gleichzeitig die Preise pro Kilowattstunde sinken sollen, stellt sich die Frage, woher die notwendigen Mittel kommen. Diesen Aspekt lässt der AvD in seinen Forderungen offen.
Hintergrund: CO2-Bepreisung
Die CO2-Steuer ist ein Instrument zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Sie verteuert fossile Brennstoffe, um Anreize für umweltfreundlichere Alternativen zu schaffen. Auf europäischer Ebene gibt es Bestrebungen, die CO2-Bepreisung zu harmonisieren und auszuweiten.
eFuels als Lösung für Klimaneutralität?
Ein zentraler Punkt in den Forderungen des AvD ist die Rolle von eFuels. Der Club bezeichnet die Förderung von Entwicklung und Produktion dieser synthetischen Kraftstoffe, die aus erneuerbaren Energien hergestellt werden, als „zwingende Aufgabe einer verantwortungsvollen Klimapolitik“. Die Argumentation lautet, dass Klimaneutralität nur unter Berücksichtigung des gesamten Fahrzeugbestands erreicht werden kann, nicht nur durch neue Elektroautos.
Allerdings gibt es hier einen Widerspruch zur Forderung nach bezahlbarer Mobilität. eFuels sind absehbar weder billig noch in großen Mengen verfügbar. Ihre Produktion ist energieintensiv: Für einen Liter synthetischen Kraftstoff werden rund 27 kWh Primärenergie und fünf bis neun Liter Reinwasser benötigt. Dazu kommen hohe Kosten für Produktionsanlagen, die idealerweise kontinuierlich laufen müssen.
Produktion von eFuels
- Benötigt ca. 27 kWh Primärenergie pro Liter.
- Verbraucht 5-9 Liter Reinwasser pro Liter eFuel.
- Produktionsanlagen sind teuer und energieintensiv.
Die Bezeichnung von eFuels als "klimafreundlich" oder gar "klimaneutral" ist umstritten. Die Herstellung erfordert einen erheblich schnelleren und größeren Ausbau erneuerbarer Energien, als er ohnehin schon notwendig ist und derzeit stattfindet. Das Hoffen auf billigen synthetischen Sprit scheint daher vergeblich.
Die vertane Chance für eine klare Position
Der AvD hätte die Möglichkeit gehabt, eine klare Botschaft an die Autofahrer zu senden und sie zum Umstieg auf Elektroautos zu ermutigen. Stattdessen zeichnet der Club ein Bild, das Verunsicherung schafft und Hoffnungen auf eine unrealistische Zukunft des Verbrenners nährt. Der Verbrennungsmotor wird mittelfristig nicht die preiswerte Alternative sein, sondern sowohl im Wertverlust als auch bei den Fahrenergiekosten teuer bleiben.
Ein rascher Wandel bei Neuwagen ist entscheidend. Ein steigender Anteil neuer Elektroautos auf dem Markt führt zu einem wachsenden Angebot auf dem Gebrauchtwagenmarkt, was auch für diejenigen wichtig ist, die sich keine teuren Neuwagen leisten können. eFuels sollten kein Argument dafür sein, den Bestand an Verbrennungsmotoren weiter anwachsen zu lassen.
Eine solche klare Positionierung hätte dem AvD vielleicht kurzfristig weniger Applaus eingebracht, aber mittelfristig den Ruf einer Organisation gesichert, die sich für echte Nachhaltigkeit einsetzt. Diese Chance wurde nach Ansicht vieler Experten vertan.





